Rhythmische Gymnastik

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Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] RHYTHMISCHE GYMNASTIK

[bearbeiten] Einführung

Entstanden aus der klassischen Wettkampfgymnastik, die mit oder ohne Handgeräte praktiziert wird, ist die Rhythmische Gymnastik heute eine eigenständig etablierte Turnsportart. Es ist eine relativ junge Disziplin mit keiner extravaganten Entstehungsgeschichte, denn die erste Weltmeisterschaft fand erst 1963 in Budapest statt. Wohl angemerkt hat diese Sportart schon eine Namensänderung hinter sich: Den Anfang machte die erstmaligen Bezeichnung „Moderne Gymnastik“ und wurde dann bei der WM 1977 in Basel, Schweiz in „Rhythmische Sportgymnastik“, Kürzel RSG, umbenannt. Elf Jahre darauf wurde der Name vom Internationalen Turnverband im August in „Rhythmische Gymnastik“, kurz RG, umgetauft.

Geregelt wird die Rhythmische Gymnastik sowohl durch den Internationalen Turnverband FIG, Fédération Internationale de Gymnastique, als auch durch die europäische Turnunion UEG, Union Européenne de Gymnastique, die auch für das allgemeine Turnen, Geräteturnen, Trampolinturnen, Sportaerobic und für die Sportakrobatik zuständig sind.

Es existieren zwei Arten der Ausführung der Rhythmischen Gymnastik: nämlich der Einzel- und Gruppenwettkampf deren offizielle internationale Wertungsvorschriften und Grundgesetzte auf rund 240 Seiten des berüchtigten „Code de Pointage“ vom FIG niedergeschrieben sind. Außerdem enthält der Code auch Verhaltensverweise sowohl für Turner und Trainer als auch für Kampfrichter, Grundlagen der Kürbewertung inklusive einem detaillierten Punkteabzugssystem, und einen Überblick über einzelne obligatorische Elemente und Schwierigkeiten.

[bearbeiten] Voraussetzungen

Die Hauptaufgabe einer Gymnastin ist es, innerhalb einer Minute ihr Publikum mitreißen zu können, Leidenschaft zu verbreiten, während eine perfekte Körperbeherrschung sowie Koordination und Präzision der winzigsten Details zu einem schönen Bild harmonischer Bewegungen voller Grazie verhelfen. Eine Kür sollte mit der Ausstrahlung und Ausdrucksfähigkeit der Gymnastin eine einzigartige Möglichkeit sein, die Persönlichkeit zu entfalten.

Egal ob im Einzel oder in der Gruppe; die Anforderungen sind alle gleich. Wer sich für die Rhythmische Gymnastik entscheidet, für den sollten Ausdauer, Disziplin, Willensstärke und Genauigkeit keine Fremdwörter sein, um sportliche Höchstleistungen zu feiern. Ziel ist es, sich rhythmisch und gleichzeitig ästhetisch zur Musik bewegen zu können, während man schwierige Grundelemente mit dem passenden Handgerät koordiniert.

Wenn sich vor allem junge Mädchen dazu entschließen, werden sie vorher auf ihre Gelenkigkeit, Koordination, Körperbeherrschung, sowie Konzentration und auf ein ausgeprägtes Raum-, Gleichgewichts- und Zeitgefühl geprüft. Weiters sollte die Figur auch ästhetischer Natur sein.

[bearbeiten] Geschichte

Obwohl sich in den letzten Jahren vor allem in Japan, Russland und USA erste RG-Wettkämpfe für Männer etabliert haben, war und ist die Rhythmische Gymnastik eher ein Frauensport.

Anfangs war der Sport vor allem in der Sowjetunion stark vertreten, und dominiert auch bis heute die internationalen Ranglisten. Die ersten Wettkämpfe fanden 1948 in der damaligen Sowjetunion statt, bis 1963 die erste Weltmeisterschaft der Rhythmischen Gymnastik in Budapest ausgetragen wurde. Seither findet jedes zweite Jahr eine Weltmeisterschaft statt, wobei sich das Kontingent der Siegerinnen hauptsächlich aus Sportlerinnen der ehemaligen Sowjetunion zusammensetzt. 1968 wird erstmals in Österreich eine Staatsmeisterschaft ausgetragen, noch unter dem Namen „Moderne Gymnastik“.

Von 1978 an, als die erste Europameisterschaft dieser Sportart in Madrid stattfindet, erfolgen auch diese Wettkämpfe im Zwei-Jahres-Rhythmus. Sechs Jahre später erreicht die Rhythmische Gymnastik Olympianiveau und wird bei den 23. Spielen in Los Angeles erstmals bei einem Einzel-Wettkampf mit den Handgeräten Reifen, Ball, Keulen und Band vertreten. Im selben Jahr findet auch zum ersten Mal eine Austragung der 4. Europameisterschaft in Österreichs Hauptstadt statt.

Aufgrund politischer Probleme während der Olympischen Spiele der achtziger Jahre, die meist mit einem Boykott durch die USA oder durch die Sowjetunion endeten, wurden folglich die Goodwill Games von Ted Turner ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um einen internationalen sportlichen Wettbewerb, der erstmals in Moskau ausgetragen wurde. Mit unter den 182 ausgetragenen Sportarten war auch die Rhythmische Gymnastik vertreten.

Ab 1988 wird die Rhythmische Gymnastik aufgrund vermehrter Zulassungen und Einladungen zu verschiedenen Bewerben immer internationaler: Gymnastinnen geben zum Beispiel erstmals bei den 14. Corbeil International in Frankreich und bei einem internationalen Turnier in Monte Carlo ihr Bestes.

Mit zunehmenden Jahren etabliert sich die Rhythmische Gymnastik verstärkt bis 1996 erstmals der Gruppenwettkampf ins Programm der 26. Olympischen Sommerspiele aufgenommen wird.

[bearbeiten] Disziplinen

Wie bereits erwähnt, besteht diese Turnsportart aus zwei Disziplinen: dem Einzel- und Gruppenwettkampf.
Der Einzelwettkampf bildet einen Mehrkampf aus vier Übungen, die jede Gymnastin mit verschiedenen Handgeräten meistern muss. Die besten acht pro Handgerät oder höchstens die Hälfte der Teilnehmenden der Meisterklasse und der Juniorinnenklasse qualifizieren sich für das Gerätefinale. Dieses findet meist am darauffolgenden Tag statt, weshalb eine Meisterschaft oft 2-4 Tage dauert. Bei der Europa- und Weltmeisterschaft findet noch zusätzlich ein Mannschaftswettkampf statt. Bei Gruppenbewerben performen je fünf Gymnastinnen abhängig vom Wettkampfprogramm eine oder zwei Küren. Allerdings wird mit sechs Gymnastinnen trainiert – eine ist immer Ersatz im Falle einer Erkrankung oder Verletzung.

Eine Gruppenkür mit 2 Bällen und drei Reifen.
Eine Gruppenkür mit 2 Bällen und drei Reifen.

Bei einer Kür verwenden alle fünf Athletinnen das gleiche Handgerät – zum Beispiel fünf Reifen. Falls eine Gruppe zwei Mal startet, gilt es eine Übung mit dem gleichen Handgerät für alle, und dann noch eine Übung, wo zwei verschiedene Handgeräte kombiniert werden, zum Beispiel wie auf diesem Bild: 2 Bälle und 3 Reifen, zu präsentieren. Die Variationen definiert der FIG, wobei eine Kür mit zwei diversen Geräten viel Geschick und eine perfekte Beherrschung beider Geräte erfordert. Das Repertoire an Handgeräten besteht aus Seil, Ball, Reifen, Keulen und dem Band. Gymnastinnen, die ihre Laufbahn erst gestartet haben, fangen mit leichten Geräten wie mit dem Seil und dem Ball an. Mit der Zeit erarbeitet man im Training dann auch die Technik der anderen Geräte, wobei das Band eher für Fortgeschrittene ist. Jedoch hängt das dann wieder nicht nur von den Jahren an Erfahrung, sondern vom Jahrgang der jeweiligen Gymnastin ab. Auf nationaler Ebene werden 12-14 Jährige in die Klasse der Schüler, 14-16 Jährige in die der Jugend Stufe M9, und ab 14 Jahren der Stufe M10 in die der Senioren eingeteilt. Davor gibt es noch die Schülerinnenwettkämpfe 3, 2 und 1, wo entweder eine Übung ohne Handgerät, oder eine ohne und weitere Übungen mit verschiedenen Handgeräten dargestellt wird. Schülerinnenklasse 3 ist die mit den jüngsten Jahrgängen. Dann arbeitet man sich hinauf in die 2, die 1 Klasse, später wird man zum Junior und schließlich die letzte Stufe: die Meisterklasse, auch als „Elite“ bezeichnet. Dort kann man solange an Wettkämpfen teilnehmen bis man beschließt vom aktiven Sport zurückzutreten, denn eine Altersbeschränkung gibt es nicht wirklich. Die Anzahl und Variation der Geräte ist vom Jahrgang jeder einzelnen Gymnastin und der dazugehörigen Klasse abhängig.

Zusätzlich gibt es auch die Jugendwettkampfklasse und freie Wettkampfklasse mit variierender Anzahl an Übungen unterschiedlicher Geräte. Weiters wird in den einzelnen Klassen auch unterteilt in A oder B, wobei A die Spitzenklasse ist, die diesen Sport als Leistungssport betreibt, und B für die anderen oder Mittelmäßigen. Wenn man vom Trainer nicht eingestuft wird, kann man frei wählen, wo man startet. Diese Unterteilung existiert aber nur auf nationaler Ebene, und variiert von Land zu Land.
International unterteilt man in Junioren -12-14 Jährige- und Senioren -ab 15 Jahren.

Man merkt, dass man, im Vergleich mit anderen Sportarten eigentlich sehr jung, relativ rasch als „Senior“ bezeichnet wird. Das ist deswegen der Fall, weil man als Gymnastin allgemein keine lange Karriere vor sich hat – ab 25 ist man schon ein alter Hase in diesem Geschäft, wobei die meisten schon vorher aufhören, wenn sie nicht gerade auf internationaler Ebene tätig sind. Wobei Senior nicht immer negativ interpretiert werden muss; in der Gymnastik gilt Senior auch als Synonym für die Spitzenklasse.

[bearbeiten] Kür, Musik und Wettkampffläche

Laut FIG sollte die Kür eine rhythmisch präzise Darbietung mit harmonischen Bewegungsabläufen, sowie wenig beziehungsweise nur bestimmte akrobatische Elemente beinhalten. Denn, obwohl diese Sportart dem Turnen ähnlich ist, hat es doch seine spezifisch angepassten Elemente, die keine Flugfiguren oder nur eine eigene Form der Handstandüberschläge zulassen. Es dürfen nur eine bestimmte, genau festgelegte Anzahl akrobatischer Elemente pro Kür dargestellt werden. Falls mehr als erlaubt aufgeführt werden, wirkt die Kür zu übertrieben und nicht mehr elegant, was folglich Punkteabzüge zur Konsequenz hat.

Die Geräte müssen bei den ausgewählten Elementen eine begleitende und ergänzende Rolle übernehmen, die passend zur Musik gehandhabt werden. Es dürfen keine Unterbrechungen in der Choreographie stattfinden, es sei denn es ist eine beabsichtigte künstlerische Pointe, die auch mit der Komposition korreliert.

Die Dauer der Übung kann beim Einzel 75 bis maximal 90 Sekunden, beim Gruppenbewerb zwischen 120 bis maximal 150 Sekunden betragen. Dabei gibt es strikte Richtlinien bei der Auswahl der Musik. Es dürfen zum Beispiel nur instrumentale Kompositionen verwendet werden – entweder aus einem oder mehreren Instrumenten zusammengesetzt, die entweder gleichzeitig oder abwechselnd spielen. Gesang ist strengstens verboten, wobei stimmliche Begleitung seit kurzen erlaubt ist.

Der Musikgestaltung sind grundsätzlich keine Grenzen gesetzt, jedoch sollte die Musikbegleitung mit der Choreographie und dem Thema der Kür übereinstimmen. Zum Beispiel: Schnelle Passagen sollten mithilfe explosiver Sprünge der Kür Schwung verleihen während bei langsamerem Rhythmus eher Akzente auf die exakte Körperführung und präzise Bewegungsabläufe gesetzt werden. Für die Gymnastinnen wird die Musik exakt auf die Choreographie zugeschnitten beziehungsweise bei Spitzenwettbewerben sogar extra komponiert.

Performt wird das Ganze in einer Halle, die mindestens acht Meter hoch sein soll oder, falls Verstrebungen vorhanden, acht Meter unter diesen, damit man eine Unterbrechung der Kür durch Anschlagen oder gar durch Verhängen, was manchmal beim Band oder Seil vorkommen kann, vermeidet.

Schuhwerk - Halbpatschen
Schuhwerk - Halbpatschen

Die Wettkampffläche besteht aus einem 13x13 Meter breitem Teppichboden, die durch eine ins Auge springende rote Linie begrenzt wird. Dabei soll die Fläche durch eine ausgewogene Auswahl an Elementen voll genützt werden, allerdings kann eine Übertretung oder gar ein Verlust des Gerätes, der über die rote Linie hinaus geht, sehr hohe Punkteabzüge zur Folge haben.

Bei bedeutenden Wettkämpfen werden Teppiche benützt, die einen speziellen federnden Unterbau integriert haben, was den Gymnastinnen hilft, ihre Sprungkraft noch mehr unter Beweis zu stellen. Für diesen Teppich ist ein spezielles Schuhwerk erforderlich bestehend aus sogenannten „Halbpatschen“ – sie schauen aus wie Gymnastikschuhe, sind aber hinten offen und werden mit einem Gummiband mit dem vorderen Teil verbunden.

[bearbeiten] Kampfgericht und Bewertung

Das Kampfgericht wird hauptsächlich aus Damen gebildet, die je nach Einsatzbereich eine Prüfung nach den jeweiligen internationalen Standards absolviert haben und somit ein kompetentes und situationsgerechtes Urteilsvermögen aufbringen. Die Anzahl der Kampfrichter steigt je nach Bedeutung des Wettkampfes, jedoch wird bei allen Wettkämpfen das Kampfgericht von Kampfrichterverantwortlichen betreut, und vom Kontrollkampfgericht überwacht.

Internationales Kampfgericht
Internationales Kampfgericht

Unterteilt wird das Kampfgericht zum Einen in eine D-Jury, die den technischen Wert, also die Schwierigkeit, Anzahl und Art der körperlichen Elemente bewertet, daher auch der Name: D für Difficulty.

Zum Anderen gibt es noch die A-Jury und weiters die E-Jury. Die Artistic Jury beurteilt den künstlerischen Wert und die Gestaltung einer Kür. Ihr Hauptaugenmerk legt sie vor allem auf die Auswahl der spezifischen Geräteelemente, spezielle Anforderungen, Originalität der Kür und auf die passende Interpretation der musikalischen Begleitung.

Die Execution Jury beurteilt die Ausführung der Kür – hier werden die meisten Punkte für fehlerhafte Ausführungen der Körper- oder Gerätetechnik sowie für ungeschickte Handhabung oder gar Verlust des Gerätes abgezogen.

Jede Jury ist befugt die Höchstnote von 10 Punkten zu vergeben, was sich auf ein Maximum von 20 Punkten addieren kann. Denn zuerst werden die Punkte für die A-Note - für den künstlerischen Wert und die Schwierigkeit - vergeben, diese Summe wird durch zwei dividiert und zu jenem Ergebnis wird je nach Ausführung die B-Note von maximal 10 Punkten hinzuaddiert. Daher kann eine Gymnastin im Mehrkampf bis zu 80.00 Punkte erreichen, da sie mit vier Küren auftritt. Dass dies eintritt, ist allerdings äußerst unwahrscheinlich. Gute Gymnastinnen erreichen momentan zwischen 15.0 und 16.5 Gesamtpunkte pro Kür.

Niedergeschrieben ist das Ganze im berühmten Code de Pointage, das die internationalen Wertungsvorschriften im Geräteturnen enthält. Die Richtlinien werden spätestens alle vier Jahre geändert, aktualisiert oder neu definiert beziehungsweise anspruchsvoller gestaltet. Dieser Code wird von der FIG getrennt für Frauen und Männer publiziert.

Die Notengebung kann sehr verwirrend und manchmal nicht hundertprozentig nachvollziehbar sein, denn die Abzüge bewegen sich im Zehntel, wenn nicht im Hundertstel Bereich. Aus diesem Grund gab es 2005 eine Reform der vielen Regeln, die eine universell nachvollziehbarere und transparentere Bewertung mit sich brachte. Vor allem wurde aber reformiert um unkorrekte Bewertungen auszumerzen. Das Ergebnis erfreut die Gymnastinnen, da der Ausführungswert viel mehr an Bedeutung gewinnt, weil bei diesem von der Höchstnote subtrahiert wird, während bei den anderen Werten addiert und sehr selten die Höchstnote von 10.00 vergeben wird. Allerdings kann bei einem Technik- oder Ausführungsfehler oder Geräteverlust von einem Zehntel bis zu einem Punkt abgezogen werden.

Schwierigkeitselemente im technischen Wert reichen von A bis J bei den Juniorinnen, und bei der „Elite“, also bei der Meisterklasse, noch höher. Dasselbe Punkteabzugssystem wird auch bei den gerätetechnischen Werten verwendet: Für ein verfehltes A-Element wird 0.1, für ein B-Element 0.2, et cetera; bis ein Punkt bei einem schlecht ausgeführten J-Element abgezogen wird. Genauso wie abgezogen, können auch Bonuspunkte vergeben werden: für ein zusätzlich reibungslos ausgeführtes Element der Klasse A oder einer anderen, können von 0.1 bis, in seltenen Fällen, zu einem Punkt addiert werden. Für eine extravagante und perfekte Verbindung von Elementen können bis zu zwei Zehntel vergeben werden.

Jede Übung muss mindestens je vier Elemente aus der Schwierigkeitsstufe A und B beinhalten, wobei bei einer Qualifizierung für das Finale noch zusätzlich Elemente der Gruppe C und D hinzukommen. Außerdem muss im Finale bei den Handgeräten Reifen, Ball und Band eine Schwierigkeit mit links ausgeführt werden.

Bei der Elite beträgt die Höchstpunkteanzahl 20.00, während bei den Juniorinnen die Ausführung doppelt bewertet wird, was zu einem Punktemaximum von 30.00 je Kür führen kann.

Die Elemente, die bewertet werden, richten sich nach einem speziellen Übungsformular bestehend aus einer figurativen RG-Symbolschrift.

[bearbeiten] Handgeräte

Insgesamt sind fünf Handgeräte zugelassen: Seil, Ball, Reifen, Keulen und Band. Eines dieser fünf macht immer nach der Europameisterschaft zwei Jahre lang Pause, denn die höchste Anzahl der Küren, die performt werden, beträgt vier. Bestimmt wird die Reihenfolge von FIG. Zurzeit, 2007, wird im Einzel mit Seil, Reifen, Keule und Band trainiert und gestartet, während im Gruppenbewerb mit Seil beziehungsweise mit Reifen und Keulen aufgetreten wird.

Jede Übung oder Kür muss neben elementaren körpertechnischen Elementen wie Stände, Sprünge, Pirouetten auch Elemente, die den speziellen Charakter des Handgeräts entsprechen, beinhalten.

Die jeweiligen Geräte sind vom FIG detailliert genormt; die Geräte müssen vor dem Wettkampf gemessen und gebilligt werden. Eine Nichteinhaltung der strengen Kriterien und Maßen kann folglich zu einer Disqualifikation führen. Allerdings dürfen die Farben der Geräte frei gewählt werden – meistens werden sie in Abstimmung mit den Farben des Kostüms ausgewählt, oder aufeinander abgestimmt. Eine neue Regelung von 1997 erlaubt es nun auch, Gold und Silber zu verwenden.

[bearbeiten] Das Seil

…besteht grundsätzlich aus Hanf oder aus einem synthetischen Material, wobei die Länge proportional zur Körpergröße der Gymnastin, höchstens aber bis knapp unter die Schultern, sein soll.

Was man alles mit dem Seil machen kann...
Was man alles mit dem Seil machen kann...

An jedem Ende können jeweils Knoten für einen besseren Halt sorgen; bei Würfen sind die Knoten nützlich, denn sie dienen zur Orientierung für die Stelle an der gefangen werden soll und lassen das Seil präzise in der Luft rotieren. Allerdings sind keine anderen Griffe erlaubt, wie man sie zum Beispiel von dem Springseil im Fitnesscenter kennt.

Gymnastinnen können mit dem Seil ihre Körpertechnik durch Elemente wie dynamische Sprünge und Hüpfer aller Variationen demonstrieren. Wenn man das Seil beherrscht, kann man damit gleichzeitig eine explosive und aggressive als auch eine elegante Performance darbieten, die durch gerätetechnische Elemente wie Würfe, Rotationen, Schwünge sowie Achterbewegungen und durch andere begleitende Variationen zum Ausdruck gebracht wird.

Eine gute Kür erkennt man daran, dass das Seil in all die Bewegungen, Drehungen und Sprünge integriert ist, und nicht leblos am Körper der Gymnastin schleift oder gar krampfhaft in der Hand gehalten wird. Es soll den Ablauf der Bewegungen unterstreichen, nicht behindern.

[bearbeiten] Der Ball

Yulia Barsukova souverän mit dem Ball
Yulia Barsukova souverän mit dem Ball

… besteht entweder aus Gummi oder einem anderen synthetischen Material – das Hauptaugenmerk wird auf seine gute Elastizität gerichtet. Dabei soll der Durchmesser zwischen 18-20 Zentimeter betragen und ein Mindestgewicht von 400 Gramm nicht unterschreiten.

Auch hier sind die Farben frei wählbar, wobei keine Figuren oder gar Karikaturen zugelassen werden; nur geometrische Formen werden akzeptiert.

Als einziges Gerät stellt der Ball zur Gymnastin eine elegante Beziehung her, die sich in gefühlvollen Bewegungen voller Harmonie ausdrückt. Schwerpunkt der Körpertechnik sind Beweglichkeitselemente und Körperwellen, die durch präzises Werfen, kontrolliert genaues Fangen, geschmeidiges Rollen am Boden oder am Körper, dynamisches Prellen oder durch Achterbewegungen ausgedrückt werden.

Der Ball ist dazu da, in Bewegung zu sein, nicht am Körper der Gymnastin festzukleben. Es gibt Punkteabzüge für krampfhafte Versuche den Ball zu halten, denn die Bewegungen sollen fließend sein und der Ball sollte um das zu vollbringen, auch nicht am Handgelenk abgestützt werden.

[bearbeiten] Der Reifen

Ling Zhon: Gelenkige Variation mit dem Reifen
Ling Zhon: Gelenkige Variation mit dem Reifen

… besteht entweder aus Holz oder Kunststoff, wobei letzteres aufgrund der längeren Lebensdauer bevorzugt wird, denn das Material darf sich nicht verformen. Er darf nicht leichter als 300 Gramm sein und sein Innendurchmesser soll zwischen 80 und 90 Zentimeter betragen, denn es gibt Figuren, bei denen die Gymnastinnen durch den Reifen durchspringen oder darüber hüpfen müssen, was besonders bei Gruppenaufführungen häufig vorkommt.

Der Reifen bietet ein breites Feld an körpertechnischen Bewegungsabläufen, die einer Gymnastin die Möglichkeit bieten, ihr Können durch Sprünge, Drehungen und Gleichgewichtselemente zu präsentieren.

Dieses Gerät zu beherrschen und in seinen Elementen zu kontrollieren bedarf guter Koordination der Bewegungsabläufe sowie handtechnisches Geschick. Denn so wie auch der Ball sollte der Reifen immer in Bewegung sein, wobei er nach einem Wurf sogar festgehalten werden darf, aber nicht muss. Ein kompetenter Umgang mit dem Reifen zeigt sich durch präzise Würfe und Fänge, Rotationen, Schwünge, Rollen am Körper oder am Boden, häufige Griffwechsel ohne dabei die Kontrolle über den Reifen zu verlieren.

[bearbeiten] Die Keulen

Simona Peycheva in ihrem Element
Simona Peycheva in ihrem Element

… bestehen aus Holz oder Kunststoff, wobei hier aufgrund der geringen Verletzungsgefahr letzteres favorisiert wird. Die ganze Länge der Keule beträgt zwischen 40-50 Zentimeter, was auch von der Größe der Gymnastin abhängt. Jede Keule darf mindestens 150 Gramm wiegen und der Kehlkopf darf die drei Zentimetergrenze nicht überschreiten. Um die Keulen besser im Griff zu haben, kleben viele Gymnastinnen meistens ein Klebeband oder rutschresistentes Material um den Kopf der Keule.

Auch hier sind die Farben frei wählbar, wobei man bei diesem Gerät seiner Fantasie freien Lauf lassen kann – von gemusterten, einheitlichen, karo- oder spiralförmigen, oder gar verschiedenfarbigen Keulen – fast alles ist erlaubt. Körpertechnisch liegt der Schwerpunkt hier bei den Gleichgewichtselementen, die begleitet durch Mühlhandkreise, Rollen, Würfe, Achterbewegungen, asymmetrische Bewegungen und präzises aber demonstratives Schlagen der Gymnastin helfen, Akzente in die Kür zu setzen.

Gymnastinnen mit beidhändiger Geschicklichkeit und guter Koordination profitieren bei diesem Gerät. Auch braucht man ein hoch entwickeltes Rhythmusgefühl und eine gut ausgeprägte Technik und Genauigkeit im Umgang mit den Keulen um eine ausdrucksstarke Leistung darzubieten, denn Keulen sind nicht gerade das Gerät, das unterstützenden Schwung in die Kür bringt.

[bearbeiten] Das Band

… setzt sich zusammen aus einem Stab, dessen Material entweder aus Bambus, Fiberglas, Kunststoff oder Holz besteht, der Befestigung und dem Band. Es darf maximal einen Zentimeter Durchmesser an der dicksten Stelle betragen und höchstens 50-60 Zentimeter lang sein. Der Handgriff der zylindrischen oder konischen Form des Stabes kann man mit einem Klebeband andeuten, was gleichzeitig einen rutschresistenten Effekt hat. Dabei darf die Länge des Klebebands nicht die zehn Zentimetergrenze übertreffen.

Fließende Kreisbewegung mit dem Band von Hannah Chapell
Fließende Kreisbewegung mit dem Band von Hannah Chapell

Das Material des Bandes ist entweder Satin, ungestärkte Seide oder Ähnliches, darf nicht breiter als vier bis sechs Zentimeter sein und nicht kürzer als sechs Meter, wobei die endgültige Länge vom Alter und der Größe der jeweiligen Gymnastin abhängt. Damit das Band fließend in seiner Bewegung ist, sollte es mindestens 35 Gramm schwer sein.

Die Befestigung, welche die beiden Teile verbindet, kann aus jedem Material sein, aber maximal sieben Zentimeter lang.

Dieses Handgerät fordert die Gymnastin besonders heraus: Neben guter Technik ist auch eine ausgezeichnete Körpertechnik erforderlich, wobei der Schwerpunkt bei den Drehungen liegt, die mithilfe des Bandes die Eleganz der Kür unterstreichen. Auch hier sollten die Bewegungen fließend sein, während das Band mithilfe von Spiralen, präzisen Würfen und Fängen, Schlangen und Achterbewegungen auch immer in Bewegung gehalten wird.

Neben dem Verlust des Gerätes gibt es hier auch Abzüge für eventuelle Knotenbildungen am Ende oder in der Mitte des Bandes, die oft unbeabsichtigt entstehen. Man kann dies teilweise durch große und weite Spiralen oder andere Bewegungen vermeiden.

[bearbeiten] Training

Da die Rhythmische Gymnastik eine Kombination aus Kunst, Tanz und Ballett ist, besteht das Trainingsprogramm aus drei Teilen: der Körpertechnik, wo der Schwerpunkt auf neue Elemente, Dehnübungen und die Grundlagen der Basiselemente gelegt wird. Jede Gymnastin erkennt hier ihre Stärken, ihre Limits und steigert sich von Training zu Training.

Um eine ästhetische Performance, die geschmeidig in ihren Bewegungen abläuft, zu erreichen, sollte jede Gymnastin begleitend auch Ballettstunden nehmen, die sich auf präzise und elegante Körperhaltung, genaue Beinführung und begleitende Handhaltungen, sowie auf Drehungen spezialisiert. Hier wird praktisch das perfektioniert, was im Grundtraining erarbeitet wird.

Um all die erlernten Elemente auch gekonnt in die Kür einzugliedern und eine perfekte Handhabung der einzelnen Geräte zu erreichen, werden auch Trainingsstunden für die Erarbeitung beziehungsweise zum Eintrainieren der neuen Elemente verwendet. Jede Gymnastin kann dann individuell ihre einstudierte Kür perfektionieren und sie dann der Trainerin mit zugehöriger Musik präsentieren. Da die Rhythmische Gymnastik meistens als Leistungssport gesehen wird, verlangt es auch etliche Trainingsstunden von der Gymnastin ab. Je nach Alter und Leistungsklasse abhängig, kann dies von mindestens zwei oder drei Mal pro Woche von je 2-3 Stunden bis zu 5-8 Stunden täglich betragen. Deswegen sollte man den nötigen Ehrgeiz, Disziplin und das Durchhaltevermögen ins Training mitbringen.

Allerdings klagen viele Sportlerinnen nach jahrelangem Leistungssport oft über Rückenschmerzen und Schmerzen aller Art.

[bearbeiten] Rhythmische Gymnastik in Österreich

Vertreten ist die RG in Österreich in allen 9 Bundesländern – die erfolgreichsten Zentren sind Wiener Neustadt, Wien, Dornbirn, Wörgl, und Graz.

Doch das war nicht immer so, denn die Rhythmische Gymnastik ist vorher immer als Nebenbewerb bei Turnmeisterschaften gehandhabt worden. Sie wurde nie als eigenständige Sportart anerkannt, bis in Wiener Neustadt aufgrund erster Umbruchstimmungen ein Zentrum der Initiative gegründet worden ist. Wiener Neustadt galt als das Hauptzentrum während der Entwicklung der RG in den 60er Jahren. Langsam aber bestimmt etablierte sich die Rhythmische Gymnastik als unabhängige Sportart und verdiente sich auch Anerkennung unter allen anderen Sportarten, bis sie es 1968 zur ersten Staatsmeisterschaft schaffte.

In Wien gewann die Rhythmische Gymnastik erst seit 1974 an Bedeutung, später gesellten sich auch Graz und Vorarlberg dazu. Bedeutende Gymnastinnen damals in Österreich waren unter anderem Helga Höller, Uschi Wiklicky, Doris Kandler, Monika Bachmann und Gertrude Ramsauer.

Dass Kooperation meistens zum Erfolg führt, bewies die Rhythmische Gymnastik in den 80er Jahren, als die Vereine in den einzelnen Bundesländern anfingen zusammen zu arbeiten.

Zwei Mal schon war Wien der Austragungsort internationaler Top-Wettkämpfe: die Europameisterschaft 1984, womit die Rhythmische Gymnastik in Österreich den endgültigen Durchbruch schaffte, und die Weltmeisterschaft 1995. Seit 1994 wird in regelmäßigen Jahresabständen auch das Finale des Grand-Prix in Österreich, meistens in Wien, Linz, Korneuburg und in Innsbruck, veranstaltet, bei dem man die Weltelite ganz nahe erleben kann. Dies eröffnete eine neue Ära in der Geschichte der RG: bislang wurde der Erfolg nur mit Medaillen und Pokalen belohnt; erstmals gab es hier auch Preisgeld.

Österreichische Rhythmische Gymnastinnen haben sich aber auch international bewährt: Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul war Elisabeth Bergmann die erste Athletin, die für Österreich gekämpft hat. Sie belegte den 25. Rang von insgesamt 35 Bewerberinnen.

Caroline Weber ist eine der Hoffnungen im Nachwuchssport. Birgit Schielin führte sie bereits zu 5 Meisterschaftstitel.
Caroline Weber ist eine der Hoffnungen im Nachwuchssport. Birgit Schielin führte sie bereits zu 5 Meisterschaftstitel.

Bei den Olympischen Spielen 1996 wurde Österreich in doppelter Ausführung vertreten: durch Birigit Schielin, die von 37 Bewerberinnen den 24. Rang belegte, und Nina Taborsky, die 29te wurde.

Seit Ende 2006 trainiert auch die Nationalmannschaft fleißig in Wien und St. Pölten für eine Qualifikation auf olympischer Ebene. Derzeitige Trainerinnen sind Lucia Gencheva und Co-Teamtrainerin Mag. Sandra Kumhofer.

Geregelt werden alle Meisterschaften in Österreich von dem ÖFT, dem Österreichischen Fachverband für Turnen. ÖFT- Vizepräsidentin und langjährige Bundesfachwartin ist Heide Bruneder. Als Präsidentin des Technischen Komitees ist sie eine gefürchtete Elite-Kampfrichterin. Weiters hat sie sich als Gründungsmitglied der Grand-Prix-Serie und als höchstrangige Gymnastikfunktionärin in der UEG, der Union Européenne de Gymnastique, europaweit einen Namen gemacht. Außerdem hat sie zahlreiche Funktionen auf Dach- und Landesverband, und auf Vereinsebenen eine gewichtige Stimme.

Der ASVÖ, Allgemeiner Sportverband Österreich, war und ist eigentlich der Verein der Rhythmischen Gymnastik. Bei der UEG ist ein Vorschlag eingegangen, die Altersgrenze für die Juniorinnen auf 16 Jahre anzuheben und nur einfache Übungen inklusive Kombinationen mit maximal zwei Elementen zuzulassen. Denn man befand, dass die technischen Anforderungen an die Gymnastinnen extrem hoch und somit teilweise gesundheitsschädigend waren. Außerdem wurde eine Wiedereinführung einer Einzel-Juniorinnenmeisterschaft beantragt – beim Kongress in Wien wurden schließlich alle Vorschläge bewilligt.

[bearbeiten] Berühmte Persönlichkeiten in der Rhythmischen Gymnastik

  • Alina Kabaeva

Alina Maratowna Kabaeva, wurde am 12. Mai 1983 in Tashkent, Usbekistan, geboren. Ihr Vater war ein Profi-Fußballer, weshalb sie später nach Kasachstan und anschließend nach Russland umsiedelte.

Lubov Kabaeva, ihre Mutter, war eine Schlüsselfigur für den Antrieb in der Karriere ihrer Tochter. Sie selbst spielte in der Basketballnationalmannschaft für Usbekistan, daher wollte ihre Mutter, dass auch Alina sich seriös einer Sportart widmet. Zur Auswahl standen Eiskunstlauf und Rhythmische Gymnastik. Da es in Usbekistan aufgrund der Klimaverhältnisse keine erstklassigen Eiskunstvereine gab, entschied sie sich für die Rhythmische Gymnastik.

Mit stolzen vier Jahren trainiert sie bereits an der Seite ihrer ersten Trainer: A. Malkina und E. Tapasova. Dort muss sie sich ihren Respekt erst verdienen, denn man sieht keine besonderen Talente in der jungen Gymnastin. Als ihre Mutter realisiert, dass sie ihr volles Potential dort nicht entfalten kann, siedeln sie nach Moskau um. Dort angekommen, ändern sich die Dinge schlagartig: Lubov Kabaeva führt ihre Tochter zur Cheftrainerin Irina Viner, die von Alina begeistert ist, da sie die für die Rhythmischen Gymnastik wichtige Kombination zweier elementarer Eigenschaften, nämlich Gelenkigkeit und Lebendigkeit, aufbringt. Sie nimmt sie in ihr Team auf, stellt jedoch eine Bedingung: Alina muss vorher etwas abnehmen, was sie auch tut. Von da an trainiert sie fleißig an der Seite Viners, Shatalinas, die ihr als Aushilfetrainerin zur Seite steht, und Shatkovas, die für Alina die Choreographien einstudiert.

Ihr internationales Debüt feiert sie 1996, als sie erstmalig die russische Nationalmannschaft vertritt. Ihre Mühen und harte Trainingseinheiten machen sich bezahlt: Sie verteidigt ihre Titel als Europameisterin in fünf aufeinanderfolgender Austragungen; 1998,1999,2001,2002,2004. Dieser Erfolg unterstreicht ihren Ruf als außerordentliche Gymnastin, denn fünf Jahre hindurch so zu dominieren, ist einmalig in der Geschichte der Rhythmischen Gymnastik. Durch ihre außergewöhnliche Art der Interpretation der Übung, schafft sie bereits mit 15 Jahren ihren ersten Europameisterschaftstitel in Portugal. Keiner hat mit ihrem Sieg gerechnet, denn sie ist das jüngste Mitglied im Kader Russlands. Beeindruckende 39.732 Punkte verhelfen ihr zu Gold im Einzelmehrkampf-Finale. Das darauffolgende Jahr beschert ihr gleich zwei Titel: den zweiten Titel als Europameisterin und erstmals den Titel als Weltmeisterin. Bei der in Budapest ausgetragenen Europameisterschaft verteidigt sie ihren Titel trotz Fehlern mit Seil und Band, welches sich gleich zu Beginn verknotet. Ihre außerordentliche Leistung mit Reifen und Ball, die beide mit der Höchstanzahl von 10 Punkten bewertet werden, ermöglichen ihr dennoch den Sieg im Einzelmehrkampf mit 39,866 Punkten. Beim Gerätefinale mit Reifen wird sie auch Erste; ex equo mit Julia Rastina.

Ihr damaliges Ziel ist es, Olympische Meisterin 2000 zu werden, doch ausgerechnet der Reifen wird ihr bei den Olympischen Spielen in Sydney zum Verhängnis. Jeder rechnet mit ihrem Sieg, doch bei ihrer zweiten Kür passiert das Unerwartete: Sie verliert die Kontrolle über ihren Reifen und muss die Kampffläche verlassen um den Reifen zu erwischen, was ihr wertvolle Punkte (nur 9.641) in der Endwertung kostete. Dennoch erreicht sie Bronze mit insgesamt 39.466 Punkten. Bei der Europameisterschaft im Jahre 2001 gewinnt sie 3 Mal Gold für Reifen, Ball und Keulen, und Silber für Seil.

Im selben Jahr finden die Goodwill Games in Brisbane, Australien, statt, wo sie sich 3xGold für Ball, Keulen, Seil und 2xSilber für Reifen sowie den Einzelmehrkampf sichert. Allerdings wird sie und ihre Teamkollegin Irina Tchachina positiv auf Furosemide getestet, was zur Folge hat, dass beiden die gewonnen Titel bei den Goodwill Games als auch von der Weltmeisterschaft 2001 in Madrid aberkannt werden. Hinzu kommt noch eine Sperre und Disqualifizierung von allen Meisterschaften der darauffolgenden zwei Jahre. Allerdings werden beide nur von August 2001 bis August 2002 von allen Turnieren ausgeschlossen; beim zweiten Jahr haben sie die Erlaubnis teilzunehmen, jedoch werden sie speziell im Auge behalten und müssen sich strengeren Kontrollen unterziehen.

Alina Kabaeva überzeugt bei den Olympischen Spielen in Athen mit den Keulen.
Alina Kabaeva überzeugt bei den Olympischen Spielen in Athen mit den Keulen.

Alina Kabaeva lässt sich jedoch nicht entmutigen und gewinnt 2003 bei der Weltmeisterschaft in Budapest ihren zweiten Weltmeistertitel. Bei der Europameisterschaft ein Jahr darauf zelebriert sie ihren fünften Titel in Folge. Sie erhält eine Gesamtwertung von 106.625 Punkten, welche sie um fast 2 ganze Punkte von der Zweitplatzierten trennt.

Auch bei den darauffolgenden Olympischen Spielen 2004 beweist sie, dass sie das Zeug zur Olympiasiegerin hat: Mit 108.400 Punkten in der Gesamtwertung holt sie sich endlich die langersehnte Goldmedaille. Ihre Teamkollegin Irina Tchachina gewinnt Silber.

All ihre Ziele verwirklicht, kündigte Kabaeva im Oktober 2004 ihren Rücktritt aus der Rhythmischen Gymnastik an. Allerdings wird ein Jahr später von einem potenziellen Comeback gemunkelt, welches dann auch tatsächlich in Italien des Jahres 2005 stattfindet: In Genua wird ein Freundschaftswettkampf zwischen Russland und den Hausdamen veranstaltet. Ein halbes Jahr später feiert sie erneut den ersten Platz beim Gazprom Moscow Grand Prix. 2007 kann sie fast an ihre damaligen Erfolge anknüpfen: Beim World-Cup in Portimao, Portugal, gewinnt sie 2xGold für Keulen und Seil. Mit ihrem gefürchteten Handgerät, dem Reifen, belegt sie den zweiten Platz und mit Band den Dritten.

Zusammenfassend und aufgrund all ihrer Titel ist sie eine der erfolgreichsten Gymnastinnen unserer Zeit.

Neben ihren sportlichen Leistungen findet Kabaeva auch Zeit, sich der Politik zu widmen: von Dezember 2001 bis Oktober 2005 war sie Mitglied des höheren Rates der Partei „Einiges Russland“ und ist seither als Mitglied der öffentlichen Kammer Russlands tätig.

Weiters wurde sie mit dem Orden der Freundschaft im Jahre 2001 beehrt und mit dem Orden für ihre Verdienste vor dem Vaterland vierten Grades im Jahre 2005. Außerdem stellte sie ihr schauspielerisches Talent im japanischen Film „Roter Schatten“ zur Schau; auch bei dem dazugehörigen Videoclip der Gruppe „Igra Slov“ (übersetzt: „Wortspiel“), die das Lied „Alina Kabaeva“ schrieben. Die Leser des Magazins Glamour kürten sie zur „Woman of the Year“.


  • Magdalena Brzeska

Die am 14. Mai 1978 in Gydnia, Polen, geborene Gymnastin ist 22-fache Deutsche Meisterin der Rhythmischen Gymnastik und seit 1992 auch international erfolgreich. Angefangen mit der Rhythmischen Gymnastik hat sie mit sieben Jahren und war insgesamt fast dreizehn Jahre aktiv. Ihren Grundstein legt sie in Polen, wo sie polnische Schülermeisterin wurde und dem Schüler-Nationalkader angehört. Danach kommt sie nach Deutschland und tritt 1990 dem Verein TVS Schmiden bei, wo sie mit ihrem Talent und ihrer Ausstrahlung überzeugt und bald im A-Kader der Deutschen Nationalmannschaft aufgenommen wird. Sie holt sich bei den Deutschen Jugendmeisterschaften 3 Finalsiege und qualifizierte sich folglich für eine weitere Meisterschaft, bei der jedoch die fehlende deutsche Staatsbürgerschaft ihr einen Strich durch die Rechnung macht.

Bei der Europameisterschaft in Stuttgart im Jahre 1992 schafft sie mit dem 14. Platz ihren internationalen Durchbruch. Im selben Jahr findet noch eine Weltmeisterschaft in Brüssel statt, bei der sie den 12. Rang im Mehrkampf belegt. Im darauffolgenden Jahr wird sie die erstmalige sechs-fache Deutsche Meisterin in allen 5 Disziplinen und im Mehrkampf. Anschließend belegt sie beim Europa-Cup Finale in Malaga, Spanien, mit insgesamt 37.100 Punkten den zehnten Platz. Bei ihrer zweiten Weltmeisterschaftsteilnahme 1993 in Alicante, Spanien, bleibt sie ihrem 12. Platz im Mehrkampffinale treu und wird zusätzlich noch als Fünfte des Seilfinales geehrt. Hinzu kommt ihr Erflog bei den 3. Gymnastik Masters in Stuttgart: Sie gewinnt Bronze.

1994 ist ein gutes Jahr für Magdalena Brzeska: Sie wird 5-fache Deutsche Meisterin, belegt mit Kristin Sroka bei der Europameisterschaft in Thessaloniki mit der deutschen Mannschaft den 7. Rang und erreicht individuell den 10. Platz im Mehrkampf.

Auch im nächsten Jahr verteidigt sie ihre 5 Deutschen Titel und qualifiziert sich bei der Weltmeisterschaft in Wien mit dem 8. Platz beim Finaleinzel für Olympia 1996, wo sie im Finale den 10. Platz belegt. Vorher holt sie sich wieder 4. Deutsche Titel.

Bevor sie im Jahre 1996 ihren Verein verlässt, gründet sie dort noch eine Talentschule für Nachwuchsgymnastinnen. Der Beweggrund TSV Schmiden zu verlassen, ist der Tod ihrer Trainerin Krystyna Georgiew. Brzeska wechselt nach sechs Jahren zum Verein TV Wattenscheid 01 und trainiert bis 1998 mit Livia Medilanski. Mit ihrem letzten Auftritt erfüllt sie sich ihr persönliches Ziel: die Teilnahme bei der Weltmeisterschaft 1997 in Berlin, wo sie im Finale mit 39.366 Punkten den 10. Platz belegt. Folglich kündigt sie am 21. Februar 1998 ihren Rücktritt aus der Rhythmischen Gymnastik an.

Privat ist sie Mutter zweier Töchter und hat sich auch ihren Wunschberuf als Model erfüllt: Sie ist Werbepartnerin bei etlichen Unternehmen, unter anderem bei Arena und Opel und präsentiert die Mode von Anya Chopra. Allerdings engagiert sie sich auch im sozialen Bereich, zum Beispiel bei „Keine Macht den Drogen“ und „Mukoviszidose-Hilfe“.


  • Birgit Schielin

Die am 22. März 1979 geborene Wiener Ex- Weltklassegymnastin und Ex-Nationaltrainerin findet schon als Kind, nach Anregung durch ihre Großmutter Friedl Schielin, Gefallen am Gymnastikzirkus. Mit stolzen zehn Jahren feiert sie bereits erste Erfolge bei Wiener Landes- und Schülerstaatsmeisterschaften. Dank intensiven Trainings, kürt man sie 1992 drei Mal zur Österreichischen Juniorenmeisterin und ein Jahr darauf sogar fünf Mal. Hinzu kommt noch ein Gruppenstaatsmeistertitel selben Jahres.

Von da an vertrat sie Österreich auch immer mehr auf internationaler Ebene: Teilnahme an der Junioreneuropameisterschaft in Bukarest, Club WM in Tokio und Europameisterschaft in Oslo.

1995 qualifizierte sie sich für die Olympischen Spiele bei der Weltmeisterschaft in Wien, wo sie sich ein Jahr darauf in Atlanta als 24. bewährte. Somit schneidet sie als beste Österreicherin der bisherigen Geschichte ab. Da sie Österreich so gut international repräsentierte, wurde ihr 1995 vom FIG die Bezeichnung „Gymnastin der Weltklasse“ verliehen.

Birgit Schielin mit dem Band
Birgit Schielin mit dem Band

Bei den 2. Internationalen Vorarlberger Turntagen 1997 tritt Birgit Schielin gemeinsam mit Thomas Zimmermann und Tina Ramharter in einer Kombination von Kunstturnen der Männer und Frauen sowie der Rhythmischen Gymnastik an. Sie erreichen Silber hinter Russland in der Mannschaftswertung. Ziel dieses Wettkampfes war es, einen Einblick in die Bandbreite des Turnens und dessen eigenständig etablierte Sportarten zu gewähren.

Weiters tritt sie als erste Österreicherin bei einem Mehrkampffinale bei der Europameisterschaft 1998 in Porto an, und belegt einen respektablen 26. Rang. Ein interessantes Detail am Rande: Nach dieser EM maturiert sie eine Woche darauf mit Auszeichnung.

Erwähnenswert sind noch ihre Erfolge als Grand-Prix Finalistin 1994, 1996 und 1998.

Als 22-fache (Rekord-) Staatsmeisterin in Österreich und nach einer traumhaften internationalen Karriere beendet Birgit Schielin Mitte Oktober 1998 offiziell ihre aktive Laufbahn als Weltgymnastin. Was jedoch nicht unbedingt heißt, dass sie sich ganz aus der Gymnastik zurückzieht, denn bereits im Dezember selben Jahres beginnt sie ihre Trainerlaufbahn in Kanada. Ein halbes Jahr darauf kehrt sie jedoch nach Österreich zurück und startet erstmalige Versuche, einen Einzelkader aufzubauen. Durch ihr ausgeprägtes Gefühl für Musik bringt sie frischen Wind in die Gruppe und in die Küren. Ihre Jünglinge danken ihr bei der Europameisterschaft in Saragossa indem sie den 14. Rang in der Mannschaftswertung belegen. Dies war damals das bisher beste österreichische EM-Ergebnis. Somit war Schielin nicht nur eine erfolgreiche Nationaltrainerin, als auch die jüngste der Welt!

Zusammengefasst war Birgit Schielin die Nummer Eins in Österreich in den 90er Jahren und National-, Wiener Landes und ASVÖ Bundestrainerin. Sie bewirkte in der österreichischen RG außerordentlich viel, indem sie Österreich international Anerkennung verschaffte, gute Nachwuchsarbeit leistete, was in jedem Sport extrem wichtig ist damit eine Sportart weiterleben kann. Um ein Beispiel zu geben: Schielin führte Ursula Ziegler zu 14. Staatsmeistertitel, und Caroline Weber zu allen 5 Titel bei einer Meisterschaft.

Schielin beginnt Publizistik und Theaterwissenschaften zu studieren und absolviert auch eine staatliche Trainerausbildung und ist seit 2004 in der ASVÖ-Bundeszentrale als Sportmanagerin tätig. Sie ist eine Vermittlerin des vom ASVÖ-Frauenreferat initiierten Projekts der European-Sports Au Pair, kurz EU-SAP. Ziel dieses Programms ist es eine Balance in die Bewältigung der Dreifachbelastung von Trainerinnen mit Kindern zu schaffen. Der jeweilige Au Pair Kandidat wird der Sportlerin zur Seite gestellt und hilft mit den Kindern während die Athletin ihrem Beruf beziehungsweise Spitzensport nachgehen kann. Der Au Pair kann im Gegenzug am Spitzensportalltag teilnehmen und an den Erfolgen teilhaben, während er nebenbei auch die Sprache lernen kann.

Weiters ist sie in der Frauensport-Koordination und als Seminarleiterin von etlichen Workshops tätig, während sie privat ihre Freizeit mit Literatur und Schwimmen verbringt. Bild:Beispiel.jpg

 
 
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