Kugelstoßen

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Kugelstoßen ist eine Disziplin der Leichtathletik, bei der es darum geht eine Metallkugel durch schnelles Strecken des Armes möglichst weit zu stoßen. Kugelstoßen erfordert hohe Koordinationsfähigkeit und ist eine technisch sehr anspruchsvolle Disziplin. Die Schwierigkeit des Kugelstoßens wird häufig unterschätzt, womöglich weil es in den Augen des Laien im Vergleich zu vielen anderen Disziplinen eher einfach aussieht. Doch wer ein erfolgreicher Kugelstoßer werden will, muss eine Vielzahl von Dingen beachten und erlernen. Neben Kondition und Schnellkraft braucht es physikalisches Know-How über das Zusammenwirken von Kugelgewicht, Körpergröße des Athleten, Abwurfwinkel, Abwurfhöhe, Asymmetrie der Flugbahn, Stoßgeschwindigkeit etc. Jeder Athlet muss die für ihn am besten geeignete Technik finden, um sein Potential voll zur Geltung bringen zu können.

Kugelstoßen kann sowohl in der Halle als auch im Freien praktiziert werden und ist Teildisziplin des Olympischen Sieben- und Zehnkampfes.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Geschichte

Das Kräftemessen durch Werfen schwerer Gegenstände ist schon seit Urzeiten Bestandteil der menschlichen Kultur. Bereits in der Antike veranstaltete man Wettbewerbe mit schweren Steinen und sogar der griechische Philosoph Homer beschrieb im 7. Jahrhundert v.Ch. in seinem Epos Ilias einen Kugelstoß-Wettbewerb. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden die bis dahin verwendeten schweren Steine durch Kanonenkugeln ersetzt. 1860 wurden Regelungen für Grundmaße und Gewicht der Kugel für Männer festgelegt, die bis heute gelten. Kugelstoßen war bereits 1896 Olympische Disziplin, allerdings nur für Männer. Erst 1948 gab es die ersten weiblichen Olympiateilnehmer beim Kugelstoßen. Damals gewann die Französin Micheline Ostermeyer. Zu den Pionieren des Kugelstoßens gehört der US-Amerikaner William Patrick O’Brien, der 1950 die Angleittechnik /Rückenstoßtechnik (oder, nach ihrem Erfinder „O’Brien-Technik“) entwickelte.

[bearbeiten] Ausrüstung

[bearbeiten] Kugel

Die Kugel kann aus beliebigem Material bestehen, darf aber nicht weicher als Messing sein. Die meisten Kugeln bestehen aus Eisenlegierungen und sind oft farbig beschichtet. Die Kugel muss vollkommen rund sein, ihren Schwerpunkt in der Mitte haben und, bei Männern, 16 Pfund (7,257kg) wiegen. Frauen stoßen 4kg schwere Kugeln. Der Durchmesser der Kugel muss zwischen 110 und 130 Millimeter bei Männern und zwischen 95 und 110 Millimetern bei Frauen betragen.

[bearbeiten] Stoßkreis / Stoßring

Beim Schwungholen befindet sich der Athlet in einem Kreis mit 2,13m Durchmesser, dem sogenannten Stoßkreis oder Stoßring. In Abwurfrichtung befindet sich ein hölzerner bogenförmiger Balken, der sogenannte Abstoßbalken, der vom Athleten nicht überschritten und nur an der Innenseite berührt werden darf. Der Öffnungswinkel des Abwurfsektors beträgt 34,92°. Die Kugel muss innerhalb dieses Sektors aufkommen und der Athlet darf den Kreis erst verlassen, wenn die Kugel aufgekommen ist. Die Wurfweite wird vom inneren Rand des Stoßrings bis zur Einschlagstelle (nächster Abdruck zum Ring) gemessen.

[bearbeiten] Stoßtechniken

Die Kugel wird immer in die Wurfhand gelegt und seitlich von Daumen und kleinem Finger gestützt. In der Ausgangsposition wird die Kugel zwischen Kinn und Schlüsselbein an den Hals gedrückt.

[bearbeiten] Standstoß

Als Standstoß bezeichnet man das Stoßen aus dem Stand beziehungsweise aus der Stoßauslage. Der Standstoß eignet sich gut zum Üben für Anfänger, weil dabei die wichtigsten Aspekte der Technik am besten erfasst werden.

Ausgangsposition

Die Ausgangsposition ist eine leichte Grätschstellung. Die linke Körperseite zeigt in Stoßrichtung. Zwischen Schulter- und Beckenachse sollte eine Verwringung entstehen, wobei die Schulterachse etwas von der Stoßrichtung abweicht. Dadurch kann die Kraft gut eingesetzt werden. Der linke Arm ist angehoben und gebeugt, wobei der Unterarm gegen die Stoßrichtung zeigt. Die Kugel wird zwischen Kinn und Schlüsselbein an den Hals gedrückt, der Ellenbogen des Stoßarmes ist leicht angehoben. Der Oberkörper ist wenig gebeugt, Oberkörper und Gewicht liegen über dem rechten Bein, das ebenfalls leicht gebeugt ist.

Abstoßstreckung

In der nächsten Phase wird der Rumpf über eine Dreh-Streck-Bewegung aufgerichtet und in Stoßrichtung gedreht. Der Körper ist so völlig gestreckt (Abstoßstreckung). Der Bewegungsablauf sollte möglichst dynamisch und ohne sichtbare Pausen erfolgen.

Beim Abstoß ist es wichtig, sich möglichst „groß“ zu machen und gut zu strecken. Der Standstoß ermöglicht ca. 90% der Leistung, die durch andere Techniken erreicht werden kann.

[bearbeiten] Variationen des Standstoßes

Stütz-Abstoß

Kennzeichnend für den Stütz-Abstoß ist der lange Bodenkontakt (ein- oder beidbeinig). Das vordere Bein übernimmt dabei eine Stemm- und Hebelfunktion, wodurch sich der Rumpf als „Schleuder“ einsetzen lässt. Beim Stütz-Abstoß bleibt ein sprungartiger Beinwechsel nach dem Abstoß (Umsprung) aus.

Sprung-Abstoß

Beim Sprung-Abstoß kommt es zu einem besonders explosiven Einsatz der Streckmuskulatur und zu einem Sprungimpuls, d.h. zu einem Umsprung.

[bearbeiten] Angehtechniken

Bei der Angehtechnik springt der Athlet nach einem oder mehreren kurzen Schritten in die Stoßauslage. Hier unterscheidet man

- das seitliche Angehen mit zwei Schritten,
- das rückwärtige Angehen mit zwei Schritten (Zweischritt-Technik)
- das rückwärtige Angehen mit drei Schritten (Dreischritt-Technik)
- und die Wechselschritttechnik.

[bearbeiten] Angleittechniken

Bei den Angleittechniken unterscheidet man

- seitliches Angleiten (Fuchs-Technik)
- Rückenstoßtechnik (O’Brien-Technik)
[bearbeiten] Seitliches Angleiten / Fuchs-Technik

Beim seitlichen Angleiten befindet sich die linke Körperhälfte (bei Rechtshändern) des Athleten in Stoßrichtung. Die Technik ist nach dem US-amerikanischen Kugelstoß-Profi James Fuchs benannt, der dank dieser von ihm entwickelten Technik 1949 einen Weltrekord aufstellte.

[bearbeiten] O’Brien Technik / Rückenstoßtechnik

Die nach dem US-Amerikaner William Patrick O’Brien benannte Technik gehört, neben der Drehstoßtechnik, zu den von Spitzensportlern am meisten angewandten Techniken. Sie ist äußerst anspruchsvoll und sehr effizient.

Ausgangsposition

Bei der O’Brien-Technik steht der Athlet in aufrechter Haltung mit dem Rücken zur Stoßrichtung (daher auch die Bezeichnung „Rückenstoßtechnik“) am hinteren Kreisrand. Das Gewicht liegt auf dem rechten Stoßbein und das linke Schwungbein ist in Stoßrichtung leicht zurückgesetzt.

Angleiten

Der Athlet führt eine Auftaktbewegung aus indem er das linke Schwungbein an das Standbein heranführt. Danach folgt das Angleiten. Dabei wird das Schwungbein nach hinten in Richtung Balken weggestreckt und gleichzeitig drückt sich der Athlet mit dem rechten Standbein in Stoßrichtung ab. Der Fuß des Standbeins wird flach am Boden bis zur Kreismitte geführt, wo beide Beine ihre Arbeit gleichzeitig beenden.

Stoßauslage

Das Körpergewicht befindet sich über dem rechten Bein in der Mitte des Kreises. Das linke Bein wird am Stoßbalken aufgesetzt, beide Beine stehen fast hintereinander auf der Mittellinie, wobei sich der Oberkörper immer noch mit dem Rücken in Stoßrichtung befindet.

Stoßbewegung – 180° Drehung

Durch schnelles Strecken der Beine, Heben und Drehen des Rumpfes und durch den Armstoß überträgt der Athlet die Kraft auf die Kugel. Der Athlet vollführt dabei eine 180° Drehung. Der Abstoßwinkel sollte 40°-45° betragen und die Stoßbewegung sollte nach vorne-oben erfolgen.

Abfangen

Um ein Übertreten des Stoßringes zu vermeiden, fängt der Athlet die Vorwärtsbewegung des Körpers durch einen Umsprung ab.

[bearbeiten] Drehstoßtechnik

Bei der Drehstoßtechnik, die 1976 vom sowjetischen Kugelstoßer Alexander Baryschnikow eingeführt wurde, handelt es sich um die technisch anspruchsvollste Stoßtechnik.

[bearbeiten] Wettkampfregeln

Bei einem Wettkampf hat jeder Athlet eine bestimmte Anzahl an Versuchen, meistens drei. Wenn der Athlet mit irgendeinem Körperteil den Boden außerhalb des Stoßkreises berührt oder auf den Kreisrand tritt, so gilt der Versuch als Fehlversuch und wird mit 0 Punkten gewertet.

Beim Resultat wird der beste Stoß berücksichtigt. Der Athlet muss den Stoßkreis nach hinten verlassen. Zum Messen der Stoßleistung (Entfernung Stoßkreis – erster Eindruck der Kugel am Boden) wird ein Maßband über den Mittelpunkt des Kreises geführt. Die Weite wird von der Innenseite des Stoßbalkens aus gemessen. Die Kugel muss innerhalb des Abwurfsektors aufkommen.

Kugelstoßen ist eine Teildisziplin des Sieben- und Zehnkampfes.

[bearbeiten] Doping

In der Leichtathletik werden immer wieder Spitzensportler der Einnahme unerlaubter Substanzen zur Leistungssteigerung überführt. Im Kugelstoßen werden häufig anabole Steroide angewandt, um Spitzenleistungen zu erzielen.

1992 wurden sogar alle drei Medaillengewinner der Olympischen Spiele nachträglich positiv getestet. Auch die Olympiasiegerin 2004, Irina Korschanenko (Russland) wurde des Dopings überführt und musste ihre Goldmedaille abgeben. Als Wiederholungstäterin wurde sie vom Internationalen Leichtathletikverband (IAAF) sogar lebenslang gesperrt. Der US-Amerikaner Randy Barnes, der 1990 den noch heute gültigen Weltrekord von 23,12m aufstellte, war ebenfalls gedopt, wie sich durch zwei positive Tests später zeigte.

Anabolika

Anabolika fördern den Eiweißaufbau der Skelettmuskulatur, erhöhen das Blutvolumen, vermindern Körperfette, steigern die Wettkampfbereitschaft und führen zu einer schnelleren Regeneration, wodurch ein höheres Trainingspensum bewältigt werden kann. Zu den Nebenwirkungen zählen Leberkrebs, Hautunreinheit, Hemmung der Spermienproduktion und eventuell Impotenz, Vergrößerung der Prostata und „Vermännlichung“ bei Frauen.

Das Problem bei den Dopingkontrollen in der Leichtathletik besteht darin, dass Anabolika oft nur während des Trainings eingenommen werden. Setzt man sie rechtzeitig ab, können sie beim Wettkampf nicht mehr nachgewiesen werden. Aus diesem Grund werden Anabolikakontrollen in vielen Ländern auch während des Trainings durchgeführt.

[bearbeiten] IAAF – Internaitonal Association of Athletics Federations

Die IAAF ist der Internationale Leichtathletikverband. Der Dachverband mit Hauptsitz in Monaco wurde 1912 gegründet und zählt heute 212 Mitgliedsorganisationen. Die IAAF ist unter anderem für internationale Wettkampfbestimmungen und Anti-Doping Regeln verantwortlich. Im Bereich Anti-Doping arbeitet sie mit der Weltantidopingagentur WADA (World Anti-Doping Agency) zusammen.

[bearbeiten] Erfolgreiche KugelstoßerInnen

[bearbeiten] Ulf Timmermann (*1.11.1962, Berlin)

Der ehemalige deutsche Kugelstoßer Ulf Timmermann ist der einzige neben Randy Barnes, dem es je gelungen ist, die Kugel weiter als 23m zu Stoßen. Er brach im Laufe seiner Karriere mehrmals den Weltrekord und zählte in den 80er Jahren zu den weltbesten Kugelstoßern. 1988 stieß er die Kugel 23,06m weit, ein Rekord der zwei Jahre später von Randy Barnes übertroffen wurde. Leider stand auch Ulf Timmermann unter Dopingverdacht, hat die Einnahme von anabolen Steroiden aber stets abgestritten. Ulf Timmermann ist noch immer Europarekordhalter.

[bearbeiten] Randy Barnes (*16.06.1966, Charleston, West Virginia, USA)

Der US-amerikanische Kugelstoßer ist Weltrekordhalter sowohl im Freien als auch in der Halle. Bei den Olympischen Sommerspielen 1988 holte er Silber und 1996 Gold. In seiner Glanzzeit (1989)wurde der Drehstoßtechniker allerdings positiv auf Anabolika getestet und für 27 Monate gesperrt. 1998 wurde er erneut der Einnahme illegaler Substanzen überführt und folglich lebenslang gesperrt. Seine Weltrekorde wurden ihm trotz allem nicht aberkannt und er behauptet stets, nie bewusst verbotene Substanzen genommen zu haben.

[bearbeiten] Astrid Kumbernuss (*5.02.1970, Grevesmühlen, Deutschland)

Die ehemalige deutsche Kugelstoßerin hat drei Weltmeistertitel (1995, 1997, 1999) und einen Olympiasieg (1996) vorzuweisen. 1997 wurde sie zur Sportlerin des Jahres gewählt. Astrid Kumbernuss gilt als erfolgreichste Kugelstoßerin aller Zeiten. Außerdem ist sie eine der wenigen, die sehr hohe Leistungen brachte und nie unter Dopingverdacht stand.

[bearbeiten] Nadeschda Wladimirowna Tschischowa (29.09.1945, Oblast Irkutsk, Russland)

Die ehemalige russische Kugelstoßerin dominierte in Europa von Mitte der 60er bis Mitte der 70er Jahre. Sie stellte neun Weltrekorde auf und holte viermal Gold bei den Europameisterschaften (1966, 1969, 1971, 1974). Bei den Olympischen Spielen 1976 gewann sie die Silbermedaille und 1986 die Bronzemedaille.

[bearbeiten] Amtierende WeltmeisterInnen

IAAF Leichtathletik Weltmeisterschaften Osaka, August 2007

Kugelstoßen Frauen:

1. Platz: Valerie Vili (Neuseeland): 20,54m
2. Platz: Nadescha Ostaptschuk (Weißrussland): 20,48m
3. Platz: Nadine Kleinert (Deutschland): 19,77m

Kugelstoßen Männer:

1. Platz: Reese Hoffa (USA): 22,04m
2. Platz: Adam Nelson (USA): 21,61m
3. Platz: Andrej Michnewitsch (Weißrussland): 21,27m

[bearbeiten] OlympiasiegerInnen

Olympische Sommerspiele 2004 in Athen

Kugelstoßen Frauen:

Gold: Yumileidi Cumbá (Kuba) 19,59m
Silber: Nadine Kleinert (Deutschland) 19,55m
Bronze: Swetlana Kriweljowa (Russland) 19,49m

Der Russin Irina Korschanenko wurde die Goldmedaille wegen Dopings aberkannt.

Kugelstoßen Männer:

Gold: Jurij Bilonoh (Ukraine) 21,16m
Silber:Adam Nelson (USA) 21,16m
Bronze: Joachim Olsen (Dänemark) 21,07m
 
 
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