Fechten
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[bearbeiten] Fechten (mit Klingen kämpfen)
[bearbeiten] Geschichte des Fechtsports
Das sogenannte Sportfechten zwischen zwei Personen gab es schon in einer ursprünglichen Variante in der Antike. Später entwickelte sich daraus das Duell, welches aber ab der Verbreitung des Schießpulvers etwas ins Abseits geriet. Duelle wurden früher nur mit dem Schwert oder dem Säbel ausgefochten.
Ende des 19. Jahrhunderts wurden der Degen, sowie der Säbel und das Florett standardisiert und stellen auch heute noch die üblichen Kampfsportwaffen dar.
Der Schwertkampf ist heute nicht mehr üblich, jedoch gibt es zahlreiche Verehrer dieses Sports, die diese Art zu kämpfen weiter am Leben erhalten.
Gefochten wird auf der Fechtbahn, der sogenannten „Planche“, die etwa 14 m lang und ca. 1,5 m bis 2 m breit ist. Je zwei Meter links und rechts neben der Mittellinie - parallel dazu - befindet sich die Startlinie. Die letzten beiden Meter vor den hinteren Grenzlinien sind farbig markiert. Beim Fechten bestehen die Waffen jeweils aus einer Klinge und einer Glocke, welche die Hand vor Verletzungen schützt.
[bearbeiten] Der Degen
Der Degen entwickelte sich aus dem Rapier, einer im frühen 16. Jahrhundert unter Adeligen verbreitete Hieb- und Stichwaffe. Das Rapier hatte schon einen Schutz für den Zeigefinger und eine relativ leichte, schlanke Klingenform. Zusätzlich konnte man damals noch den „Buckler“ - ein kleines aus Eisen geschmiedetes Faustschild - tragen.
Aus dem Rapier entwickelten sich im 18. Jh. der Stoßdegen und der Pariser. Beide besitzen ein kleineres Blatt und eine dreikantige, spitze Klinge. Der florettähnliche Pariser blieb in Studentenverbindungen bis ins 19. Jahrhundert sehr beliebt.
Der Degen ist eine reine Stichwaffe, besteht aus „Maraging Stahl“, ist 110cm lang, und darf das Gewicht von 770g nicht überschreiten. Das Anzeigegewicht für einen Stoß beim Fechten mit dem Degen beträgt 750g (7,35 Newton). Als Angriffsfläche für einen Treffer steht in diesem Fall der gesamte Körper des Gegners zur Verfügung.
Als offizielle Kampfsportart für Männer wurde das Degenfechten schon 1900 bei den zweiten olympischen Spielen in Paris eingeführt. Die Frauen hingegen mussten allerdings bis zu den olympischen Spielen 1996 in Atlanta warten, bis auch sie in dieser Disziplin teilnehmen durften. Der erste Goldmedaillengewinner war der kubanische Amerikaner Ramón Fonst, der 1900 für Amerika den ersten olympischen Titel holte und vier Jahre später denselben für Kuba.
[bearbeiten] Das Florett
Der Ausdruck Florett entstammt dem französischen Wort „fleuret“(die Knospe). Der damals übliche spitze Degen wurde „entschärft“, indem man über die Spitze eine stumpfe Knospe stülpte und die Klinge einwickelte. Normalerweise tat man dies nur zu Übungszwecken, in Frankreich aber wurden auch spitze Floretts zum duellieren eingesetzt.
Das heutige Standardflorett ist 110cm lang, wobei die Klinge eine Länge von 90cm nicht überschreiten darf. Für den Griff gibt es drei verschiedene Arten: „französisch“, „italienisch“ und „orthopädisch“. Das Anzeigegewicht für einen Stoß ist mit 500g (4,9 Newton) festgesetzt und das Höchstgewicht für das Florett liegt bei 550g. Als Angriffsfläche darf nur der Rumpf (angefangen 6cm oberhalb des Schlüsselbeins, über die Armnaht bis zur hinteren Querverbindung der beiden Hüftknochenoberkanten und vorne inklusive dem Bereich zwischen den Leisten) des Gegenübers genutzt werden, was einen Unterschied zum Degenfechten darstellt. Der Unterschied zum Säbelfechten liegt darin, dass man mit dem Florett eine reine Stoß-/Stichwaffe (Aktionen werden nur mit der Spitze durchgeführt) besitzt, wohingegen der Säbel zu den Hieb- und Stichwaffen gehört.
Schon bei den ersten olympischen Spielen in Athen 1896 wurde das Florett für Männer als eigene Disziplin vertreten. Der Franzose Eugène-Henri Gravelotte holte mit dem Sieg im Florett für Frankreich den ersten olympischen Siegertitel überhaupt. Die Damen wurden erstmals bei den Sommerspielen 1920 in Antwerpen zugelassen.
[bearbeiten] Der Säbel
Die ersten Säbel treten als Jagdwaffen in Afrika, Ostasien und Europa auf. Ab dem 13. Jahrhundert wurden sie aufgrund ihrer Krümmung als Waffe im Kampf immer beliebter, da man so mit etwas Übung viel mehr Schaden am Gegner verursachen konnte. Eigentlich galt der Säbel als Stichwaffe, aber je größer die Krümmung, desto eher konnte er auch als Hiebwaffe eingesetzt werden.
Die heute zum Sportfechten eingesetzten Säbel haben mit dem historischen Säbel aber so gut wie nichts mehr gemein. Die Maximallänge liegt bei 105cm, das Maximalgewicht bei 500g. Die Klinge ist gerade, mit stumpfer Vorschneide. Ein Bügel schützt die Hand und im Gegensatz zum Florett- und Degenfechten weist der Griff keine Vertiefungen für die Finger auf.
Beim Fechten mit dem Säbel zählen nicht nur die Stöße, sondern auch die Hiebe und das Ganze ohne Anzeigegewicht. Jeder in der Angriffsfläche gelandete Treffer zählt. Zu dieser gehören in diesem Fall der Rumpf inklusive Kopf und Arme (ohne Hände).
Auch das Säbelfechten war 1896 bei den ersten olympischen Spielen in Athen schon vertreten, bei den Damen wurde der Säbel erst 1999 zur Weltmeisterschaft zugelassen (2004 in Athen olympisch). Der erste Olympiasieger im Säbelfechten war 1896 der Grieche Ionnis Georgiadis. Bei den inoffiziellen Zwischenspielen 1906 konnte er den Sieg im Einzel wiederholen, in der Mannschaft musste er sich mit dem zweiten Platz hinter Deutschland zufrieden geben.
[bearbeiten] Einzel- und Mannschaftssport
Bei den Einzelkämpfen wird maximal drei lang Minuten gefochten, bei Direktausscheidungen bis zu neun Minuten lang. Gekämpft wird auf maximal fünf (8 beim Säbel) bzw. fünfzehn Treffer. Bei einem Unentschieden wird der Vorteil ausgelost und bis zum nächsten Treffer (max. 1 Minute) weitergefochten. Falls bis dahin keine Entscheidung gefallen ist, gewinnt derjenige, der im Vorteil ist.
Beim Mannschaftsfechten gibt es drei Fechter plus einem auswechselbaren Ersatzfechter pro Mannschaft. Das Mannschaftsfechten für Männer wurde erstmals 1920 in Antwerpen zugelassen, für Damen erst 1960 in Rom.
[bearbeiten] Kleidung beim Fechten (nach FIE Richtlinien)
Zum (traditionellen/weißen) Fechtoutfit gehören:
- Maske: Die FIE Regeln verlangen, dass die Maske eine Kraft von mindestens 27kg Newton standhält. Zusätzlich besitzt die Maske einen eingenähten Halsschutz.
- Jacke: Die Jacke besitzt ein Fixierband und eventuell eine Halskrause. Fechtmeister besitzen oft eine etwas schwerere Jacke, da sie von ihren Schülern oft überdurchschnittlich viele Treffer aushalten müssen.
- Unterziehweste (Plastron) als Schutz für die Arme. Hier fehlen die Nähte um unnötige Schwachstellen in der Ausrüstung zu vermeiden.
- Brustschutz: speziell für Frauen
- Handschuh für die waffenführende Hand
- Suspensorium: speziell für Männer
- Hose: geht nur bis unters Knie, dafür reichen die Socken darüber. Die Hose muss 800 Newton standhalten.
Die Bekleidung dient als Schutz für den Fechter und wird aus Nylon und/oder Baumwolle hergestellt. Nach einem Vorfall bei den Weltmeisterschaften in Rom 1982 wurde die Herstellungsweise der Bekleidung drastisch verbessert. Der sowjetische Fechtmeister Vladimir Viktorovich wurde damals irrtümlich von seinem deutschen Gegner durch das Auge ins Gehirn gestochen und starb neun Tage später. Von diesem Zeitpunkt an wurde Kevlar (ballistisches Nylon) bzw. Dyneema (hochfeste Polyethylenfaser, bei gleichem Gewicht 15 mal zugfester als Stahl) in die Bekleidung eingebaut und die Masken wurden auf das zwei bis dreifache verstärkt. Laut FIE Reglement muss die Bekleidung mindestens einer Kraft von 800 Newton (die Maske 1600N) standhalten.
[bearbeiten] Elektronische Trefferanzeige
Beim Fechten mit Degen und Florett benötigt der Fechter spezielles elektronisches Equipment, welches die gültigen Treffer erfassen kann. Beim Florett benötigt der Fechter eine entsprechende E-Weste, beim Degen zusätzlich E-Handschuh und E-Maske. An den Spitzen beider Waffen sind Schalter, die den Stromkreis erst aktivieren, wenn das minimale Anzeigegewicht erreicht wurde (Degen 750g, Florett 500g). Eingeführt wurde die elektronische Trefferanzeige beim Degen schon 1936 und 1957 beim Florett.
Der Säbel braucht nur Kontakt zum gültigen Trefferbereich. Dies bedeutet, dass es kein Mindestanzeigegewicht benötigt wird, um einen Treffer auszulösen.
[bearbeiten] Verschiedene Arten zu fechten
- Sportfechten
Die beliebteste Form zu fechten ist das Sportfechten und kann u.A. bei den Olympischen Spielen beobachtet werden. Die Regeln dazu wurden vom Fecht-Weltvergand, der Fédération Internationale d’Escrime (FIE) in Paris 1913 erstellt. Die Fédération griff hier auf unterschiedliche Kampfsitten – u.A. auch auf jene der Martial Arts – zurück, die in Europa zwischen dem späten 17. und dem frühen 20. Jahrhundert entwickelt wurden. Heutzutage ist die Trefferanzeige aus Sicherheitsgründen elektronisch, früher wurde visuell registriert.
- Pentathlon
Beim modernen Pentathlon (schießen, fechten, schwimmen, reiten, laufen) tritt in der Fechtdisziplin jeder gegen jeden mit dem elektrischen Degen an. Der erste Treffer wird gezählt, der zugleich auch schon das Gefecht beendet.
- Fechten nach den Regeln der AFL
Eine etwas unbekanntere Art zu fechten wird von der American Fencing League (AFL) betrieben. In diesem Fall sind die Regeln etwas anders ausgelegt, wie etwa die Vorteilsregelung. Die Zeitintervalle sind länger und auf die elektronische Ausrüstung wird verzichtet. Damit zusammenhängend wird auch mit den nicht elektronischen Standardwaffen gefochten. Trotzdem darf es nicht mit dem historischen Fechten verwechselt werden.
- Rollstuhlfechten
Für das Rollstuhlfechten wurden die Regeln der FIE leicht abgeändert. Es gibt einen eigenen verantwortlichen Verband, die sogenannte International Wheelchair and Amputee Federation (IWAS). Behinderte Fechter sitzen hier in einem am Boden befestigten Rollstuhl. Die Fußarbeit wird vom Oberkörper und den Armen übernommen.
[bearbeiten] Wettkampfsprache
Die Wettkampfsprache ist französisch und die ersten Fechtausdrücke wurden schon 1570 von Henri Saint Didier kreiert.
- Verschiedene französische Fechtausdrücke:
| Mensur | Abstand zum gegnerischen Fechter |
| assaut/match | Übunsgefecht/Turnier-, Rundengefecht |
| rencontre | Gefecht zwischen zwei Mannschaften |
| riposte | Offensivaktion des Fechters, der den Angriff pariert hat |
| kontrariposte | Offensivaktion des Fechters, der die Riposte pariert hat |
| parade | Defensivaktion - Abwehr eines Angriffs mit der Waffe |
[bearbeiten] Kampfweise beim Sportfechten
Zur Verteidigung wird bei allen Fechtarten nur die Waffe selbst herangezogen. Der Haltegriff darf zwar beliebig gewechselt werden, die Waffe darf aber zu keinem Zeitpunkt als Wurfwaffe eingesetzt werden. Der Fechter darf auch die waffenführende Hand nicht wechseln (außer bei Erlaubnis des Kampfrichters nach einer Arm- bzw. Handverletzung).
[bearbeiten] Zum Ablauf eines Fechtkampfes
Als erstes kommt der Kampfrichter und stellt sich an den Rand der Planche. Danach erscheinen die Fechter noch unmaskiert. Der erste Fechter stellt sich immer rechts vom Kampfrichter auf, außer wenn Links- und Rechtshänder aufeinander treffen und der Linkshänder zuerst aufgerufen wurde. Wenn sie wollen, können sie ihre elektronische Ausrüstung noch einmal überprüfen. Danach müssen sie dem Gegenüber und dem Kampfrichter salutieren, sie können auch das Publikum und die Linienrichter miteinbeziehen. Speziell in einem nicht-elektronischen Kampf wird das Salutieren den Linienrichtern gegenüber gerne gesehen. Falls sich einer der Fechter weigern sollte zu salutieren, ist es dem Kampfrichter daraufhin erlaubt diesen Teilnehmer sofort zu suspendieren oder zu disqualifizieren.
Danach müssen die beiden Fechter das Ausfallbein jeweils zwei Meter von der Mittellinie entfernt (Engardlinie) und in der Mitte der Bahnbreite richtig platzieren. Die eigenen Füße stehen jeweils im rechten Winkel zueinander. Die Fußspitzen befinden sich etwa unterhalb der Knie, der Abstand zwischen den Fersen beträgt etwa 1,5 bis 2 Fußlängen. Bei einer erneuten Aufstellung während des Kampfes gilt, dass sich die Spitzen ihrer Waffen bei ausgestreckten Armen nicht berühren dürfen. Nach jedem gezählten Treffer, zu Beginn eines jeden Gefechtsabschnitts oder Verlängerungsminuten positionieren sich die beiden Sportler wieder in die Mitte der Planche. Eine Neupositionierung darf aber niemals dazu führen, dass ein Fechter, der sich zuvor noch vor der hinteren Grenzlinie befunden hat, sich nach der Wiederaufstellung dahinter befindet. Im Gegensatz dazu kann ein seitliches Verlassen der Planche aber durchaus dazu führen, dass der schuldige Fechter durch Bodenverlust bedingt, hinter die Grenzlinie gestellt wird. Bei Übertreten seiner hinteren Grenzlinie mit beiden Füßen erhält der Fechter einen Straftreffer.
Mit „Los“/ “En garde. Prêt. Allez!” eröffnet der Kampfleiter das Gefecht, mit „Halt“ beendet er es. Ab dem „Halt“ dürfen nur mehr Stöße/Hiebe zu Ende geführt werden, neue Aktionen dürfen nicht begonnen werden. Das „Halt“ beendet nicht nur das gesamte Gefecht, sondern auch eventuell aufgetretene gefährliche Situationen, wie z. B. bei regelwidrigem Verhalten oder wenn die Fechtbahn verlassen wird und/oder der Fechter sich in besorgniserregender Weise dem Publikum oder dem Kampfrichter nähert. Falls eine Unterbrechung notwendig sein sollte, wird der Kampfrichter kurz die vorangegangenen Aktionen zusammenfassen. Im Finale ist es ihm sogar möglich bei Unklarheiten eine Videoaufzeichnung zur Entscheidung hinzuzuziehen.
Normalerweise ist es dem Fechter nicht gestattet, die Planche zu verlassen. Falls er mit einem Fuß die Bahn verlässt, wird die Aktion noch gewertet, wenn sie vor dem Übertritt begonnen wurde. Wenn er sich mit beiden Füßen außerhalb der Bahn befindet, werden gegnerische Treffer noch gezählt, solange sie ohne Verzögerung gesetzt wurden. Das Überschreiten der Seitenlinien sowohl mit einem, als auch mit zwei Füßen wird folgendermaßen bestraft: Bei der Neupositionierung stellt sich der Gegner etwa einen Meter vor die Stelle an der die Linie überschritten wurde auf, und der bestrafte Fechter muss zurückweichen (gerät er dadurch hinter die Grenzlinie, erhält er einen Straftreffer).
Seitenlinienüberschreitungen, um eventuellen Treffern zu entgehen, werden mit der Karte (s.u.) bestraft. Zufällige Überschreitungen werden nicht geahndet.
Wenn beide Fechter „Körper an Körper“ sind (vorwiegend im Florett und Säbel), wird das Gefecht vom Kampfleiter unterbrochen. Dem schuldigen Fechter wird entweder der regelwidrige Treffer abgezogen, oder er wird bestraft.
- Arten der Bestrafung:
- gelbe Karte: Verwarnung, jede weitere Verwarnung führt zu einem Straftreffer
- rote Karte: Straftreffer, d.h. dem Gegner wird ein Treffer gutgeschrieben. Bei weiteren Vergehen im selben Gefecht, wird dem schuldigen Fechter je nach Schwere des Vergehens nochmals die rote, oder aber die schwarze Karte vorgehalten.
- schwarze Karte: Ausschluss vom Wettbewerb, dem Turnier bzw. Ausschluss für die nächsten zwei Monate. Wenn gegen die Ordnung verstoßen wird, kann der Kampfleiter mit Hilfe der schwarzen Karte einen Ortsverweis erteilen.
Es ist für Fechter verboten, dem Gegner den Rücken zu kehren. Falls ein Fechter an seinem Gegner vorbeigehen will, ist der Kampfleiter zu einem „Halt“ verpflichtet und die Fechter müssen sich an der Stelle neupositionieren.
Ebenso verboten ist es, die unbewaffnete Hand in irgendeiner Art (inklusive Anfassen der Elektroausrüstung) zum Einsatz zu bringen. Falls in dieser Zeit vom Schuldigen ein Treffer erfolgen sollte, wird dieser nicht gezählt. Auch etwaige Verrenkungen des Körpers beim Florett oder Säbel, um die Angriffsflächen am Körper durch die Körperteile zu verdecken, auf denen Treffer nicht zählen, sind nicht erlaubt. Um all dieser Verbote Herr zu werden, haben die Kampfrichter – ähnlich wie im Fußball – zwei (bzw. vier) Seitenrichter, die jeweils einen Fechter genau beobachten und dem Kampfrichter Regelverstöße sofort per Handzeichen melden. Die Seitenrichter wechseln entweder nach der Hälfte der Zeit oder nach den Durchgängen die Seiten.
Der „gewonnene“ Boden wird auch nach einem „Halt“ solange beibehalten, bis der erste Treffer erfolgt. Bei der Wiederaufnahme der „Stellung“ gehen beide Fechter den gleichen Abstand zurück. Wenn die Neupositionierung aufgrund eines „Körper an Körper“ erfolgt, darf der Angegriffene zurück auf die Position in der er angerempelt wurde und der Angreifer muss nun den Abstand herstellen.
Zur Kampfzeit zählen nur die Perioden zwischen dem „Los“ und dem „Halt“.
Die Kampfzeit beträgt in Runden auf fünf Treffer maximal drei Minuten. In der Direktausscheidung bei 15 Treffern, maximal neun Minuten, aufgeteilt auf drei mal drei Minuten mit jeweils einer Minute Pause dazwischen; In Mannschaftskämpfen ebenfalls maximal drei Minuten pro Gefecht.
Falls mit elektronischer Ausrüstung gefochten wird, ertönt bei Ablauf der Zeit ein lautes akustisches Signal, welches automatisch den Melder blockiert. Sobald das Signal ertönt, werden keine Treffer mehr registriert. Falls keine Verbindung zwischen Uhr und Trefferanzeige besteht, gilt das vom Kampfrichter gerufene „Halt“ als Zeitstopper. Auch eine schon angesetzte Aktion wird nach dem Ertönen nicht mehr bewertet.
Falls sich während eines Gefechts ein Fechter verletzen sollte, hat er die Möglichkeit eine Pause von maximal zehn Minuten einzufordern, um von einem Arzt vor Ort untersucht zu werden. Der Mediziner muss innerhalb bzw. nach Ablauf der zehn Minuten entscheiden, ob der verletzte Fechter aufgeben muss oder nicht. Eine weitere Pause wird nur bei noch einer Verletzung gestattet.
Der Kampfleiter hat die Aufgabe die Ausrüstung der Fechter vor dem Kampf zu überprüfen. Es werden nur Treffer gezählt, die mit der elektronischen Anzeige registriert werden. Dem Kampfleiter ist es nicht erlaubt einen Treffer zu zählen, der durch eine Fehlfunktion in der Elektronik nicht gewertet wurde. Wird die Waffe jedoch vom Fechter unrechtmäßig auf den Boden gestoßen, um einen zusätzlichen Treffer zu erzielen, wird dieser vom Kampfrichter nicht gewertet und der Fechter erhält eine Strafe.
[bearbeiten] Kampfweise Florett
Da das Florett eine reine Stoßwaffe ist, ist es nur erlaubt mit der Spitze Offensivaktionen durchzuführen. Ein Treffer auf die ungültige Fläche wird zwar nicht gezählt, jedoch unterbricht er das Klingenspiel und macht somit jeden folgenden Treffer ungültig. Die Treffer auf ungültiger Stelle werden dann gezählt, wenn sie durch unübliches Verbiegen der Gliedmaßen des Angegriffenen zustande gekommen sind. Die Entscheidung darüber fällt der Kampfrichter, der zu diesem Zweck auch die Seitenrichter befragen kann.
- Respektierung des Treffervorrechts
- Respektierung des Treffervorrechts
Jede korrekt begonnene Offensivaktion muss pariert oder durch vollständige Körperparade unwirksam gemacht und das Stoßrecht beachtet werden.
Der Angriff ist als korrekt durchgeführt anzusehen, wenn
- Beim einfachen Angriff (direkt/indirekt) der gestreckte Arm mit der Spitze auf die gültige Trefferfläche zeigt, bevor der Ausfall oder Sturzangriff beginnt.
- Beim zusammengesetzten Angriff der Arm beim Anzeigen der ersten Finte gestreckt wird und die Spitze auch hier auf die gültige Trefferfläche zeigt, ohne dass der Arm währenddessen wieder zurückgezogen wird.
- Beim Angriff mit Schritt vor Ausfall oder Schritt vor Sturzangriff der Arm vor Beendigung des Schrittes und vor Beginn des Ausfalles oder Sturzangriffes gestreckt wird.
- Aktionen, die mit angewinkeltem Arm ausgeführt werden, gelten nicht als Angriffe, sondern als Vorbereitungshandlungen.
- Wann kommt einem Angriff das Treffervorrecht zu?
- Wenn beim beginnenden Angriff der Gegner nicht in Linie steht, so kann der Angriff einen geraden Stoß, einen Umgehungsstoß oder ein Coupé beinhalten. Er kann aber auch durch einen Klingenschlag oder durch wirksame, den Gegner zur Parade zwingende Finten begonnen werden.
- Falls der Gegner beim beginnenden Angriff in Linie steht, muss zuerst sein Eisen beseitigt werden.
- Bei einer Kavation ins Tempo (beim versuchten Klingenangriff wird das gegnerische Eisen nicht gefunden) fällt dem Gegner das Stoßrecht zu.
- Wenn ein Kreuzschritt nach vorne gemacht wird, ist dieser als Vorbereitungshandlung anzusehen. Somit wird das Vorrecht jedem gleichzeitigen, einfachen Angriff des Gegners zugesprochen.
Das Recht zur Riposte erhält man durch die geglückte Parade. Eine einfache Riposte kann direkt oder indirekt sein. Sie sollte immer ohne Zögern durchgeführt werden, um jeweilige nachfolgende Gegenaktionen sofort zu unterbinden.
Falls der Gegner während des zusammengesetzten Angriffs das Eisen findet, bekommt er das Recht zur Riposte.
Der Gegner hat das Recht zum Zwischenstoß bei zusammengesetzten Angriffen. Die Berechtigung dazu hat er aber nur, wenn der Zwischenstoß aufkommt, bevor der Angreifer seine letze Bewegung begonnen hat.
[bearbeiten] Bekannte weibliche Fechter
- Laura Flessel-Colcovic: Französische Olympia-Goldmedaillengewinnerin 1996 im Degen sowohl im Einzel als auch im Team. Silber holte sie sich 2004 im Einzel, die Bronzemedaillen gewann sie 2000 im Einzel und im Team; außerdem zahlreiche Weltmeistertitel; Waffe: Degen
- Helene Mayer: Deutsche Fechterin, die 1928 in Amsterdam Olympisches Gold im Florett holte. 1936 holte sie in Berlin noch einmal Silber; Waffe: Florett
- Ellen Preis: Österreichische Olympiasiegerin in Los Angeles 1932; Olympische Bronzemedaille 1936 und 1948; Waffe: Florett
[bearbeiten] Bekannte männliche Fechter
- Richard Cohen: Fünffacher britischer Säbelchampion; Autor von „By the sword“ (2002)
- Yves Dreyfus: zweifacher Bronzemedaillengewinner mit dem französischen Team 1956 und 1964; Weltmeister 1962 und 1963; Waffe: Degen
- Christian d’Oriola: Französischer Fechter, der zwei Olympische Goldmedaillen im Einzel 1952 und 1956 gewann, zwei mit dem Team 1948 und 1952; 1948 und 1956 holte er zusätzlich zwei Silberne. Er war achtmal Weltmeister und dreimal Vizeweltmeister; Waffe: Florett
- Siegfried Flesch: gewann 1900 in Paris für Österreich die Bronzemedaille; Waffe: Säbel
- Lucien Gaudin: Französischer Fechter, der vier goldene und drei silberne olympische Medaillen in allen drei Disziplinen aufwarten kann; 1905 und 1918 Weltmeistertitel; Waffen: Florett, Degen, Säbel
- Otto Herschmann: 1912 gewann der Österreicher in Stockholm die Olympische Silbermedaille; Waffe: Säbel
- Rudolf Kárpáti: Ungarischer Fechter, der zwischen 1948 und 1960 sechs Mal Olympisches Gold gewann, zweimal im Team; Bei den Weltmeisterschaften brachte er es auf siebenmal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze; Waffe: Säbel
- Edoardo Mangiarotti: Der Italiener hat bisher die größte Anzahl an Olympischen - und Weltmeistertiteln in der Geschichte des Fechtsports gewonnen; seine olympische Medaillensammlung beinhaltet sechs Goldmedaillen, fünf Silbermedaillen und zwei Bronzemedaillen, die er alle zwischen 1936 und 1956 errungen hat; Waffen: Degen und Florett
- Nedo Nadi: Italienischer Fechter, der sechs olympische Goldmedaillen in den drei Disziplinen erfochten hat; er ist der Bruder von Aldo Nadi, der im Team 1920 in Antwerpen in allen drei Disziplinen angetreten ist und in allen Gold holte. Im Einzel gewann er damals im Säbel die Silbermedaille; Waffen: Degen, Florett, Säbel
- Dr. Ivan Osier: Dänischer Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm (Degen, Einzel); Zahlreiche Skandinavische Meistertitel zwischen 1920 und 1931; Weltmeister im Degen 1920; sechsmal Weltmeister im Säbel zwischen 1921 und 1933; Waffen: Degen, Florett, Säbel
- Italo Santelli: Italienischer Fechter, der bei den Olympischen Spielen 1900 das moderne Säbelfechten etablierte. Ebenso ist er für die Entwicklung des modernen „Ungarischen Stil“ etwa zwanzig Jahre später verantwortlich.


