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Sorel Mizzi alias "imper1um"

Blogeintrag erstellt am: 20. Juni 2008
Letztes Update am: 1. August 2008
Eintrag von 20. Juni 2008    

Es läuft und läuft,….

Nun gut. Ich komme an meinen $ 1.500 PLO Rebuy Tisch, sehe mich um und merke, dass ich keinen hier auch nur im Entferntesten kenne. Normalerweise ist das das Zeichen für einen Tisch, an dem während der Rebuy-Phase nicht viel gezockt wird…

Langweiliger PLO?

….von Anfang an denke ich daran, wie totlangweilig diese 3-stündige Rebuy-Phase sein wird und versuche mir schon einmal auszumalen, wie ich den Tisch wohl etwas auflockern kann. Vielleicht kann ich auch ein paar Blind All-Ins anzetteln. Gerade als ich mich hinsetze, kommt mein Freund Peter Gould und nimmt gegenüber von mir Platz. Meine extreme Lustlosigkeit verschwindet sofort und an ihre Stelle tritt aufgeregte Freude. Peter ist mir recht ähnlich. Er hat keine Angst davor zu zocken und Geld zu investieren, wenn es darum geht einen Monster-Stack anzuhäufen.

Das ganze endet damit, dass Peter und während der ersten drei Hände am Blind All-In gingen. In allen drei Fällen fanden sich ein oder zwei Spieler am Tisch die mitgingen, aber keiner von ihnen konnte eine Runde für sich entscheiden…Die Gerechtigkeit hat letztendlich gesiegt..am Ende dieses 5-minütigen Shovefests war ich in der glücklichen Lage ungefähr 25k in Chips zu besitzen.

Die erste halbe Stunde der Rebuy-Phase war vorüber und gerade als ich glaubte der Tisch könnte nicht mehr verrückter werden, erscheint Eli „King of Gamblers“ Elezra auf der Bildfläche... zu diesem Zeitpunkt hatte ich ca. 35k und war mir sicher, dass unser Tisch die meisten Rebuys von allen Tischen in diesem Turnier aufwies. Peter hatte einen Stack von etwa 20k–30k angehäuft, aber nachdem ihn in so manchen Momenten das Glück verließ, musste er nach dem Rebuy wieder mit einem 6k Start-Stack beginnen… In den nächsten zweieinhalb Stunden schaffte Peter und Eli ihre Chips fast in jeder Hand All-In zu schoven und die anderen Spieler und ich hatten keine Angst vor etwas Action im Spiel. Genau wie beim 1k Rebuy Event dieser Serie war ich am mit Abstand verrücktesten Tisch gelandet! Dabei war ich nur mit 3k dabei!

Nachdem ich ein paar Pots verloren hatte, bekam ich endlich wieder eine gute Hand. Peter, ich und ein unbekannter Spieler, der bisher sehr vorsichtig (tight) gespielt hatte, waren in einen geraisten Pot involviert. Der Flop zeigte T88x… Ich hielt QQ8T, setzte nach dem Flop in Position und beide callten… Nach dem 2 Turn, shovte der erste Caller All-In (etwa ¾ des Pots), Peter callte und ich callte ebenfalls… Nachdem ich etwas überlegt hatte, kam ich zum Schluss, dass ein Re-Shove der beste Spielzug gewesen wäre, da ich dachte, der erste Spieler könnte TT und Peter eine 8 mit High Cards oder einen Flush haben. Obwohl ich dem ersten Spieler TT durchaus zutraute, war es auch nicht abwegig, dass wir beide dieselbe Hand hielten und da ich selbst bereits eine Zehn in meiner Hand hielt, wäre es sehr schwer gewesen die Hand zu folden. Der River brachte eine majestätische Q, was mir die ultimativen Nuts bescherte und Peter hatte ins Blaue gecheckt. Ich habe den River gepottet, indem ich mit 12k–15k All-In ging und Peter musste die 8 und den Nut-Flush folden… Der erste Spieler hatte wirklich TT und ich schröpfte.

Die andere große Hand, mit der ich während der Rebuy-Phase verdoppeln konnte, war diejenige, mir der ich das mittlere Set des Boards floppte und am Turn in Pothöhe All-In ging um mehr Draw-Optionen für mich als für Peter herauszuholen… Ich kann mich an unsere genauen Hände nicht mehr genau erinnern, aber mein Draw war nur knapp besser als seiner. Am Ende der Rebuy-Phase besaß ich ca. 72k… Ich ging zu verschiedenen Leuten im Raum und fragte sie, ob ich für $ 3k Chips nachkaufen sollte, aber da mir die meisten davon abrieten, machte ich es nicht. Ich glaube der durchschnittliche Stack auf unserem Tisch betrug etwa 40k, im Vergleich dazu lag der Durchschnitt dieses Turniers bei etwa 12–15k.

Post-Rebuy-Phase

Die Rebuy-Phase war wirklich schon verrückt genug, aber die späteren Stadien dieses Turniers wurden sogar noch unglaublicher.

PLO spiele ich noch nicht sehr lange… nachdem ich bis jetzt erst 4 oder 5 PLO Turniere gespielt habe, habe ich natürlich noch keine großartigen Erfahrungen sammeln können und oftmals weiß ich noch nicht ganz genau, welche Spielweise in verschiedenen Situationen die optimale ist. Wie auch immer, ich glaube ich habe ein Talent für dieses Spiel und mein Spielstil scheint sich dafür recht gut zu eignen. Die letzten 3 oder 4 Tage vor dem Turnier habe ich mich versucht vorzubereiten, indem ich an PLO Cash Games teilgenommen habe, was im Großen und Ganzen recht rentabel war. Auch wenn PLO mich etwa aus der üblichen Bahn wirft, glaube ich dennoch, dass die meisten Leute noch schlechter spielen und sich bei mir noch genug Raum für Steigerung findet. PLO macht mir wirklich Spaß, da schlechte Spieler die Möglichkeit haben noch mehr Fehler zu machen und gute Spieler die Möglichkeit bekommen, ihren Gewinn kreativer zu maximieren und ihre Bluffs durchzuziehen. Diese Chance bekommt man beim Hold’em nicht so leicht.

Nach der Pause ging das Spiel zuerst einmal ziemlich schleppend los, was sich aber schon nach kurzer Zeit änderte. Ich hatte in der Zwischenzeit viele spielbare Hände am Button geraist, während andere in der Hoffnung eines großartigen Flops zum Verdoppeln limpten. Die meisten Leute fühlen sich besser, wenn sie spät limpen, aber ich dachte mir, wenn die Blinds in Relation zu unseren Stacks so niedrig sind, ist dies der einfachste Weg zu verdoppeln, sollte ich eine gute Hand treffen. Meistens callte einer, dann heizte ich den Flop an und konnte den Pot konkurrenzlos einstreichen… Da gab es diese eine Hand, als ich 4589bei 200/400 hatte und vom Button auf 1.700 raiste, nachdem ein Spieler aus der mittleren Position und Eli preflop gelimpt hatten. Der erste Spieler foldete und Eli callte… Am Flop kam Ax2x2x, er checkte, ich setzte 2.450 und sofort erhöhte er auf ca. 7k… Der erste Gedanke war callen und floaten da seine Aktion keinen Sinn ergab, aber ich wusste auch, dass Eli ein sehr durchgeknallter Spieler war. Ich hatte nicht unbedingt das Bedürfnis von einem 2barrel auf dem Turn fertig gemacht zu werden. Er zeigte QTJ7 und heimste den Pot ein. Das war ein strategisch guter Spielzug von ihm! :D

Ein paar Minuten später waren Eli und ich zusammen mit zwei anderen Spielern an einem weiteren riesigen Pot beteiligt, in preflop schon 5.500 lagen. Ich war am SB mit Qx86xA und im Flop kam QQ8 mit zwei Karo. Ich checkte, der nächste checkte, der nächste auch und Eli setzte 4.800. Ich zog nach, die anderen foldeten und als er wieder an der Reihe war, dachte er einige Minuten nach. Dann ging er mit sowas wie QJ37 All-In und meine Hand hielt. Zu diesem Zeitpunkt besaß ich etwa 100k und der Tisch löste sich auf. Wir spielten noch ein paar Hände an meinem neuen Tisch, an dem noch Rami Boukai (Arbianight), Dario Alioto, Mark Vos und Hazards saßen, dann ging es in die Pause.
Ich hatte inzwischen nur mehr 80k und es kam zu dieser Hand gegen Rami, der zwar ein extrem guter PLO Spieler ist, aber relativ tight spielt. Diese Information war sehr wertvoll. Rami limpt UTG, Hazards raist auf dem Hijack auf 2.800, ich calle aus dem SB mit A579x und Rami callt aus dem Big Blind. Der Flop kam mit K65x… So hatte ich einen Nut-Flush Draw, ein Paar 5er und einen Gut Shot Nut-Straight Draw. Hazards setzt 5.500 die ich calle und Rami auch. Im Turn wird 7x aufgedeckt… Rami führt um 18.500, Hazards foldet… in diesem Moment bin ich mir 100%ig sicher, dass Rami die Nut Straight (8, 9) getroffen hat; sooft wie ich gegen ihn online gespielt habe, weiß ich dass er ein sehr solider Spieler ist und wenn er setzt, tut er es meistens nicht ohne Grund. Er kann definitiv kein Set haben, da er ansonsten im Flop erhöht hätte und wenn er sich dazu entschieden hätte, den Flop nicht zu raisen, hätte er am Turn gecheckt um auf Paare im Board zu drawen. Offensichtlich hat er keinen Nut-Flush Draw, weil ich ihn habe, also bleibt für ihn einzig eine Straße übrig. Also entscheide ich mich am Turn zu callen und bei jeder Karte am River, die mit dem Board paart oder den Flush bringt, zu shoven. Am River kommt 6… wie ich es mir vorgenommen habe, potte ich am River und Rami denkt gute 10 Minuten lang nach bevor er schließlich die Karten foldet… erleichtertes Aufatmen… er brachte mich richtig ins Schwitzen!

Rami’s Timeout und Comeback

Eine weitere extreme interessante Hand tauchte etwa eine halbe Stunde später auf, wo ich es schaffte einen Bluff, der mich ironischerweise aus dem Turnier hätte befördern können, erfolgreich durchzuziehen (am Ende des Posts werdet ihr verstehen warum). Rami, der endlich richtig zu spielen begann nachdem er einen großen Pot Set over Set verloren hatte, ging UTG+1 mit seinen letzten 1.200 chips All-In. Ich machte daraus aus der Cutoff Position mit 9965 4.400 und Nikolay Evdakov (ein älterer Russe, mit dem ich in 3 Events schon einmal sehr zur Sache gegangen bin), der gerade an den Tisch gekommen war, callte aus dem Big Blind heraus. Somit befanden sich 3.600 im Side Pot und ungefähr 6k im Main Pot. Im Flop kamen 8 T 5 (rainbow) und Nikolay setzte Pothöhe. Ich callte in der Hoffnung entweder einige Outs zu treffen oder dass am Turn eine Scare Card kommt… Am Turn kam J, was für mich perfekt zu repräsentieren war, da ich zwei 9er hatte, welche die Straights blockierten. Außerdem hatte ist den Flush-Draw geturnt, was mir mehr Out-Optionen für die River-Karte eröffnete.

Er checkte und ich setzte 15k, die er mit etwa 26k im Rückstand callte… das war ein spannender Moment, besonders da schon jemand All-In war…er weiß also, dass ich die Hand in jedem Fall zeigen muss, was mich viel stärker machte. Ich war der Überzeugung er würde 2 Paare oder ein Set haben und ich glaubte ihn mit jeder non-pairing Karte auf dem River loswerden zu können… Der River kam als ein roter König, was für mich nicht unbedingt erquickend war, da es nun schwieriger geworden war die Nuts zu repräsentieren. Nichtsdestotrotz, war ich immer noch dabei, mit Q9 das Beste aus der Situation herauszuholen, also war dies eigentlich gar nicht so wichtig. Offensichtlich hat mich meine Q und die Tatsache, dass er am River noch einmal checkte, noch mehr in dem Gedanken bestärkt, seine Hand wäre zu schwach um zu callen. Jetzt wird es interessant… Gleich nachdem der River aufgedeckt wurde, stand Rami auf und verließ den Tisch noch bevor Nikolay eine Entscheidung getroffen hatte. Ich dachte mir, wow, wenn ich mit diesem Bluff durchkomme, was ich annehme, wäre es für Rami nicht schwierig gewesen, die bessere Hand zu haben und zu verdreifachen (er musste lediglich 99 schlagen).

Gute 10 Minuten später war Nikolay immer noch am Nachdenken… Ich glaube nicht, dass es ihm schwerfiel eine Entscheidung zu fällen. Ich nehme an er hat TT, was an dieser Stelle eindeutig zu folden wäre… Ich gebe Leuten bei großen Pots gerne genug Zeit zum Nachdenken. Während meiner Pokerkarriere habe ich nur ein einziges Mal die Uhr kommen lassen – bis gestern… Irgendwann wurde es mir einfach zuviel und ich verlangte persönlich nach der Uhr. In allen 3 Turnieren, in denen ich ihn dieses Jahr getroffen habe; in jedem davon musste für ihn die Uhr geholt werden… er braucht ewig für die einfachsten Entscheidungen… Ich erinnere mich, wie der Button mitten im 1k Rebuy erhöhte, er war am BB und saß 5-6 Minuten lang da und dachte über seine Optionen nach, bis dann jemand schlussendlich nach der Uhr für ihn rief… Ein anderer, der auch schon gegen ihn gespielt hatte, erzählte mir, dass er es auch schon erlebt hatte, wie für ihn Uhr geholt werden musste, nachdem er in mittlerer Position für eine preflop Entscheidung schon 5 Minuten gebraucht hatte… das alles wird aber erst später relevant.

Nach 10 Minuten wurde die Uhr geholt und eine Minute heruntergezählt. Genau so wie ich es von ihm kenne, wartete er bis zur allerletzten Sekunde, bevor er seine Hand muckte. Schnell drehte ich meine Karten um und nachdem ich Rami’s Hand gesehen hatte, schickte ich ein paar Leute auf die Suche nach Rami, da er sich ja noch im Turnier befand und gezwungen werden würde seine Hand im BB nach zwei weiteren Händen automatisch zu mucken. Nachdem Rami’s Karten umgedreht wurden und ich gesehen habe, dass er die bessere Hand hatte, waren einige Leute dafür die Hand für tot zu erklären, da er den Tisch ja verlassen hatte. Ich war glücklich, dass er den Side Pot gewonnen hatte und der Floor urteilte korrekt in seinem Sinne, da es heißt, wenn ein Spieler All-In geht, muss seine Hand miteinbezogen werden, also wurden ihm die 3.600 zugesprochen. Gleich in der nächsten Hand versuchte ich in der Hoffnung, dass Rami rechtzeitig an den Tisch zurückkehren würde, Zeit zu schinden, bevor seine Hand im BB für tot erklärt werden würde… was die eine Hälfte der Spieler am Tisch verwirrte und die andere nicht weiter verwundert, da sie wussten, dass ich Rami Zeit geben wollte an den Tisch zurückzukehren um seinen BB zu spielen… Zu diesem Zeitpunkt (800/1.600) hätte der BB wohl schon den halben Stack aufgefressen. … Ich hätte das für jeden getan, nicht nur für Online-Bekanntschaften.

Etwa 2 Minuten lang habe ich durchgehalten, bis schließlich einer der verwirrten Spieler „Time“ ruft und die Uhr für mich holen lässt… Ich warte bis zur letzten Sekunde mit dem folden und wie im Film erscheint Rami 5 Sekunden vor Ablauf der Zeit, um seinen BB zu spielen… In der nächsten Hand gab es etwas Preflop-Action in früher Position und Rami hatte seine restlichen Chips in die Mitte geschoben… das Ganze endete damit, dass er auf dem River eine Straight traf und seine Chips auf 9.500 verdreifachen konnte =) Was für eine kranke Geschichte das wohl werden wird, wenn er dieses Turnier tatsächlich gewinnen sollte!

Verzögerungen und die Uhr

Der Typ, der für mich die Uhr kommen ließ, als ich für Rami Zeit schinden wollte, nahm sich nun selbst bei jeder einzelnen Hand 1 bis 2 Minuten Zeit… Ich bin mir nicht sicher ob er es aus Boshaftigkeit gemacht hat, oder weil wir am Money Bubble waren… jedenfalls war es unglaublich lästig, besonders für Spieler wie mich, die am Bubble gerne aggressiv und so viele Hände wie möglich spielen. Am Tisch wurden massenhaft Blicke ausgetauscht, irgendwie schien jeder zu hoffen, der andere würde die Uhr rufen… Nachdem er es etwa 4-5 Mal gemacht hatte, hatte ich die Nase voll und fing an schon nach 10 Sekunden nach der Uhr zu verlangen… Der Floor kam und erklärte, wenn noch einmal nach der Uhr verlangt werden würde, würde die Minute ab jetzt auf 30 Sekunden reduziert werden… obwohl zu diesem Zeitpunkt nur eine Person am Tisch die Regeln missbrauchte und alle hinhalten wollte. Ich war noch nicht komplett beunruhigt, es waren jedoch nur mehr gut 10 Minuten auf der Uhr übrig… Der Typ wollte mit seiner Hinhaltetaktik aber weiterhin nicht aufhören, also rief ich auch weiterhin nach der Uhr für ihn… Ich setzte den Floor darüber in Kenntnis, dass er absichtlich Zeit schindet und wollte wissen, ob es denn keine Regelung für solche Fälle gibt… Sie ignorierten mich und gaben ihm weiterhin 30 Sekunden Bedenkzeit, sobald ich für ihn die Uhr kommen ließ…

Ich war enorm enttäuscht, dass die absichtliche Zeitschinderei nicht spezifisch bestraft wurde… im Prinzip wurde auf einmal jeder am Tisch mit 30 Sekunden Zeitlimit bestraft, für den die Uhr geholt werden musste. Ich erhöhte aus einer frühen Position. Rund um den Zeitschinder herum wurde wieder einmal gefoldet und wieder einmal tat er so, als ob er eine gewaltige Entscheidung zu treffen hatte… Wieder rief ich nach der Uhr und dieses Mal schlug ich dem Floor vor doch einmal in seine Karten zu schauen, ob er denn eine legitime Entscheidung getroffen hatte. Der ganze Tisch wusste, dass er alle nur hinhalten wollte und wir waren uns darüber einig, dass er eine Strafe verdient hatte… Der Floor tat aber nichts, um ihn zu bestrafen, sondern gaben ihm weiterhin 30 Sekunden Zeit um sich zu entscheiden. Der Floor verließ den Tisch jedesmal nur um gleich wieder herbeigerufen zu werden… Das Ganze passierte einige Male, bis es zur folgenden Situation kam… Der Chipleader Daniel Makowsky limpte UTG 1.600 und Nikolay Evdakov starrte shortstacked etwa 2 Minuten lang auf seine Karten… Noch einmal: ich kenne diesen Spieler und jeder, der jemals mit ihm gespielt hat, wird mir zustimmen wenn ich sage er ist ein Zeitschinder aus Gewohnheit… zu diesem Zeitpunkt war der Tag schon fast vorüber und es waren nur noch 2 Minuten Spielzeit über. Wenn der Flop jetzt umgedreht wird, ist dies sicher die letzte Hand an diesem Tag. Nach zwei Minuten rief ich wieder einmal nach der Uhr, da ich fest überzeugt war, er wollte dem BB aus dem Weg gehen… Wiederum möchte ich die Tatsache betonen, dass ich vor diesem Turnier erst einmal die Uhr für eine Person verlangt hatte und in diesem Turnier hatte ich sie etwa schon gute 6 Mal innerhalb von 20 Minuten für 2 verschiedene Spieler kommen lassen… Die Zeit war schon beinah abgelaufen (10 Sekunden waren noch übrig), als Nikolay im Pothöhe raiste… Ich entschuldigte mich auf der Stelle bei Nikolay und erklärte ihm, dass ich glaubte, er wollte absichtlich Zeit schinden. Ich hatte blinden Alarm geschlagen… ich hätte mich auch nicht entschuldigen müssen… auch wenn hin und wieder einer dieser Zeitschinder wirklich Zeit zum Nachdenken brauchte, man sollte zu diesem Zeitpunkt nicht länger als 2 Minuten benötigen, um eine Entscheidung zu fällen…

Nichtsdestotrotz respektiere ich die Tatsache, dass manche Leute einfach etwas mehr Zeit für einen Entschluss benötigen, als andere. Ich hätte niemals die Uhr verlangt, wenn ich ihm eine gute Hand zugetraut hätte… Rundherum wurde gefoldet und ich entschied mich am BB mit JJQ8 zu callen, da er sicher Assen hatte und ich wusste, dass ich ihn bei einem guten Flop loswerden konnte. Der Chipleader dachte eine Weile darüber nach und callte schließlich ebenfalls… Im Flop kam JQ9 mit zwei Pik; nun strebte ich nach dem Pot… Der Chipleader ging sofort All-In, Nikolay foldete und verlangte sofort nach der Uhr für mich… Ich hatte plötzlich das Gefühl ich muss kotzen… Da ich noch nicht viel Erfahrung mit Omaha habe, war dies eine wahrlich schwere Entscheidung für mich… Der Floor kam herüber und gab mir 30 Sekunden Zeit zu reagieren… Ich versuchte den Floor zu überzeugen, dass ich eine echte Entscheidung zu fällen hatte, während die anderen Spieler nur Zeit geschunden hatten. Hazards, Barney Boatman und sogar der Chipleader, der im Pot involviert war, waren auf meiner Seite und argumentierten gegen die Uhr… Nachdem wir 20 Sekunden lang versucht hatten, den Floor zu überzeugen, sagte die Floorperson nur „Es macht keinen Unterschied, die Uhr läuft“. Ich bekam Panik und callte Hals über Kopf…

Ohne dass ich mich jetzt an Resultaten orientieren will, möchte ich aber schon noch sagen, dass ich mir sicher bin, dass wenn ich diesen Zeitdruck nicht gehabt hätte und gründlich darüber nachgedacht hätte, wäre ich nicht mitgegangen… Ich hatte immer noch 80k in Chips übrig, wenn ich foldete und ich war mir sicher, der Chipleader hatte die Nuts… Die Frage war nur, ob meine Gewinnchancen groß genug für einen Call waren und diese Zeit hatte ich nicht einmal annähernd… Ich bin durchaus entsetzt über die Entscheidung des Floors, der mir nur 30 Sekunden ließ, sobald ich an der Reihe war, zu agieren. Der gesamte Tisch versuchte verzweifelt die Situation zu erklären und brachte Einwände gegenüber dem Floor, aber es wurden einfach alle ignoriert… Ich hatte 30 Sekunden Zeit eine wichtige Entscheidung zu treffen, die den Fortgang des Turniers und ein Equity in der Höhe von mehreren tausend Dollar betraf und ich traf die falsche. Das Ganze war nur wegen einer schlechten Entscheidung des Floors passiert und nachdem ich nachher in mein Zimmer ging und das Regelwerk online durchlas war klar, dass diese Floor-Entscheidung gegen die WSOP Turnierregeln gewesen war…

48. Calling „Clock“ oder „Time“: Ist bereits einige Zeit verstrichen (mindestens 3 Minuten) und es wird „Clock“ verlangt, so erhält der Spieler 1 Minute Zeit, um zu agieren. Wenn nach Ablauf dieser Zeit noch keine Entscheidung getroffen wurde, erfolgt ein Countdown von 10 Sekunden. Wenn immer noch keine Aktion erfolgt, wird die Hand für tot erklärt. Jeder Spieler der mit Absicht versucht den Fortgang des Spiels zu verzögern, wird im Sinne der Regel Nr. 51 bestraft.

51. Unter absoluter Diskretion, KANN Harrah’s Strafen verhängen, die verbale Verwarnungen und „Missed-Hand“ Penalties beinhalten. Eine „Missed-Hand“ Strafe wird folgendermaßen bemessen: Wenn die Strafe verhängt wurde, muss der Schuldige eine Hand pro Spieler (inklusive dem Schuldigen selbst) multipliziert mit der in der Strafe festgelegten Anzahl der Runden, aussetzen. Die Turnierleitung kann Strafen in der Höhe von 1-, 2-, 3- oder 4-Runden festsetzen oder sich für eine Disqualifikation entscheiden.
Spieler, die eine Strafe für „Missed-Hand“ verhängt bekommen, müssen sich für die Dauer ihrer Strafe außerhalb des ausgewiesenen Turnierbereichs aufhalten. Der Spieler muss die Turnierleitung informieren, wenn er wieder auf seinen Platz zurückkehrt. Wiederholte Verletzungen des Reglements führen zu erweiterten Strafen bis hin zur Disqualifikation.

Also bekam ich weder die 3 Minuten zum Agieren, bevor man die Uhr kommen ließ, noch wurden die beiden Spieler bestraft, die absichtlich versuchten, Zeit zu schinden obwohl ich mich schon viel früher darüber beschwert hatte und genügend Zeugen an meiner Seite hatte…

Die Nut-Straight hat gehalten… Ich schüttelte die Hand meines Gegners, schüttelte die von Barney Boatman und sagte Nikolay in klaren Worten (die nicht dafür geeignet sind hier wiedergegeben zu werden) was ich von seiner Aktion hielt und verließ verärgert den Tisch… Bei einem Spiel auf diesem Niveau würde man doch annehmen, dass das Floorpersonal die Regeln kennen und auch imstande sind sie durchzusetzen… Ich finde, das Rio schuldet mir eine formale Entschuldigung und eine Art finanzielle Wiedergutmachung…

Ich bin trotzdem voller guter Hoffnung, dass meine Pechsträhne sich bald in eine Glückssträhne verwandelt, da in der nächsten Zeit einige Events auf mich zukommen und ich sie mit Überzeugung dominieren will. Jetzt werde ich erst einmal meine Gedanken ordnen und am Rio Pool mit ein paar nicht-existenten topless Models etwas chillen.





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Ich kann mir schon vorstellen, dass Sorel sauer über die Entscheidung des Floorman ist. Bei so einer wichtigen Entscheidung sollte man sich schon ausreichend Zeit nehmen können. 30 secs sind ein Witz! Kommentar abschicken!
 
 
     
     
     
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