Judo
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[bearbeiten] Judo
Ju-Do ist japanisch und bedeutet: Der sanfte Weg. Das Prinzip beim Judo ist „Sieg durch Nachgeben“, was die Philosophie hinter dem Sport deutlich macht. Die beiden Grundprinzipien Jita-kyoei und Sei-ryoku-zenyo liegen dieser Philosophie zugrunde.
Jita-kyoei: Gegenseitiges Verstehen und Helfen zum Wohlergehen beider
Sei-ryoku-zenyo: Bestmöglicher Einsatz von Körper und Geist
Ziel beim Judo ist es den Gegner durch eine gute Technik schnell und kontrolliert auf den Rücken zu werfen. Die beiden Kämpfer werden Tori (der Werfende) und Uke (der Geworfene) genannt. Wenn der Uke auf dem Rücken liegt, ist der Kampf gewonnen.
[bearbeiten] Geschichte
Die heute ausgeübte Form des Judo entstand, als Jigoro Kano (1860-1938) in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, das zu dieser Zeit weit verbreitete Ju-Jitsu „entschärfte“. In nur wenigen Jahren war Judo bereits fixer Bestandteil in Kampfsportschulen und im Militär.
Die japanischen Kampfsportarten erfreuten sich in Europa rasch großer Beliebtheit. 1906 stattete eine japanische Delegation Kaiser Wilhelm II. einen Freundschaftsbesuch ab und führten ihre Nahkampfkünste vor. Der Kaiser war dermaßen begeistert, dass er seine Kadetten im Judo unterrichten ließ.
1951, mit den ersten Europameisterschaften, erlangte Judo internationales Ansehen. Nur fünf Jahre später fanden die ersten Weltmeisterschaften statt und 1964 in Tokyo war Judo erstmals eine olympische Disziplin.
Bemerkenswert hierbei ist, dass Professor Jigoro Kano keinen einzigen Dan besaß und ihm nach seinem Tod auch keiner verliehen wurde. Die Japaner sind der Auffassung, dass niemand genug Autorität dazu hat, weil es auf der ganzen Welt keinen Judoka gab oder gibt, der über ihm steht.
[bearbeiten] Bekleidung
Judo-Kämpfer (Judoka) tragen einen Judogi: eine weiße Baumwollhose (Zubon) und eine halblange, weiße Jacke (Uwagi), sowie einem Gürtel, der als Obi bezeichnet wird. Dieser dient dem Zusammenhalten der Anzugjacke und traditionell dem Tragen eines Schwertes. Bei Wettkämpfen trägt ein Judoka einen blauen Judogi, damit die beiden Kämpfer besser zu unterscheiden sind.
Der Gürtel signalisiert welchen Grad der Judoka erreicht hat. In den meisten Fällen ist der Obi aus Baumwolle gefertigt und ca. 4 cm breit. Meistergrade werden als Dan bezeichnet und werden zumeist durch schwarze Gürtel repräsentiert, wobei auch rot-weiße Gürtel besonders hohe Meistergrade anzeigen.
Zwingend notwendig ist nur die Prüfung für den ersten Dan, die restlichen können auch verliehen werden. Der durch Ablegen von Prüfungen höchstmögliche Gürtel ist der fünfte Dan, alle weiteren Gürtel sind Großmeistergürtel und können nur noch verliehen werden. Es werden jedoch niemals Gürtel höher als der 10. Dan verliehen.
1.Dan: Sho-dan (schwarz)
2.Dan: Ni-dan (schwarz)
3.Dan: San-dan (schwarz)
4.Dan: Yon-dan (schwarz)
5.Dan: Go-dan (schwarz)
6.Dan: Roku-dan (rot-weiß)
7.Dan: Nana-dan (rot-weiß)
8.Dan: Hachi-dan (rot-weiß)
9.Dan: Ku-dan (rot)
10.Dan: Jū-dan (rot)
Die Schülergürtel (Kyū) sind in Europa weiß, gelb, orange, grün, blau und braun. Ursprünglich wurden nur schwarze und weiße Gürtel verwendet, wobei später noch andere Farben hinzukamen, um das Können des Gegners auf einen Blick einschätzbar zu machen.
6.Kyū: weiß
6./5.Kyū: weiß-gelb
5.Kyū: gelb
5./4.Kyū: gelb-orange
4.Kyū: orange
4./3.Kyū: orange-grün
3.Kyū: grün
3./2.Kyū: grün-blau
2.Kyū: blau
2./1.Kyū: blau-braun
1.Kyū: braun
[bearbeiten] Allgemeines
Wettkämpfe (Shiai) finden zumeist auf einer quadratischen Grundfläche mit einer Seitenlänge von 14 bis 16 Metern statt. Zusätzlich gibt es eine Sicherheitszone von drei Metern. Der Kampf wird von einem Kampfrichter auf der Tatami-Matte sowie zwei Außenrichtern, die an den gegenüberliegenden Ecken der Matte sitzen, geregelt. Es werden nur Techniken gewertet, die innerhalb der ausgewiesenen Kampffläche angewendet werden.
Vor einem Kampf stellen sich die Gegner in einem Abstand von ca. vier Metern gegenüber auf und verbeugen sich als Zeichen des gegenseitigen Respekts. Der Kampf beginnt, wenn der Schiedsrichter Hajime! (Beginnt!) ruft. Ein Kampf dauert zwischen drei und zwanzig Minuten.
Für die Schiedsrichter zählen einzig Stil und korrekte Ausführung der Technik. Ein Kampf kann, wenn nicht eindeutig nach Punkten, durch Stil und Überlegenheit der Technik gewonnen werden.
Während des Kampfes versuchen die Gegner ständig, sich am Ärmel oder Saum des gegnerischen Judoka festzuhalten, um ihn zu Fall zu bringen. Oft nutzt der Judoka die Wucht des Angriffs seines Gegners, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Es ist daher äußerst wichtig die Abwehrtechniken gut zu beherrschen. Viele Judoka spezialisieren sich auf Würge- und Haltetechniken.
Wichtige, von den Kampfrichtern häufig verwendete Begriffe sind: Mate (Stopp, Unterbrechung), Yoshi (Kämpft weiter), Hajime (Anfangen, Beginnen) und Hantei (Schiedsrichterentscheidung).
[bearbeiten] Grundtechniken
Judo ist auf vier Grundtechniken aufgebaut:
- Wurftechniken: Nage-Waza
- Bodentechniken: Ne-Waza
- Falltechniken: Ukemi
- Schlagtechniken: Atemi-Waza
[bearbeiten] Wurftechniken - Nage-Waza
Entsprechend der Art des Wurfes unterscheidet man:
- Bein- und Fußwürfe (Ashi-waza)
- Hüftwürfe (Koshi-waza)
- Hand- und Armwürfe (Te-waza)
- Opferwürfe / Selbstfaller zur Seite (Yoko-sutemi-waza)
- Opferwürfe / Selbstfaller nach hinten (Ma-sutemi-waza)
- Mitfalltechniken (Maki-omi-waza)
Wurftechniken dienen dazu, den sicheren Stand des Gegners zu durchbrechen und ihn in Bodenlage zu bringen. Dies ist durch Beinstellen, Ausheben oder mit dem klassischen Überkopfwurf möglich.
[bearbeiten] Bodentechniken - Ne-Waza
Bei den Bodentechniken ist es wiederum wichtig zu unterscheiden:
- Festhaltetechniken (Osae-comi-waza):
Man versucht, den zuvor auf den Boden geworfenen Gegner zu fixieren. Wird die Haltetechnik gut ausgeführt, ist es für den Gegner schwierig, wenn nicht nahezu unmöglich, sich zu befreien.
- Würgetechniken (Shime-waza):
Mit Händen oder Unterarmen wird Druck auf die Halsschlagader ausgeübt, was dazu führt, dass das Gehirn nicht richtig mit Sauerstoff versorgt wird und der Gegner das Gefühl hat, zu ersticken.
- Hebeltechniken (Kansetsu-waza):
Diese werden mit dem Ellbogen ausgeführt und es ist von größter Bedeutung, dass der Druck, der auf das Gelenk des Gegners ausgeübt wird kontrolliert ist, da die Bewegung nicht unserer Anatomie entspricht und zu großen Schmerzen führt.
[bearbeiten] Falltechniken - Ukemi
Um sich, wenn man von einem Gegner geworfen wird nicht zu verletzen, muss der Judoka entsprechende Falltechniken beherrschen. Es wird trainiert seitwärts, rückwärts und nach vorne zu fallen.
[bearbeiten] Schlagtechniken - Atemi-Waza
Schlagtechniken werden heute nur noch in Form von Katas gelehrt. Kata ist japanisch und bedeutet Vorschrift, Muster. Es handelt sich hierbei um eine stilisierte Form des Kampfes, gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner. Der Übende wiederholt praktisch ständig dieselbe Situation und verinnerlicht die Grundprinzipien der Kampfkunst. Manche Vereine lehren Schlagtechniken jedoch noch zum Zwecke der Selbstverteidigung.
Man unterscheidet:
- Armtechniken (Ude-Ate-Waza)
- Fingerspitzentechniken: Yubisaki-Ate-Waza
- Faustknöcheltechniken: Kobushi-Ate-Waza
- Handkantentechniken: Tegatana-Ate-Waza
- Ellenbogenspitzentechniken: Hiji-Ate-Waza
- Handballentechniken: Shotei-Uchi-Waza
- Beintechniken (Ashi-Ate-Waza)
- Kniespitzentechniken: Hizagashira-Ate-Waza
- Fußballentechniken: Seikito-Ate-Waza
- Fersentechniken: Kakato-Ate-Waza
- Fußkantentechniken: Sokuto-Ate-Waza
- Fußsohlentechniken: Sokutei-Ate-Waza
[bearbeiten] Punktevergabe
Gelingt es den Gegner auf den Rücken zu werfen, hat man den Kampf gewonnen. Falls dies innerhalb von fünf Minuten (drei Minuten bei Kindern und Kämpfern über 30) nicht gelingt, wird nach der Wertung entschieden. Je besser der Uke (der Geworfene) geworfen wird, desto mehr Punkte erhält der Tori (der Werfer). Es werden jedoch nur kontrollierte Würfe bewertet.
Ippon (ganzer Punkt)
Der Ippon ist die höchste Wertung, die vergeben werden kann. Bei Erhalt eines Ippons ist der Kampf zugunsten des Bewerteten beendet. Falls kein Ippon vergeben wurde, gewinnt derjenige mit der höheren Wertung unabhängig davon, ob wie hoch die Anzahl der niedrigeren Wertungen des Gegners aussieht. Wenn zum Beispiel ein Kämpfer schon fünf Yukos bekommen hat, kann ihn sein Gegner mit nur einem Waza-ari als höhere Wertung besiegen.
Einen Ippon bekommt man,
- indem man den Gegner mit Kraft, Schnelligkeit und Kontrolle auf den Rücken wirft
- indem man den mit dem Rücken am Boden liegenden Gegner mindestens 25 Sekunden mit einem Haltegriff festhält
- durch Aufgabe des Gegners (zum Beispiel durch effiziente Hebel- oder Würgetechnik erwirkt)
- nach dem zweiten Waza-ari, da der Wert nun einem Ippon entspricht
Waza-ari (halber Punkt)
Der Waza-ari ist die zweithöchste Wertung, die vergeben werden kann.
Ein Waza-ari bekommt man,
- wenn nur zwei von den drei Ipponkriterien (Kontrolle, Schnelligkeit, Kraft) beim Wurf auf den Rücken zutreffen
- wenn der Kontrahent nur teilweise die Matte berührt
- indem man den mit dem Rücken am Boden liegenden Gegner mindestens 20 Sekunden mit einem Haltgriff festhält
Yuko (großer Vorteil)
Falls nur Kriterium für einen Ippon zutrifft, bzw. zwei Kriterien nur zum Teil erfüllt wurden, wird ein Yuko vergeben. Auch für eine Haltegriffzeit von 15 Sekunden bekommt man einen Yuko. Eine Addition von Yuko zu einem Ippon oder Waza-ari kann nicht vorgenommen werden.
Koka (kleiner Vorteil)
Die kleinste Wertung, die vergeben werden kann. Ein Koka wird gegeben, wenn der Gegner zwar mit Kontrolle, Schnelligkeit und Kraft geworfen wurde, aber die Landung nicht auf dem Rücken, sondern auf der Schulter, dem Gesäß oder ähnlichem landet. Auch für die Haltegriffzeit von mindestens 10 Sekunden gibt es einen Koka. Auch hier wird keine Addition zwecks Aufwertung mehr vorgenommen.
Der Sieg kann aber auch durch eine Würgetechnik errungen werden, wenn der Gegner das Bewusstsein verliert oder kurz vorher aufgibt. Der Kampfrichter beendet den Kampf, wenn sich einer der Kämpfer so verletzt hat, dass er nicht mehr weiter teilnehmen kann. Der Angreifer wird in diesem Fall zum Gewinner erklärt.
[bearbeiten] Sicherheitsregeln
- absichtliches Verletzen des Gegners ist nicht erlaubt
- keine Fausthiebe/-schläge, Kicks oder Tritte
- es ist untersagt, das Gesicht des Gegners zu berühren
- keine anderen Gelenke als das Ellbogengelenk dürfen angegriffen werden
- Kopfstöße sind verboten
- Kawazu-gake ist verboten
- Kani basami ist verboten
- es ist nicht erlaubt, harte oder metallische Gegenstände am Körper zu tragen.
[bearbeiten] Regelverstöße
Bei einem Regelverstoß wird der Judoka vom Schiedsrichter entweder verwarnt oder disqualifiziert und der andere Kämpfer erhält eine positive Wertung. Es wird zwischen kleinen und großen Regelverstößen unterschieden.
Der erste Regelverstoß wird mit einem Hinweis (Shido 1) bestraft, gefolgt von einer Ermahnung (Shido 2) und verstößt der Judoka nochmals gegen die Regeln, so folgt Shido 3.
Zu den kleineren Regelverstößen zählen beispielsweise: das Festhalten beider Ärmelenden, das Verhaken der Finger, die ständig Einnahme einer defensiven Haltung und das Verlassen der Matte.
Ein schwerer Regelverstoß liegt vor, wenn ein Kämpfer die Gesundheit eines anderen Kämpfers maßgeblich gefährdet, was zur Folge hat, dass eine Reihe von Techniken, die eine hohe Verletzungsgefahr beinhalten, verboten sind.
Auch wenn das vierte Shido an denselben Kämpfer vergeben wird, wird dieser nun als ein schwerer Regelverstoß gewertet.
In diesen Fällen spricht der Schiedsrichter ein Hansokumake aus und der Kampf ist beendet.
[bearbeiten] Gewichtsklassen
Männer
- bis 60 Kilogramm: Superleichtgewicht
- bis 66 Kilogramm: Halbleichtgewicht
- bis 73 Kilogramm: Leichtgewicht
- bis 81 Kilogramm: Halbmittelgewicht
- bis 90 Kilogramm: Mittelgewicht
- bis 100 Kilogramm: Halbschwergewicht
- ab 100 Kilogramm: Schwergewicht
Frauen
- bis 48 Kilogramm: Superleichtgewicht
- bis 52 Kilogramm: Halbleichtgewicht
- bis 57 Kilogramm: Leichtgewicht
- bis 63 Kilogramm: Halbmittelgewicht
- bis 70 Kilogramm: Mittelgewicht
- bis 78 Kilogramm: Halbschwergewicht
- ab 78 Kilogramm: Schwergewicht
Kinder werden nicht nur nach Gewicht, sondern auch nach Alter eingeteilt.
[bearbeiten] Schulen/Vereine
Die älteste und prestigeträchtigste Judoschule der Welt ist der Kōdōkan. Sie befindet sich in der japanischen Stadt Tōkyō und wurde 1882 von Jigorō Kanō, dem Vater des Judo, begründet. Der Kōdōkan gibt die weltweit geltenden Richtlinien vor, an denen sich alle Judo-Vereine orientieren. Das Hauptanliegen des Kōdōkan ist es, die Reinheit des Judo zu erhalten.
African Judo Union (AJU)
British Judo Association (BJA)
British Judo Council (BJC)
Deutscher Judo- Bund (DJB)
Deutsches Dan-Kollegium (DDK)
European Judo Union (EJU)
IBF Deutschland
International Judo Federation (IJF)
Judo Union of Asia (JUA)
Kōdōkan Judo Institute
Ocanian Judo Union (OJU)
Österreichischer Judoverband
Pan-American Judo Union (PJU)
Schweizerischer Judo- und Ju-Jitsu Verband
United States Judo Association (USJA)
United States Judo Federation (USJF)
USA Judo Inc.(USJI)
[bearbeiten] Erfolgreiche Judoka
Ichiro Abe, Ingrid Berghmans, Yvonne Bönisch, David Douillet, Catherine Fleury-Vachon, Anton Geesink, Klaus Glahn, Alexander von der Groeben, Claudia Heill, Wolfgang Hofmann, Kosei Inoue, Jigoro Kano, Toshihiko Koga, Masahiku Kimura, Dietmar Lorenz, Tadahiro Nomura, Udo Quellmalz, Alfred Rhode, Peter Seisenbacher, Ryoko Tani, Yasuhiro Yamashita


