Als wir am Flughafen in Nizza ankamen, hatten wir zwei Möglichkeiten. Entweder wir schnappten uns ein Taxi nach Monte Carlo, oder wir machten es stylisch und nahmen einen Helikopter, der uns über die französische Riviera nach MC flog. Das erstaunliche daran ist, dass der Hubschrauberflug nur zwischen 10 und 15 Euro kostete – mehr als das Taxi – also mussten wir uns nicht mehr wirklich entscheiden.
Als ich in Monte Carlo ankam, wollte ich unbedingt einen Single Table Qualifier zum Hauptevent spielen. Letztes Jahr erreichte ich hervorragende Ergebnisse in SNG’s, deshalb wollte ich auf alle Fälle wieder daran teilnehmen. Jeder Spieler startet mit 2.500 Chips und der erste Level beginnt mit 25/50 Blinds. Alle 20 Minuten werden die Blinds folgendermaßen erhöht: 50/100, 150/300, 200/400, 400/800, 500/1.000 etc. etc. Die superschnelle Dynamik des Spiels freute mich nicht gerade, aber als wir zu spielen begannen, fiel mir sofort wieder ein, warum ich diese Sit and Go’s und Live Sit and Go’s im Allgemeinen SO liebe! Normalerweise spielen 6-8 Spieler in einem beliebigen 10-handed SNG in Monte Carlo das genaue Gegenteil von optimaler SNG Strategie. Es scheint manchmal so, als ob es nicht darum geht wer das SNG gewinnt, sondern wer es am schnellsten auf die schlimmste Art und Weise verliert. In den Anfangsphasen spielen sie unglaublich aggressiv - dass die Funken nur so fliegen und in den späten Phasen nur noch das Gegenteil davon – schwaches, tightes Spiel.
Während der ersten 3 Levels sieht man immer wieder Leute, die viele Pots spielen und zu Beginn gleich um das 10-fache des BB raisen; schwache Hände limpen/callen, massive Re-raises callen und bei uninteressantem Flop Check-Folden, im falschen Moment bluffen. In den Spätphasen der SNGs schnallen die meisten Spieler den Gürtel etwas enger und folden in Situationen, in denen sie eigentlich All-In gehen sollten, sie limpen mit weniger als 10BBs, sie reagieren auf einen shove mit einem Fold und das schlimmste, mit weniger als 10BBs limpen, einen Raise callen und dann einen missed Flop check-folden (dies ist sozusagen das Standard-Spielverhalten bei großen Buy-In SNGs in Monte Carlo). Im Ernst, es gibt nichts mehr was mich im Poker noch überraschen kann. So wie die Teilnehmer in solchen Sit and Go’s spielen, müsste man schon sehr viel Pech haben, wenn man am Ende nicht unter den besten 3 befindet. Das Beste daran ist, viele dieser Spieler machen gerne Last Longers 
Also habe ich es in dem Qualifier in dem ich gespielt habe geschafft, mit dem schlechtesten Spieler am Tisch und einem dominaten Vorsprung ihm gegenüber im Heads-Up zu landen. Wir starteten das Heads-Up bei 500/1.000, ich hatte 20k, er 5k. Er schaffte es, meine Assen mit 7-10 zu vernichten und von da an ging es nur noch abwärts und ich landete schließlich auf dem 2. Platz. Überraschenderweise, obwohl die Stacks so klein waren, war da eine interessante Hand, auf die ich gerne etwas eingehen würde.
Blinds: 500/1000
Hero: 9k
Villain: 16k
Hero (6x,6♣)
Villain limpt über 500
Hero raist auf 4k
Villain callt
Flop (A♣, Q♣, J♣)
Hero geht mit 5k All-In
Villain callt
Villain hat (6x, 4♣)
Turn Kreuz
Hero gewinnt!
Was ich mit diesem Beispiel zeigen möchte: wenn man short-stacked ist und gegen miserable Gegner spielt, sollte man sie IMMER dazu motivieren sich den Flop anzusehen, ohne vorher preflop All-In zu gehen wenn man genügend Chips besitzt, um Fold Equity auf dem Flop zu generieren. Die Leute lieben es, sich Flops anzusehen. Solange man nicht All-In ist, finden schlechte Spieler immer einen Grund einen Fehler zu machen, indem sie einen Raise in der Hoffnung auf einen vorteilhaften Flop preflop callen, auch wenn man schon den halben Stack im Pot hat.
Mathematisch gesehen sind unbrauchbare Flops viel häufiger auf als brauchbare. Also, wenn ihr das nächste Mal mit dem Gedanken spielt short-stacked zu shoven, zieht zuerst an einen Re-raise (in diesem Fall einen Raise) in Betracht, ABER nur wenn ihr genug übrig habt, sie danach auch zum folden zu bringen, falls sie den Flop sehen wollen.
Es macht einen großen Unterschied, wenn man weiß, wie man Fold Equity generiert. Dieses höhere Niveau des Spielens habe ich über die Jahre hinweg erlernt. Nehmen wir an, ihr habt 9BB’s auf dem Small Blind und ein aggressiver Raiser in später Position eröffnet mit einem 3-fachen BB, was euch einen großen Spielraum an Handlungsmöglichkeiten offen lässt. Wenn ihr jetzt All-In geht, wird er euch sehr wahrscheinlich callen - egal was er in der Hand hat, da seine Gewinnchancen dafür sprechen. Wenn ihr einfach preflop callt und unabhängig vom Flop danach All-In geht, kann er nicht callen, außer er hat wirklich etwas getroffen. Man kann diese Art von Spiel mit fast allen Pocket Cards durchziehen. Wie gewöhnlich funktioniert diese Methode mit einigen Spielern besser als mit anderen, also überlegt genau, bevor ihr dieses Spiel anwendet.
In ein paar Tagen schreibe ich Teil 2 und werde über einige Hände des Hauptevents berichten und natürlich auch generell über meine Erfahrungen in Monte Carlo… Ach ja, und es gibt eine neue Seitenwette
Dieses Mal mit Antonio Esfandiari…