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Howard Lederer alias "The Professor"

Letztes Update: 31. Oktober 2011
"Ich verdiene meinen Lebensunterhalt mit einem Beruf, den ich liebe. Nicht jeder bekommt diese Chance im Leben."
Howard über seine Liebe zum Pokerspiel
30.10.1964
Concord, US
Skorpion
Verheiratet
Sohn Mattias
Las Vegas, US
USA
Universtät von Columbia abgebrochen, um Profipokerspieler zu werden
Golf, Musik, Schach, Basketball, seine Familie
Rock (Grateful Dead), Rap
Stanley Kubricks „Wege zum Ruhm“
Hält nicht viel vom Starkult
Ist überzeugter Vegetarier
...als Kind mit seinem Vater
n/a
Analytisch, mathematisch, aggressiv
Chip Reese, Stu Ungar, Phil Ivey, Erik Seidel
...würde er die Armut beenden
Entwickelte seine eigene Poker-Meditation auf der Basis des Zen-Buddhismus, aß einen Cheeseburger und gewann dafür $10.000, ließ sich den Magen verkleinern um sein Gewichtsproblem in den Griff zu bekommen, behauptet, auf 125 Konzerten der Rock-Band „Grateful Dead“ gewesen zu sein, ist der Bruder von Profipokerspielerin Annie Duke

Howard Lederer

Pokerprofi Howard Lederer wurde am 30. Oktober 1964 in Concord, New Hampshire, geboren und zählt zu den berühmtesten Pokerspielern überhaupt. Howard wuchs zusammen mit seinen Schwestern Annie (Pokerspielerin Annie Duke) und Katy in einer Akademikerfamilie auf. Seine Eltern haben eine Vorliebe für Gesellschafts- und Glücksspiele aller Art und brachten den Kindern verschiedenste Kartenspiele bei. Das Kartenspiel gehörte bei Familie Lederer zum Alltag, es bot für sie eine Gelegenheit, Zeit miteinander zu verbringen...

Konkurrenzdenken liegt in der Familie

Howards Kampfgeist und Konkurrenzdenken wurden bei den oft hitzigen Familienspielrunden besonders von seinem Vater, Richard Lederer, gefördert. Während es in vielen Familien üblich ist, dass die Eltern ihre Kinder gewinnen lassen, blieb Howards Vater stets hart und brachte seinem Sohn sehr früh bei, für den Sieg zu kämpfen. Richard Lederer, ein bekannter US-amerikanischer Autor, Lehrer und Sprachwissenschaftler, war es auch, der Howard das Pokern beibrachte.

In seiner Jugend galt Howards größte Leidenschaft allerdings nicht den Karten, sondern dem Schachspiel. Die Begeisterung für das anspruchsvolle Brettspiel war so groß, dass er mit 18 Jahren beschloss, nach New York zu ziehen, wo es besonders viele Schach-Clubs gibt. Er schrieb sich an der Columbia-University ein und war bald Stammgast in sämtlichen Schach-Clubs. In einem Hinterzimmer eines solchen Clubs entdeckte Howard schließlich das Pokerspiel für sich. Das Spiel faszinierte ihn so sehr, dass er zwei Jahre lang an die 70 bis 80 Stunden pro Woche pokerte. Er spielte nächtelang, schlief kaum und verlor sehr viel Geld. Die Einsätze für seine exzessiven Pokernächte verdiente sich Howard indem er für andere Spieler Erledigungen machte und den Laufburschen spielte.

Faszination Texas Hold'em

Howard erkannte schließlich, dass dieser ungesunde Lebenswandel sich nicht gerade positiv auf sein Spiel auswirkte und beschloss, etwas zu ändern. Er schaltete einen Gang zurück, achtete darauf, regelmäßig genug Schlaf zu bekommen und erzielte rasch bessere Resultate. Er begann im legendären Mayfair Club zu spielen, ein Bridge und Backgammon Club, Treffpunkt der weltbesten Spieler. Zusammen mit anderen Elitespielern experimentierte Howard erstmals mit der damals in New York neu eingeführten Pokervariante No Limit Texas Hold’em.

Der Pokertag im Mayfair begann für gewöhnlich um vier Uhr nachmittags und endete gegen zwei Uhr morgens. Danach suchte die Gruppe ihre Lieblingsbar auf, um über das Spiel zu diskutieren. No Limit Texas Hold’em war für alle neu und sie gründeten eine Art Lerngemeinschaft, gaben einander Tipps und entwickelten Strategien. Zu dieser Gruppe der ersten New Yorker Texas Hold’em Spieler gehörten, neben Howard Lederer, Pokerlegenden wie Dan Harrington, Steve Zolotow, Jay Heimowitz und Erik Seidel.

In den späten 80er Jahren begann Howard, seiner Schwester Annie Duke bei der Verbesserung ihres Spiels zu helfen. Annie pokerte tagsüber und abends diskutierte sie die Entscheidungen, welche sie am Tisch getroffen hatte, mit ihrem Bruder. Annie bewies Talent und Howard hatte bald Mühe, auf all ihre Fragen eine Antwort zu finden. Er ermutigte Annie, nach Las Vegas zu gehen und ihr Glück bei der World Series of Poker (WSOP) zu versuchen. Howard hatte das Potential seiner Schwester richtig eingeschätzt, Annie Duke hat bis dato mehr Geldgewinne bei der WSOP eingeheimst als jede andere Pokerspielerin. Sie hat ihren Bruder bis dato (Jan.08) sogar in vier WSOP Turnieren eliminiert. Bei der WSOP 1995 schrieben Howard und Annie Pokergeschichte, indem sie es als erstes Geschwister-Duo an denselben Finaltisch, Pot Limit Hold’em, schafften. Annie wurde schließlich Sechste und Howard Neunter.

Auf nach Vegas

1987 nahm Howard Lederer zum ersten Mal an der WSOP teil und wurde 13ter im Limit Hold’em und Fünfter beim No Limit Hold’em Hauptturnier. Auch bei den WSOP 1988 schaffte er es zweimal unter die ersten Zehn. 1991 gewann er das „Annual Diamond Jim Brady“ Turnier im No Limit Hold’em.

1993 beschloss Howard in seiner Pokerkarriere einen Schritt weiter zu gehen und zog in die Spielermetropole Las Vegas. Er nahm an Cash Games und No Limit Hold’em Turnieren mit hohen Buy-Ins teil und schaffte es bald, sich in der professionellen Pokerszene einen Namen zu machen. Bei den WSOP 1993 ergatterte er einen vierten und einen zweiten Platz.

Howard trainierte eifrig und perfektionierte sein Spiel. 1994 holte er sich seinen ersten „Hall of Fame“ Titel, indem er das „$ 2.500 No Limit Deuce to Seven Draw“ Turnier der „1994 Hall of Fame Poker Classic“ für sich entschied. Im nächsten Jahr gelang es ihm, diesen Titel zu verteidigen. Bis zur Jahrtausendwende nahm Howard an zahlreichen Turnieren der World Series of Poker teil und schaffte es meistens unter die ersten Zehn.

Bei der WSOP im Jahr 2000 erfüllte sich für Howard schließlich der Traum eines jeden professionellen Pokerspielers: Er eliminierte Pokergrößen wie Chris „Jesus“ Ferguson und Allan Cunninghem und gewann sein erstes Goldenes WSOP Armband (Omaha Hi-Lo).

Ein Jahr später, bei der WSOP 2001, setzte Howard seinen Erfolgskurs fort und holte sich sein zweites Goldenes Armband, diesmal im No Limit Deuce to Seven Lowball. Nicht nur beruflich, sondern auch privat was dies ein besonderes Jahr für Howard, im Juni 2001 heiratete er nämlich seine Freundin Suzie Weiss.

In den darauf folgenden Jahren reiste Howard von Turnier zu Turnier und nahm neben der WSOP auch an zahlreichen anderen namhaften Veranstaltungen teil. 2002 wurde er Vierter beim L.A. Poker Classic, Zweiter beim Hall of Fame Poker Classic und gewann die World Poker Finals der WPT (World Poker Tour) Season 1.

Auch 2003 war ein erfolgreiches Jahr für Howard. Er gewann das PartyPoker Million II No Limit Hold’em Turnier der WPT Season 1 sowie das "Five-Star World Poker Classic WPT Championship Season 1" (No Limit Hold’em) und ergatterte einige Zweit- und Drittplatzierungen.

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Auch die Turnierresultate von 2004 können sich sehen lassen: Zwei Siege beim „Five-Star World Poker Classic WPT Championship Season 2“ (No Limit Hold’em, Pot Limit Omaha), ein zweiter Platz beim „Heads Up Limit Hold’em Tournament“, ein dritter Platz beim WSOP Limit Razz Turnier und mehrere Platzierungen unter den ersten Zehn.

Sein nächster großer Sieg gelang Howard im Jahr 2008, beim „2008 Crown Aussie Millions Championship“ im Crown Casino in Melbourne. Er entschied das No Limit Hold’em Turnier für sich und kassierte dafür ein Preisgeld von AU $ 1.250.000.

Howard Lederer ist auch in der virtuellen Pokerwelt sehr aktiv. Er war Mitglied des Team FullTilt von wo er mit Kommentaren und Analysen zu FullTilt Pokers „Learn from the Pros“ beitrug und mindestens zehn Stunden pro Woche zum Pokern und Chatten zur Verfügung stand. Außerdem hat er das „Howard Lederer Poker Fantasy Camp“ gegründet, eine Internetseite, auf der man gegen die Profis spielen und von ihnen lernen kann. Des Weiteren hat Howard Lederer die Poker-DVD „Secrets of No Limit Hold’em“ herausgebracht und arbeitet nebenbei als Kommentator in Pokersendungen.

Der Pokerprofessor

Was seinen Spielstil betrifft, geht Howard Lederer sehr analytisch und taktisch vor. Diese Vorgehensweise, zusammen mit seinem vorbildlichen Benehmen am Pokertisch, hat ihm auch den Spitznamen „der Professor“ eingebracht. Über seinen Spitznamen sagte er in einem Interview, es hätte ihn anfangs sehr überrascht „der Professor“ genannt zu werden. Er sei eigentlich überhaupt kein Professor und habe noch nicht mal die Uni abgeschlossen. Irgendwie passe der Name aber doch zu ihm und er habe sich im Laufe der Jahre daran gewöhnt:

„[…] Aber irgendwie ergibt diese Bezeichnung dann doch Sinn, weil ich analytisch und irgendwie auch akademisch an das Spiel herangehe. Zudem macht es mir Spaß, anderen Menschen etwas beizubringen – Ich komme ja aus einer Akademikerfamilie und habe diese Fähigkeit von meinem Vater geerbt. Um ehrlich zu sein, habe ich meinem Spitznamen aber am Anfang nicht wirklich geliebt, aber inzwischen fühle ich mich damit ganz wohl.“

Eine weitere Eigenschaft, die gut zu einem „Professor“ passt, ist Howards Ruhe und Ausgeglichenheit am Pokertisch. Er ist durch nichts aus der Fassung zu bringen und steckt Bad Beats (= Niederlagen aufgrund einer Pechsträhne) besonders gut weg. Howard erklärte, hinter dieser Fähigkeit stecke viel harte Arbeit und er sei am Anfang seiner Karriere bei Weitem nicht so ruhig und gelassen gewesen. Nun, da er schon an so vielen Finaltischen gesessen hat und oft im Fernsehen zu sehen war, habe er genügend Erfahrung und sei es gewohnt, am Tisch keine Schwächen zu zeigen. Innerlich ist er natürlich auch heute noch manchmal aufgewühlt, doch er versteht es, dies gekonnt zu verbergen. Dazu gehört, seiner Meinung nach, mentale Stärke und Erfahrung:

„ […] Sogar heutzutage lasse ich mich manchmal noch aus der Ruhe bringen – aber ich zeige das dann nicht. Und verstehen Sie mich nicht falsch, wenn ich am Finaltisch sitze und so gelassen bin, als ob ich beim Frühstück meine Zeitung lese, dann ist das natürlich auch nicht gut. Sogar Bad Beats sollten ein wenig wehtun, allerdings braucht man die mentale Stärke und die Erfahrung um sich selbst sagen zu können, dass diese Hand einen nicht vom Kurs abbringt. Man darf sein Spiel davon nicht beeinflussen lassen.“

Ausfällig wurde Howard Lederer bis dato nur ein einziges Mal am Pokertisch, nämlich im Jahr 2000, als Daniel Negreanu beleidigende Bemerkungen über Howards Schwester Annie machte. Der Streit mit Daniel sei aber mittlerweile vergessen, betont Howard. Sie sind zwar nicht die besten Freunde, können aber normal miteinander umgehen und respektieren einander am Pokertisch.

Ein weiterer Pokerkollege, den Howard vermutlich nicht gerade als besten Kumpel bezeichnen würde, ist Großmaul Tony G. Beim „World Poker Tour Grand Prix de Paris 2003“ weigerte er sich Tony die Hand zu schütteln, nachdem dieser ihn aus dem Turnier geworfen hatte. Grund dafür war natürlich nicht die Niederlage an sich, sondern Tonys unmögliches Benehmen. Verglichen mit Tony Gs verbalen Entgleisungen war Howards Reaktion wohl mehr als harmlos.

Auf die Frage nach einem Tipp für Pokeranfänger antwortet Howard, er würde jedem Anfänger empfehlen, so aggressiv wie möglich zu spielen, eine Taktik, die ihm persönlich viel geholfen hat. Natürlich empfiehlt es sich auch, die Pokerschulen, welche von zahlreichen Online Pokercasinos zur Verfügung gestellt werden, zu nutzen oder mit Pokerstrategieprogrammen an seiner Taktik zu arbeiten.

Als schwierigste Situation in seiner bisherigen Pokerkarriere bezeichnet Howard eine Entscheidung, die er am Anfang seiner Karriere an einem Finaltisch der WSOP treffen musste:

Der damals erst 22jährige Howard Lederer saß am Finaltisch mit Johnny Chan, der einen erheblichen Chipvorteil hatte. Howard hatte ein Dreierpärchen auf der Hand und erhöhte am Button. Chan ging mit und der Flop brachte J-9-2, zwei davon Karo. Howard und Johnny checkten beide. Der Turn brachte eine 4, es befanden sich immer noch zwei Karo auf dem Board und Johnny spielte an. Howard wusste, dass er das bessere Blatt hatte und war überzeugt, einen Bluff provozieren zu können und Johnny glauben zu lassen, er sei auf einem Draw. Howard ging also mit und der River brachte eine zweite 4. Wie Howard vermutet hatte, spielte Johnny mit ungefähr $ 50.000 an. Howard ging mit und gewann mit seinem Dreierpärchen.

Über diese besondere Erfahrung sagte Howard:

„[…] Es war nicht so, dass ich dachte: Ich bin besser als Johnny Chan. Aber diese Hand hat mir vor Augen geführt, dass ich es mit jedem aufnehmen konnte. Rückblickend betrachtet glaube ich, dass mich dieses Erlebnis wirklich weiter gebracht hat. Es hat mir das Selbstvertrauen gegeben, in dieser Art und Weise gegen die besten Spieler der Welt zu spielen.“

Poker und Zen-Buddhismus

Howard bezeichnet das Pokerspiel als eine Art Kunst, vergleichbar mit Bogenschießen oder Fechten. Um eine derartige Kunst zu erlernen und zu perfektionieren, ist es wichtig, die Prozesse, die dahinter stecken zu verstehen und Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Um seine Kunst besser zu beherrschen, begann Howard Lederer, sich mit Zen-Buddhismus zu beschäftigen. Das Zen half ihm schließlich, den Entwicklungsprozess vom Anfänger zum Meister, den jeder Mensch durchlebt, der eine Kunst beherrschen will, besser zu verstehen. Dies half ihm auch, mit schwierigen Situationen am Pokertisch besser umgehen zu können.

Auf seine Homepage beschreibt Howard Lederer unter dem Titel „Poker and Zen“ die vier grundlegenden Phasen, die ein Pokeranfänger auf seinem Weg zum Meister durchlebt:

Leidenschaft und Enthusiasmus

Es waren die große Leidenschaft für das Spiel und sein unermüdlicher Enthusiasmus, die Howard in seinen Anfängen vorangetrieben haben. Für ihn zählte nur der Spaß am Pokern, gewinnen war Nebensache. Obwohl er sehr viel verlor, war es diese Leidenschaft, die ihn dazu brachte, immer weiter zu spielen.

Der Schüler

Auf die euphorische, spielerische Phase folgte der Zeitpunkt, wo Howard begann, sich ernsthafte Gedanken über seine Spielresultate und seine Strategie zu machen. Nun stand nicht mehr ausschließlich der Spaß im Mittelpunkt, sondern das Streben nach Erfolg. Er begann, wie ein Schüler zu lernen, Spiele zu analysieren und arbeitete gezielt an seiner Strategie.

Der Experte

Nach jahrelangem Studium des Spiels, erreichte er schließlich Expertenstatus. Wichtig hierbei ist, dass man sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen soll. Ist ein Spieler überzeugt, vollkommene Perfektion erreicht zu haben, wird er nie ein Meister werden. Poker ist ein unendlicher Lernprozess und man muss ständig an sich arbeiten. Für Howard war es besonders schwer, in Turnieren entspannt und gleichzeitig spontan zu sein. Jedes Turnier ist anders, jeder Gegner ist anders. Zen-Buddhismus hat ihm diesbezüglich viel weitergeholfen.

Eine Hand nach der anderen…

Die Fähigkeit, sich nur auf die aktuelle Hand zu konzentrieren, ungeachtet dessen, was vorher passiert ist, bezeichnet Howard Lederer als den besten Weg zur Poker-Perfektion. Selbst wenn man kurz vorher einen Bad Beat einstecken musste, alles was zählt, ist die Hand, die man gerade im Begriff ist zu spielen. Egal, um wie viel Geld es geht, egal inwiefern ein Gewinn oder Verlust dein Leben verändern kann, egal, was um dich herum geschieht, konzentrier dich nur auf diesen einen Moment. Dies zu erreichen gehört zu den schwierigsten Dingen im Turnierpoker. Howard erkannte bald, dass, je mehr er sich selbst zwang, sich ausschließlich auf dem Moment zu konzentrieren, desto weniger Erfolg hatte er. Er entwickelte seine eigene „Poker-Meditation“ auf der Basis des Zen-Buddhismus, die ihm dabei hilft, sich durch Entspannung zu konzentrieren.

Howard über seine Profipoker-Laufbahn:

„Ich befinde mich nun auf den letzten zehn Meilen meiner Poker-Reise, die den Rest meines Lebens in Anspruch nehmen werden.“

Auf die Frage, wer seiner Meinung nach der beste Spieler ist, antwortet Howard, den besten Spieler gebe es nicht. Als „besten Cash Game Spieler aller Zeiten“ bezeichnet er den erst kürzlich (04.12.2007) im Alter von 56 Jahren verstorbenen Pokerprofi David „Chip“ Reese und als besten No Limit Hold’em Turnierspieler nennt er Stu Ungar, der wiederum kein besonders guter Cash Game Spieler war. Von den heutigen Stars der Pokerszene bezeichnet er Phil Ivey als besten Cash Game Spieler und Phil Hellmuth als besten No Limit Hold’em Turnierspieler.

Andy Beal vs. The Corporation

Einer der Höhepunkte seiner Karriere war wohl das legendäre Spiel gegen den Banker und Multimillionär Andy Beal. Howard war, neben anderen Stars der Pokerszene (Doyle Brunson, Chip Reese , Todd Brunson, Jennifer Harman, Chau Giang, Barry Greenstein, Ted Forrest, Gus Hansen, Ming La, Phil Ivey und Johnny Chan) Mitglied in Phil Iveys berühmt-berüchtigtem Club „The Corporation“. Die Corporation war ein Club, dessen Ziel darin bestand, Geld zusammenzulegen um den Erfolgsbanker, Millionär und bekannten Pokerspieler Andy Beal herauszufordern. Howard und die anderen Mitglieder legten schließlich 10 Millionen Dollar zusammen und traten im Wynn (Las Vegas) gegen das Mathematikgenie Beal in Heads Up Matches an. Nach zwei Wochen hatte die Corporation alles verloren. Nach einer einwöchigen Pause spielte Phil Ivey drei Tage lang durchgehend gegen Beal und gewann die gesamten 10 Millionen zurück, plus zusätzlich 6,5 Millionen. Nach dieser Niederlage und einem Verlust von 16,5 Millionen Dollar schwor Andy Beal, nie wieder Poker zu spielen.

Dieses legendäre Match faszinierte die Pokerwelt. Es wurde spekuliert und gewettet und die Medien versuchten verzweifelt an Informationen heranzukommen. Die Corporation gab sich geheimnisvoll und achtete darauf, dass nicht zu viel an die Öffentlichkeit geriet, schließlich handelte es sich um ein privates Match. Allerdings hätten sie ihr privates Match auch in privaten Räumlichkeiten austragen können anstatt im Privatbereich eines Casinos. Anscheinend haben sie mit ihrem mysteriösen Spiel nicht ganz ungewollt das Interesse der Öffentlichkeit geweckt.

Noch nie hatte es bei einem Pokerspiel so hohe Einsätze gegeben und das Match „Andy Beal versus The Corporation“ ging in die Geschichte ein. Der US-amerikanische Autor Michael Craig schrieb sogar ein Buch darüber in dessen Titel „der Professor“ Howard Lederer vorkommt: „The Professor, the Banker and the Suicide King: Inside the Richest Poker Game of All Time“. Der Titel bezieht sich auf zwei Mitglieder der Corporation und Andy Beal. „The Professor“ ist Howard Lederer, „the Banker“ ist Andy Beal und „the Suicide King“ (dt.: Selbstmordkönig) ist der verrückte, oft rücksichtslose Spieler Ted Forrest. „The Suicide King“ bezieht sich aber auch auf den Herzkönig, da es auf der Karte so aussieht, als würde sich der König das Schwert in den Kopf rammen.

Abseits der Pokertische

Wie bereits erwähnt, liegt das Pokertalent bei Lederers in der Familie; auch Howards jüngste Schwester Katy hat sich intensiv mit dem Thema Poker auseinandergesetzt, allerdings nicht als Spielerin, sondern als Autorin. 2003 veröffentlichte Katy Lederer ihr Buch „Poker Face: A Girlhood Among Gamblers“ (dt. etwa: „Poker Face: Meine Kindheit in einer Spielerfamilie“), in dem sie die Verwandlung ihrer Geschwister Annie und Howard von „normalen“ Privatschulkindern aus New Hampshire in millionenschwere Las Vegas Profizocker beschreibt. Das Buch richtet sich keineswegs nur an Spieler, sondern hat auch literarisch sehr viel zu bieten. Eine weitere bekannte Veröffentlichung von Katy Lederer ist die Gedichtsammlung „Winter Sex“.

Abseits der Pokertische verbringt Howard Lederer gerne Zeit mit seiner Frau Suzie, seinem Sohn Mattias und seinen drei Hunden zuhause in Las Vegas. Er geht oft ins Kino, spielt Golf und besucht Konzerte. Sein Lieblingsfilm ist Stanley Kubricks „Wege zum Ruhm“ („Paths of Glory“) und wenn man ihn nach seinem Lieblingsstar fragt, antwortet Howard, er halte nicht viel vom Starkult. Musik spielt eine wichtige Rolle in Howards Leben. Er hört gerne Rap und behauptet, auf 125 Konzerten der Rock-Band „Grateful Dead“ gewesen zu sein.

Wenn er etwas an der Welt verändern könnte, würde er die Armut beenden.

Außerdem spielt er Basketball und geht regelmäßig joggen, um sich körperlich fit zu halten. Howard litt an Übergewicht und ließ sich den Magen verkleinern, um sein Gewichtsproblem in den Griff zu bekommen. Vor der Operation, als er noch deutlich mehr auf den Rippen hatte, nannte ihn Doyle Brunson liebevoll „Bubba“ und als Howard dank der Magenverkleinerung abspeckte, reduzierte Doyle auch den Spitznamen auf „Bub“.

Nach besagter Operation war Howard natürlich gezwungen, besser auf seine Ernährung zu achten und beschloss, Vegetarier zu werden. Dieser Entschluss brachte ihm einige Jahre später 10.000 Dollar ein:

Pokerkollege David Grey wettete während eines Spiels im Bellagio $ 10.000, dass Howard es nicht schaffen würde, einen Cheeseburger zu essen. Obwohl er überzeugter Vegetarier war und jahrelang kein Fleisch angerührt hatte, nahm Howards Zocker-Mentalität schließlich überhand. Er bestellte einen Cheeseburger, aß ihn bis auf den letzten Krümel auf und kassierte die 10.000 Dollar von Grey.

Eine andere berühmt-berüchtigte Wette betrifft ebenfalls Howards Essgewohnheiten, genauer gesagt, sein Körpergewicht: Backgammon-Profi Mike Svobodny wettete schlappe $ 100.000 ($ 50.000 für Howard und $ 50.000 für Huck), dass Howard Lederer und Pokerkollege Huckleberry Seed es in einem Jahr nicht schaffen würden, dasselbe Körpergewicht zu haben. Howard wog damals an die 140kg und der schlaksige Huck Seed brachte nicht einmal 90kg auf die Waage. Diese Wette verloren Howard und Huck. Während Howard es nicht schaffte, so viel abzunehmen, verlor Huck seltsamerweise noch an Gewicht obwohl er sich große Mühe gab, mehr zu essen.

Howard Lederer gehört ohne Zweifel zu den bemerkenswertesten Persönlichkeiten der Pokerwelt. So mancher Pokerkollege sollte sich an seinem vorbildlichen Benehmen und seiner Grundeinstellung zum Pokerspiel ein Beispiel nehmen.

Wir freuen uns jedenfalls, dass der analytisch-spirituelle Poker-Professor seine Weisheit an uns weitergibt und uns an seiner Reise teilhaben lässt!

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