Ich hatte heute die Ehre, drei wirklich interessante Hände zu spielen, die leider dazu führten, dass ich etwas früher aus diesem Turnier ausschied als aus den vier vorangegangenen.
Die erste Hand kam zustande, als ich im Small Blind mit meinen J 9 auf 175 raiste. Der Big Blind ging sofort mit und der Flop kam dann Qd, 8h, 5d. Ich setzte 250 auf meinen Gutshot und sofort ging mein Gegner wieder mit. Der Turn brachte dann Qh. Ich war mir sehr sicher, dass mein Gegner entweder eine 8 oder eine 5 in den Karten hatte, denn ich dachte, dass er mich beim Flop mit einem Flush Draw (wahrscheinlich Königin) geraised hatte.
Weil J, T und 9 im Fall, dass ich gecalled wurde, gut mögliche Out-Karten waren, entschloss ich mich also zu einem Double Barrel Manöver mit einem Einsatz von 650. Mein Gegner ging mit ohne groß darüber nachzudenken. Der River brachte 3d. Ich überlegte, ob ich den Pot aufgeben sollte, aber dass er das Flush oder drei Königinnen haben sollte, erschien mir wirklich eher unwahrscheinlich, denn dann hätte er wohl versucht mich schon vor dem River hinauszuwerfen. Also beschloss ich, dass es Zeit für ein Triple Barrel war, obwohl das Turnier noch nicht besonders weit fortgeschritten war.
Ich hatte mehrere Gründe für diesen Zug. Erstens ging ich davon aus, dass er jetzt alles andere als Trips, Full House oder ein Flush folden würde. Zweitens war ich mir ziemlich sicher, dass er keines dieser Blätter in der Hand hielt. Drittens wollte ich nicht checken und ihm dann den Pot mit einer mittelmäßigen Hand überlassen, denn das hätte ihn so früh im Turnier viel zu sehr motiviert, was ihm dann für den Rest des Tages einen gewissen Vorteil mir gegenüber geben würde. Und viertens sagte ich mir – selbst wenn ich mich irre wäre das kein großes Problem, ich hätte für ein gutes Image am Tisch gesorgt und davon würde ich eine Weile profitieren können. Also setzte ich 1.650 und wurde umgehend von Q T gecalled.
Naja, zum Glück keine große Sache, ich habe ja immer noch 7.000.
Später raiste ich auf zweiter Position mit 3 3 und wurde vom Big Blind gecalled. Ich dachte, ich hätte diesen einen Gegner besonders gut durchschaut, obwohl das Turnier noch nicht besonders lange lief. Der Flop brachte K Q 5 und ich legte 250 in die Mitte. Er ging mit, nach einer kurzen Bedenkpause, und der Turn brachte eine 6. Er checkte und ich hielt ihn immer noch für einen Schwächling, also warf ich noch mal 525 in den Pot – er foldete.
Eine Runde später raiste ich under the gun mit 7s 6s und wurde sowohl vom Button als auch vom Big Blind gecalled. Der Flop war Jd 7c 6d. Ich setzte 525, der Button foldete und der Big Blind erhöhlte blitzschnell auf 1275. Da wurde mir klar, dass er wahrscheinlich auf einen großen Draw wartete, denn ich hielt es für unwahrscheinlich, dass er mit J 7, J 6 oder J J auf meinen Preflop Raise mit einem Flat Raise regieren würde. Möglicherweise hatte er mich mit 7 7 oder 6 6 gecalled, aber dann würde ich eben im großen Stil verlieren müssen.
Ich war mir sicher, dass er keinen Jack hatte, denn er spielte nicht in Position und konnte von vielen anderen Blättern gecalled werden, die ihn nicht notwendigerweise schlagen müssten, er konnte sich also von einem Raise keinerlei Information erwarten. Ich kam also zu der Schlussfolgerung, dass er wahrscheinlich einen Flush Draw und ein Paar hatte, einen Flush Draw und einen Straight Draw oder einen Flush Draw mit einer Over Card. Ich dachte ein reiner Flush Draw würde meinen Einsatz wahrscheinlich drastischer raisen oder flat callen und die Hand langsamer angehen.
Nachdem ich meinen Gegner also so eingeschätzt hatte, warf ich einen kurzen Blick auf den Chip Stack und beschloss, dass die richtige Vorgehensweise ein Flat Call war, ich würde ihn entweder beim Turn All In raisen oder ihn mit einem hohen Einsatz zum folden zu zwingen, falls er checkte.
Ich ging also mit und der Turn war Qs. Die perfekte Karte. Eine Karte zwischen 8 und T hätte mir Sorgen gemacht, denn damit hätte er locker zwei höhere Paare als meine treffen können, oder sogar seine Straße. Qs war jedenfalls die perfekte Karte, denn wie ich schon vorher sagte, dachte ich nicht, dass er mich am Flop mit einem Blatt wie J Q so wenig geraised hätte. Er setzte 1.800 und machte mir meine Entscheidung leicht – ich ging All In. Mein Raise belief sich auf 4.200 und es waren bereits 4.820 im Pot. Seine Chancen bei einem Call sind ungefähr 2:1, was für mich großartig ist, denn entweder muss er einen schlechten Call machen oder einen guten Fold – und ich hätte einen netten Pot.
Allerdings ging er bei meinen 4.200 mit – mit Ad Kd. Wow, ich hätte ihm echt keine so starke Hand zugetraut, weil er nicht versucht hatte, preflop mehr herauszuquetschen. Trotzdem hatte er nur 11 Outs, also etwa eine 22%ige Gewinnchance. Leider brachte der River dann 9d, und ich durfte nach ein paar Runden schon wieder meine Sachen packen und gehen.
Aber was solls, auf die paar Hände, die ich gespielt habe, bin ich stolz und ich bin sehr zuversichtlich für mein nächstes Turnier.
Jetzt aber ab in den Pool!
Paul