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Sorel Mizzi alias "imper1um"

Blogeintrag erstellt am: 19. Mai 2008
Letztes Update am: 1. August 2008
Eintrag von 19. Mai 2008    

EPT Monte Carol – Teil 2

Die Struktur des großen Finales bei der EPT ist der Struktur bei der WSOP sehr ähnlich. Dies bedeutet eine gewaltige Anzahl von Spielen während des gesamten Turniers. An meinem Tisch erkannte ich drei Spieler wieder: Greg Raymer, der gleich zu meiner rechten saß, David Peters (dpeters online) gleich zu meiner Linken und Maxime Villemure (erreichte später noch den 3. Platz) ein paar Plätze weiter links.

Genau wie bei allen anderen EPTs, an denen ich heuer teilgenommen habe, hatte ich einen wackeligen Start. Mein Stack schrumpfte bis zur ersten Pause von 15.000 auf 2.500. Das schlimmste daran ist, dass es dabei nicht eine einzige signifikante Hand gab, die für diesen Verlust ausschlaggebend war. Meistens habe ich genau jene Pots verloren, bei denen ich einfach Preflop erhöht habe und gecallt wurde, dann weiter gesetzt habe und daraufhin gezwungen wurde meine Karten zu folden. Ich habe auch schon früh im Turnier damit begonnen, relativ tight zu spielen, ich konnte mit den Flops nichts anfangen und meine Gegner haben mich entweder ausgespielt, oder die besseren Hände bekommen…natürlich gefällt mir letzterer Gedanke besser.

Die erste Hand nach dem Essen habe ich gerade noch rechtzeitig erwischt. Sie wollten meine Karten gerade wieder wegnehmen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich 2.600 bei 100/200 Blinds und 25 Ante. Normalerweise würde ich die Hand auf einem 10-handed Tisch sofort folden, aber da 4 Leute inklusive dem Small Blind noch nicht vom Essen zurück waren, spielten wir 6-handed. Ich wollte zur Abwechslung mal etwas kreativ sein und limpte UTG. Der Button, Maxime Villemure, der mich im Moment sehr beeindruckt und den ich für einen verdammt guten/gewifften Spieler halte, setzte 700 und als ich an der Reihe war, machte ich einen Re-shove. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, wie man eine Fold Equity herbeiführt während man eine starke Hand repräsentiert. Hätte ich mit etwas anderem als einem All-In Preflop erhöht, hätte ich bei einem Shove folden müssen, was bei meinem Stack mein KQ wie 2,3o aussehen lässt. Also ging ich All-In. Unglücklicherweise hielt mein Gegner 2 Asse, aber glücklicherweise erhielt ich mit dem Flop 2 Paare die gehalten haben. Ich verdoppelte somit auf 5k, was mich endlich in Fahrt brachte und mich letztendlich noch einen großen Pot gegen Raymer gewinnen ließ. Bis zum Ende des ersten Tages schaffte ich es noch auf 50k.

Der Abgang von Greg Raymer ist folgendermaßen gekommen; Eine Runde bevor Raymer gehen musste, setzte Mel Judah in einer hinteren Position 600, der Button callte und Raymer callte aus der Position des Small Blind ebenfalls. Ich tat so, als würde ich meine Karten anschauen, aber ich hatte den Re-raise schon beschlossen und setzte 3.300. Einer nach dem anderen schmiss die Karten weg und Raymer gab mir als Zeichen seiner Frustration sogar einen symbolischen Klaps auf die Hände. In der darauffolgenden Hand bekam ich 2 Asse! Ich liebe es, wenn das passiert :-) Ich wusste, dass ich mit dieser Hand einen großen Pot spielen musste. Die Blinds waren noch immer auf 100/200 mit 25 Ante, 5 Leute limpen und ich setze 1.700 aus der Position des Small Blind. Ich werden von 4 Leuten gecallt, inklusive dem Big Blind. Der Flop zeigt J, 7, 2 (rainbow). Ich setze 4.300, bis zu Raymer folden alle und er callt mit 12k im Rückstand. Am Turn kommt 4. Ich komme zum Schluss, dass All-In zu shoven am Turn sehr schwach wirken würde und er mich mit auf dieselbe Art callen müsste, mit der er den Flop callt. Er denkt eine paar Minuten darüber nach und schlussendlich callt er mit 6,7o und ich kralle mir den 40k Pot =)

Während der letzten Hand an diesem Turniertag musste ich eine Entscheidung treffen, die meinen kompletten Stack betraf. Gerade als ich dachte, ich würde es endlich bis zum 2. Tag einer EPT schaffen. Vor der Hand besaß ich 25k und dieser Typ hatte etwas mehr. Ich war am Button und hielt A7o, der Cut-off zahlte 400, ich setzte 1.600 und er callte. Der Flop zeigte T, 5, 2 mit zwei Pik. Nach einer langen Pause checkte er, ich setzte 2.650 und nachdem er meinen Stack so etwa 15-20 Sekunden begutachtet hatte, callte er. Der Turn brachte ein Ad und an dieser Stelle setzte er 5k, was mich sehr verwirrte. Schließlich war ich derjenige, der das Ass repräsentiert hatte. Ich überlegte kurz und callte. Am River erschien 4 (nicht in Pik). Nun lag (T, 5, 2, A, 4) auf dem Tisch und der andere Spieler setzte 15.000, was mich mit 500 im Rennen ließ, sollte ich callen und falsch liegen. Ich dachte gute 5 Minuten darüber nach und da ich ihm einfach keine gute Hand zuordnen konnte, zog ich daraus den Schluss, dass er einfach keine hatte. Ich machte den Call und er zeigte 8,8, was sein Paar als Bluff enttarnte. Jetzt konnte ich 50k vorweisen, was am Ende des Tages kein schlechter Stack ist.

Tag 2

Bin mit meinem Table Draw zufrieden. An meinem Tisch befinden sich 2 gute Spieler, aber Antonio Esfandiari sitzt zu meiner rechten und Barry Greenstein ist shortstacked.

Antonio hat in Position sehr VIEL erhöht und ich ging in nie auf die Konfrontation ein. Am Ende rappele ich mich in der Position des Small Blinds mit J9 endlich auf. Er erhöht auf 1.600, ich mache daraus 4.800, er re-raised auf 11.000, ich wäge meine Möglichkeiten ab und gehe mit dem restlichen 30k Stack All-In. Antonio folded und sieht dabei sehr angefressen aus. Ich weiß, es ist ein ungeschriebenes Gesetz seine Karten niemals zu zeigen, weil man damit zuviel an Information preisgibt. Aber ich musste es einfach machen! Der Gesichtsausdruck der Leute war unbezahlbar!
Ich schaffte es, den letzten Tag ohne viele Showdowns und mit 203k zu beenden, was mich natürlich außerordentlich zufrieden stellte.

Tag 3

Am Tag 3 hatte ich einen phänomenalen Start und spielte mich innerhalb einer Stunde auf ca. 400k rauf. Unglücklicherweise habe ich es dann fast in derselben Geschwindigkeit auch wieder verloren. Während ich gerade in einer Phase war, in der ich buchstäblich 90% der Hände erhöhte, callte ein Typ, der bis jetzt nur in sehr wenigen Pots involviert gewesen war und ca. 50k zurücklag, bei 1k/2k meinen 5.500 Raise aus einer vorderen Position heraus, was mich klarerweise in Alarmbereitschaft versetzte. Ich hielt A9 und beschloss einen Check-Fold, falls im Flop nichts dabei wäre…Der Flop zeigte 6 8 2 (rainbow), also checkte ich mit der Absicht, bei allfälligen Wetten sofort zu folden, aber er checkte relativ schnell…Der Turn brachte eine 9, und ich startete einen Versuch mit 6.500. Der Typ ging sofort mit etwa 45k All-In. Ich dachte ein Weilchen darüber nach. Ich kam zu Schluss, dass er Preflop wohl ein hohes Pärchen langsam spielen wollte, aber als er den Flop checkte, traute ich ihm nicht mehr zu, dass er klug genug war bzw. die Eier dazu hatte ein Overpair zu checken. Als ich am Turn setzte und er All-In ging, konnte er mich eigentlich noch gar nicht geschlagen haben, die einzige Hand, die Sinn gemacht hätte, hätte durch einen guten Draw entstehen müssen, oder das ganze war einfach nur ein Bluff gewesen. Ich callte und er zeigte J10, womit er die 10 am River getroffen hatte. Alles in allem war dies aber nur ein kleiner Rückschlag, nichts großartiges.

Eine weitere interessante Hand ergab sich mit James Campbell (alias PokerPro33), der auf dem SB auf 6.000 erhöhte und ich callte am BB mit A5. Im Flop kamen A, 5, 2, alle in Kreuz. Er setzte 8.000 und ich machte den furchtbaren Fehler, daraus 24k zu machen. Kurz darauf machte er einen Re-raise auf 80k…Ich hätte einfach nur callen sollen, es macht an dieser Stelle gar keinen Sinn im Gegenzug noch einmal zu re-raisen, weil ich genau weiß, dass ich diesen Spieler nicht callen werde, wenn er noch weiter gehen würde. Es fühlt sich an, als würde ich meine Hand in Luft auflösen. Es gibt eine Menge Karten, die ihn mit einem Medium Flush am Turn etwas bremsen würden, aber es kann auch sein, dass er eine Hand wie z. Bsp. AK mit dem Kreuz König hält. Wenn ich in diesem Fall den Flop raise, gebe ich ihm möglicherweise die Chance mich auszuspielen…. Wenn es eines gibt, was ich gut kann, dann ist es die Tatsache, dass ich meinen Gegnern niemals die Möglichkeit biete, überlegen zu sein. Aber genau das tat ich in diesem Fall. Zu meinem Bedauern wurde der Tisch schon kurze Zeit später aufgelöst und ich wurde daraufhin links neben Freddy Deeb gesetzt.

Die ersten 45 Minuten am Tisch haben Freddy und ich uns mehr oder weniger dabei abgewechselt, Blinds zu stehlen, manchmal repoppte ich ihn, wenn ich das Gefühl hatte er schränkt mich zu sehr ein. Freddy Deeb ist ein erstaunlicher Turnierspieler. Oft sieht man diese aufgeblasene Typen im Fernsehen, die sich weiß Gott wie aufspielen nur um besser zu erscheinen als sie wirklich sind, aber Freddy Deeb ist keiner von dieser Sorte. Er ist ein sehr solider Typ, der in jeder Situation gut spielt. Zu meinem Bedauern habe ich das erst erkannt, als er schon im Besitz meiner Seele war :-( . Oder habe ich vielleicht meine eigene Seele besessen? Ich kann es nicht sagen, entscheidet selbst. Bei 1.500/3.000 exakt auf dem Bubble (nur noch einer bis zu den Geldrängen) bin ich UTG mit T7 und ich setze 7.700. Bis zu Freddy Deeb im BB folden alle und er erhöht auf 38k, während er ca. 130k zurückliegt. Zu diesem Zeitpunkt habe ich ungefähr 400k und entscheide mich für ein All-In, was sofort von ihm und seinen zwei Assen gecallt wird…Jetzt bevor ihr alle beginnt über mich herzufallen, gibt es da noch ein paar Dinge zu bedenken. Erstens kann ich mich genau erinnern wie ich daran dachte, dass nun wohl der Moment gekommen sei, in dem Freddy Deeb mich re-raisen würde. Ich hatte mir ausgemalt, wie alle bis hin zu Freddy Deeb folden würden und er mich dann re-raisen würde, egal was er in der Hand hält. Auch die Summe, um die er erhöhte, sagte irgendwie „NEIN, du bist nicht der Chef am Tisch, ich bin der Chef am Tisch, also erhöhe nicht MEINE Blinds. Bitte folden“. Ich weiß, dass Bubbles für Freddy Deeb keine große Sache sind, aber vielleicht glaubt er, dass sie es für mich sind. Manchmal komme ich einfach zu sehr ins grübeln und komme dabei total von meinem Ursprungsgedanken ab (und das meistens wenn ich zuerst weiß, ich sollte besser folden und dann überzeuge ich mich trotzdem zu callen). Es war aber keine von diesen Situationen, ich war sogar recht überzeugt, dass er folden würde. In meinem Kopf erschien das All-In die beste Lösung zu sein und es gab nichts, was ich daran ändern konnte. Ich hatte meine Entscheidung bereits gefällt. Vielleicht sollte ich noch anmerken, dass ich in der vorderen Position oft erhöht habe, also hat er korrekterweise meinen UTG Raise wie einen Button Raise betrachtet…Hätte ich die Situation auf einer einfachen, etwas praktischeren Ebene analysiert, wo jemand, der sich gerne viele Flops ansieht, meinen UTG Raise in einem 9-handed Spiel im BB re-raised, hätte ich meine Hand aufgegeben. Nach dieser Hand war mein Image im Eimer und die Leute erhöhten ständig, sobald ich eröffnete. Schließlich nahm ich noch einen letzten Anlauf mit AJs (suited) und traf auf AK, was mein Ende bedeutete. Ich erreichte am Ende den 55. Platz :-( . Alles in allem bin ich klarerweise sehr enttäuscht… wenigstens war ich schlau genug einen Deal mit Isaac Baron (westmenloaa) einzufädeln und konnte so wenigstens noch ein paar % erhaschen. Er ist ein außergewöhnlicher Spieler und einer der wenigen Personen, mit denen ich einen solchen Deal eingehen würde.

Der erste Tag nach Turnierende war dem Alkohol gewidmet und wir waren alle sternhagelvoll. Antonio Esfandiari und begannen um absolut unsinnige Dinge mit ungewissem Ausgang zu wetten, angefangen bei Roshambo, bis hin zu meiner Wette, dass er es innerhalb von 2 Minuten nicht schaffen würde, 10 Leute dazu zu bewegen sich auf den Boden zu legen. Natürlich alles nur zum Spaß. Ich glaube er ist im Endeffekt mit ein paar hundert Euro im Plus gewesen. Dann gingen wir eine etwas seriösere Wette ein und dieses Mal ging es um ziemlich viel Geld. Die Wette kam ins Rollen als ich die Geschichte einer Frau erzählte, die mehrere Millionen in Vegas gemacht hatte, indem sie ihre Wurftechnik beim Würfeln perfektionierte. Beim Werfen gewünschter Augenzahlen war ihre Erfolgsrate überdurchschnittlich hoch. Ich dachte mir wenn ein Mensch es schafft die gewünschte Zahl fast immer richtig zu würfeln, dann könnte man den Wurf einer Maschine doch auch perfektionieren. Egal ob Würfel oder Münze. Also warf ich die Frage in die Runde. Wenn man eine Maschine bauen könnte, die jedes Mal beim Werfen einer Münze SÄMTLICHE Variablen wie etwa Raumdruck, Gravitation, Wind, u.s.w. miteinbezieht, wäre es dann möglich dass sich die Münze jedes Mal gleich dreht und jedes Mal auf derselben Seite landet? Sofort hatten sich zwei Lager gebildet. Ich wettete, dass die Münze unter solchen Umständen jedes Mal auf derselben Seite landen würde. Antonio wettete dagegen und wirkte erschreckend überzeugt.

Anmerkungen dazu:

  1. Die Münze muss aus einer Höhe von mindestens 1 Fuß geworfen werden
  2. Die Münze, die Maschine und der Boden bleiben unverändert… keines dieser Dinge ist so beschädigt, als dass die Wurfgenauigkeit beeinträchtigt werden würde. KEINE VARIABLEN
  3. Wir reden hier über die Theorie, die Maschine muss nicht extra gebaut werden (wobei ich aber nach wie vor glaube, dass man das könnte)

Zuerst wollte ich mit Antonio um € 1.000 wetten, aber nachdem meine Freunde Johannes Straussman und Ryan Daut auch ein Stück vom Kuchen abhaben wollten, konnte ich nicht anders als den Einsatz auf glatte 10k zu schrauben. Für alle die Johannes oder Ryan nicht kennen, sie pissen pures Gold. Ich habe sie nie Seitenwetten eingehen sehen, bei denen sie sich nicht absolut sicher über den Ausgang waren, oder sich zumindest einer signifikanten Edge erfreuen konnten. Um nun endgültig zu erfahren wer im Recht ist, müssten wir irgendeinen respektierten Physikprofessor (Harvard, Yale, …) fragen. Ich bin momentan ehrlich gesagt zu faul, um dem wirklich nachzugehen, aber in ein paar Monaten sind wir beide in Vegas, da werde ich mich sicher darum kümmern. Falls irgendein Blog-Leser etwas darüber wissen sollte – bitte posten :-) Ich würde mich freuen eure Meinung dazu zu hören. Besonders wenn ihr glaubt, dass ich falsch liege.

Sorel





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