Aruba. Angenehme 30 Grad im Schatten. In zwei Stunden habe ich meinen Flieger. Zeit ein wenig Bilanz über mein Karibikabenteuer zu ziehen. Es war jedenfalls ein durchaus gelungenes und nettes Turnier. Mein 40.Platz beim $5500 Aruba Classic hat mich zwar ins Geld gebracht, aber der erste Platz mit 800k wäre mir dann doch lieber gewesen. Dafür war es lustig und die Cashgames und das ganz rundherum waren spaßig und auf karibische Art familiär.
Phil Hellmuth ist ja traditionell so etwas wie der Gastgeber für dieses Ultimate Event und zu seinen Pflichten gehört wohl auch die offizielle Eröffnung. An dem Tag war es wirklich heiß und die Zeremonie fand draußen vor dem Hotel statt. Um seine Rede mit einem kleinen Gag zu beginnen, kündigte Hellmuth an, nicht zu lange zu sprechen, und den ersten vier, die es wegen der Hitze nicht erwarten könnten und gleich in voller Montur ins Swimmingpool springen, stellte er eine $500 Prämie in Aussicht. – Kaum gesagt stürzten sich gleich fünf Dankbare ins kühlende und zugleich lukrative Nass. Aber Phil Hellmuth ließ sich nicht lumpen und weil es Pool offenbar weder Videoüberwachung noch Zeitlupenwiederholung gibt und sich somit der Zieleinlauf nicht exakt feststellen ließ, wurde einfach fünf nasse Spieler ausbezahlt.
Apropos kleine Nebenwette, da hat Russ Hamilton eindrucksvoll demonstriert, wie wichtig es ist, wenn man seinen „Gegner“ gut lesen kann. Dazu muss ich vorausschicken, das Aruba eine wunderschöne Insel mit zum Teil wunderschönen Menschen ist, aber meines Wissens jedes Jahr leer ausgeht, wenn die Nobelpreise verteilt werden: Und nach meiner Einschätzung wird das auch so bleiben. – Russ Hamilton war wohl schon öfters hier und bereit folgendes Risiko zu tragen. Einmal $100 und einmal $500 schön vor sich hingelegt und die Floorfrau gerufen: „Wenn Sie mir den Namen des aktuellen amerikanischen Präsidenten nennen, gibt es die hundert Dollar. Wenn Sie den Vizepräsidenten auch noch wissen gibt es einen fünfhundert Dollar Vizepräsidenten-Bonus“. Kurzes Überlegen und dann mit siegesgewisser Miene die Antwort: „Bill Clinton“ – Pokerface Hamilton hatte da doch ein wenig zu kämpfen. Aber ganz Gentleman holte er einen $50 Schein aus der Hemdtasche: „Bill Clinton ist eine gute Antwort und fünfzig Dollar wert“.
Das war übrigens jeden Tag die Besetzung am hohen Omahatisch. Neben Russ Hamilton, Freddy Deep, Robert Williamson III noch andere wechselnde Heroen und ich mitten drinnen und das durchaus erfolgreich. Zu lachen gab es immer genug. Etwa Freddy Deep, der wirklich nur zwei Sachen im Kopf zu haben scheint und nur eine davon kann. Viel geschlafen hat der Mann während der Woche sicher nicht, aber immer gut aufgelegt. Einmal stand er auf, das ganze Geld lag am Tisch verschwand. Nach einer Weile kam Freddy dann doch wieder und erzählt etwas von einem erquicklichen Nickerchen im exklusiven Waschraum des Casinos. Somit war er wieder fit für die nächsten zwanzig Stunden. Unglaublich der Mann! Mit Mike Matusow saß ich dafür während dem ersten Tag des Turniers mehrer Stunden am selben Tisch. Keine Klagen Mike „The Mouth“Matusow wusste sich durchaus zu benehmen, fast war er ein wenig zu freundlich und das war auch anstrengend. Sobald jemand ausschied am Tisch gab es tröstende Worte und Analysen. So in der Art: „Das war vielleicht nicht notwendig sich mit dieser Hand so in den Pot zu verhaften, weil….“. Neben spieltechnischer Beratung gab es dann noch die Versicherung, dass es beim nächsten Mal besser laufen würde. Selbstverständlich nur, wenn man sich an die Matusowschen Ratschläge halten würde.
Mich hat dann niemand getröstet als ich am Tag 3 unter 554 Teilnehmern als 40. ausscheiden musste. Dabei gab es nicht einmal einen Bad Beat oder sonst einen bösen Pot. Mich haben einfach nur die Blinds erschlagen und die schlechten Karten. Übrigens des Gastgeber Phil Hellmut hat es gleich am ersten Tag erwischt, so musste er dann – höflich wie er ist – wieder unten am Pool, anlässlich einer luxuriösen Weinverkostung, eine kleine Rede halten. Das ganze bei geschätzten 35 Grad im Schatten und somit nicht das ideale Wetter sich aktiv an der Verkostung zu beteiligen. – Nur auch ein Phil Hellmuth macht manchmal einen Fehler und viele Fehler später kam er dann unsicheren Schrittes zurück in den Spielsaal. Nahm dem Floorman das Mikrophon weg und hielt – richtig geraten – eine Rede. Nicht geplant, nicht vorbereitet und nicht verständlich. Nur die Wortfetzen: „Am Pool war es schön, aber hier ist es schöner“ konnte man halbwegs verstehen. Unter anderem auch, weil sie Hellmuth fünfmal konsequent wiederholte bis ihm die herbei geeilte Turnierleitung mit einiger Beharrlichkeit das Mikrophon wegnahm.
Übrigens schade, dass Robert Williamson III nicht an dieser Verkostung teilnahm. Seine Scheu vor alkoholischen Getränken ist zu keiner Tageszeit besonders groß. Er hat nur die interessante Angewohnheit, alle Getränke ein wenig zu veredeln. Zu diesem Zwecke trägt er stets eine Riesenflasche Tabasco in seiner Jacke. Zu gerne hätte ich gewusst, was passiert, wenn Williamson so ein Glas teueren französischen Rotwein gepimpt hätte. Wahrscheinlich wären die Sommeliers vor Schreck in den Pool gefallen und dann hätte sie Phil Helmuth wieder mit $500 prämieren müssen. – Alles in allem eine gelungene Reise. Jetzt freue ich mich auf Baden und werde mich bald wieder melden.