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STECKBRIEF

Scotty Nguyen alias "The Prince of Poker"

Letztes Update: 10. April 2014
 
Party Poker
"Ohne eine Hürde gibt es keinen Erfolg. Ohne schlechte Zeiten gibt es keine guten Zeiten“
Scottys Lebensphilosophie
28.10.1962
Nha Trang, VN
Skorpion
Verheiratet
7
Las Vegas, US
USA
Ehemals Poker Dealer
Seine Familie, seine Haustiere (Affen), Fischen, Babys machen
...in seiner Jugend kurz nachdem er in die USA gekommen ist
Hold'em - Omaha 8/b
Aggressiv
Phil Hellmuth, Stu Ungar, Berry Johnston
...würde er alle unanständigen Spieler hinauswerfen.
Ist als Kind allein aus seinem Heimatland geflüchtet; zählt zu den aktivsten Pokerspielern weltweit; behauptet von sich selbst, mindestens hundertmal pleite gegangen zu sein; hält Affen als Haustiere; bezeichnet es als eines seiner Hobbys, Babys zu machen; hat 13 Geschwister; hat bei einem Spiel gegen Michael Mizrachi dessen Karten intuitiv "erahnt" und gewettet, das gesamte Kartendeck zu essen, wenn er falsch liegt - er lag richtig; ist dafür bekannt, sich viel Zeit für seine Fans zu nehmen

Ein harter Weg in die Freiheit

Scottys Kindheit war alles andere als glücklich, sein Heimatland war vom Krieg zerstört und seine Familie wurde auseinander gerissen. Der kleine Thuan musste sehr früh lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und um sein Überleben zu kämpfen.

Mit 11 Jahren flüchtete Scotty auf Anweisung seiner Familie aus Vietnam und landete zunächst in einem Flüchtlingslager in Taiwan. Dort musste er zwar nicht ständig fürchten, in einen Kugelhagel zu geraten, doch in diesem, von Zäunen und Stacheldraht umgebenen „Gefängnis“ fühlte sich Scotty völlig fehl am Platz. Er hatte Vietnam verlassen und dabei sein Leben riskiert um frei zu sein, für eine bessere Zukunft und nicht um sich erneut einsperren zu lassen. Er sah seinen einzigen Ausweg in einer erneuten Flucht. Mit 13 riss Scotty also aus dem Flüchtlingscamp aus und suchte sich einen Job, bei dem er, zu seinem Leidwesen, schwere körperliche Arbeit verrichteten musste.

Während des Vietnamkrieges und in der Nachkriegszeit erklärten sich tausende amerikanische Familien bereit, Flüchtlingskinder und Kriegswaisen bei sich aufzunehmen und/oder zu adoptieren. Hilfsorganisationen und religiöse Vereinigungen veranlassten die Ausreise von unzähligen vietnamesischen Kindern in die USA und der kleine Thuan Nguyen war eines davon.

Ein Jahr nach seiner Flucht erfuhr er, dass er in die USA reisen konnte. 1976 fuhr der 14-jährige Scotty also mit dem Schiff nach Amerika und wurde bei einer Gastfamilie in Chicago, Illinois, untergebracht. Obwohl für Scotty dadurch ein Traum in Erfüllung ging, war es durchaus kein Kinderspiel, sich an das neue Leben in den USA zu gewöhnen. Er musste sich nicht nur in eine völlig fremde Kultur einfügen und eine fremde Sprache lernen, sondern auch mit den geografisch bedingten Veränderungen zurecht kommen. Letzteres fiel Scotty besonders schwer. Das Klima und die (im Vergleich zu seinem Heimatland) rauen Wetterbedingungen in Illinois machten ihm so sehr zu schaffen, dass er darum bat, zu einer anderen Familie in eine wärmere Gegend wechseln zu können. Scotty hatte Glück und durfte nach Orange County im sonnigen Kalifornien umziehen.

Ein "schwieriger" Jugendlicher

Doch das Klima allein konnte keine Wunder wirken; die Gastfamilie, die sich liebevoll um ihn kümmerte, war kein Ersatz für seine Eltern. Scotty hatte Heimweh und fühlte sich in den USA wie ein Fremder. Auch die Erinnerungen an all die schrecklichen Dinge, die er in seinem jungen Leben bereits durchmachen musste, quälten ihn und er entwickelte sich zu einem äußerst rebellischen, „schwierigen“ Jugendlichen. In der Schule fiel er ständig durch sein schlechtes Benehmen auf und während dieser harten Zeit machte Scotty seine ersten Erfahrungen mit Poker. Bald verbrachte er mehr Zeit in dunklen Hinterzimmern und Kartenräumen als im Klassenzimmer und wurde schließlich sogar der Schule verwiesen.

Bereits als Kind in Vietnam hatte Scotty von einem magischen Ort gehört, einer funkelnden, glitzernden Stadt voller unbegrenzter Möglichkeiten, voller Hoffnung: Las Vegas. Mit 20 erfüllte er sich diesen lang gehegten Traum und machte mit ein paar Freunden einen Ausflug in die Spielermetropole. Die Gruppe machte vor einem der ersten Casinos am Rande der Stadt, dem „Whiskey Pete’s“ halt und stürzte sich, bewaffnet mit je $ 600, ins Getümmel. Der berühmte „Strip“, die bekannteste Straße von Las Vegas mit den größten Luxushotels und Sehenswürdigkeiten, war keine 80km entfernt, doch die Jungs konnten nicht aufhören zu spielen und verbrachten zwei Stunden im „Whiskey Pete’s“. Als sie schließlich ihr ganzes Geld verloren hatten, warf man sie hinaus weil sie unter 21 waren. Scotty war wütend und fragte den Sicherheitsbeamten, wieso er sie nicht schon viel früher kontrolliert hat, als sie noch Geld übrig hatten. Nun waren sie pleite und machten sich auf den Heimweg, ohne Las Vegas wirklich gesehen zu haben.

Von "Sin City" verzaubert

Scotty drehte sich noch einmal um und betrachtete das Logo des „Ceasar’s Palace“, das den pechschwarzen Nachthimmel erleuchtete und ihn zu rufen schien. Er überredete seine Freunde umzukehren und sich den Strip wenigstens einmal anzusehen. Es hat sich gelohnt; die Freunde hatten eine Menge Spaß, fuhren den Strip entlang, baggerten Mädchen an und suchten ihr letztes Geld zusammen, um im „Harrah’s“ zu frühstücken. In den frühen Morgenstunden fuhren Scottys Freunde ohne ihn zurück, „Sin City“ hatte ihn zu sehr in ihren Bann gezogen. Bereits beim Frühstück sicherte sich Scotty einen Job als Buffet-Hilfskraft im „Harrah’s“ – der erste Schritt in Richtung Profipokerkarriere war getan.

„Es war, als wäre ich dafür geschaffen dort zu leben“, erinnert sich Scotty.

Als er den Kellnerjob annahm, bekam er auch gleich einen neuen Namen, „Scotty“, weil es seinem Boss unmöglich war „Thuan“ auszusprechen. Mit 21 machte Scotty eine Dealer-Ausbildung und wechselte vom Buffet in den Kartenraum. Er beobachtete die Spieler und erkannte, dass man von Poker recht gut leben konnte, wenn man das Spiel beherrschte. Er hatte noch immer kein besonderes Ziel vor Augen, aber er sah neue Möglichkeiten. Die $ 150, die er pro Tag im Harrah’s verdiente, verspielte er jeden Abend in Stud Spielen mit niedrigen Einsätzen ($ 3 - $ 6), aber das war ihm völlig egal, er wollte einfach nur spielen und außerdem verdiente er am nächsten Tag erneut $ 150.

Damals war Scotty ein typischer „Donkey“ (dt.: Esel), ein schlechter Spieler, der bei den anderen beliebt war, weil sie ihn leicht abzocken konnten. Über diese Zeit sagte Scotty einmal in einem Interview:

„Ich wusste nicht einmal was ein „Donkey“ ist, ich wusste nicht was ein „Fish“ (= ebenfalls ein schlechter Spieler) ist. Ich wusste nur, dass sich die anderen Spieler immer freuten, mich zu sehen. Nach einem Abend im Casino ging ich seelenruhig nach Hause schlafen, wie jeder andere auch; es hat mich nie wirklich gekümmert das Geld zu verlieren.“

Nach einer Weile jedoch arbeitete sich Scotty immer weiter nach oben, erhöhte seine Einsätze und wechselte zu Texas Hold’em, eine Pokervariante, die sehr gut zu seinem aggressiven Spielstil passte. 1985 ergab sich für ihn die Gelegenheit, bei einem No Limit Texas Hold’em Turnier in Lake Tahoe zu dealen und er nahm genug Geld mit, um eventuell das Buy-In ($ 1.000) bezahlen zu können, sollte er die Zeit finden, am Turnier teilzunehmen. In Lake Tahoe gelang es ihm in Cash Games seine eher mickrige Bankroll (= das Geld, das man beim Pokern zur Verfügung hat) auf $ 7.000 aufzustocken und Scotty wurde immer mutiger. Er überlegte sehr lange, ob es vernünftig war, einen Teil seiner Gewinne für ein Turnier zu opfern, bei dem er keine Chance sah zu gewinnen, entschied sich aber schließlich doch dafür. Er hatte keinerlei Erfahrung, weder mit Turnieren, noch mit No Limit Spielen, aber sobald er am Tisch Platz genommen hatte, war die Nervosität wie weggeblasen.

Er spielte einfach genau so, als wäre es ein Cash Game in seinem Stammcasino und saß plötzlich nur noch einem einzigen Spieler gegenüber. Sein Heads Up Kontrahent machte Scotty den Vorschlag, das Preisgeld aufzuteilen, $ 140.000 für jeden, davon je $ 10.000 für den Dealer. Scotty war sofort begeistert und stimmte zu.

Ruhm und Reichtum, Höhen und Tiefen

Als Scotty nach Las Vegas zurückkehrte, war er ein anderer Mensch. Er kündigte seinen Job im "Harrah’s", verwandelte seinen ersten Turniergewinn im Nu in eine Million und war drauf und dran seinem alten Leben für immer den Rücken zu kehren. Er spielte gegen Profis wie Johnny „The Orient Express“ Chan, Doyle Brunson, Puggy Pearson und David Grey und der 23-jährige Senkrechtstarter war bald Gesprächsthema Nummer 1 in der gesamten Pokerszene. Wie es sich für einen echten Star gehört, kaufte sich Scotty einen brandneuen Chevrolet Z 28, eine Corvette und eine luxuriöse Eigentumswohnung. Die Wohnung betrat er allerdings äußerst selten, da ihm das "Caesar’s Palace", wo er täglich um astronomisch hohe Summen pokerte, eine Luxus-Suite zur Verfügung stellte. Das Casino behandelte ihn wie einen Gott und erfüllte ihm jeden erdenklichen Wunsch.

Ruhm und Reichtum stiegen dem jungen Vietnamesen sehr schnell zu Kopf, er prahlte mit seinem Geld, gab dem Casinopersonal lächerlich hohe Trinkgelder und konnte bald die wahren von den falschen Freunden nicht mehr unterscheiden. Er hing mit den falschen Leuten ab und fing an Kokain zu nehmen. Scotty schämte sich für seine Drogensucht und konsumierte das Kokain nur alleine in seiner Suite. Er genoss die Aufmerksamkeit, die ihm von allen Seiten entgegengebracht wurde und war überzeugt, sein Leben endlich im Griff zu haben:

„Ich dachte, alle lieben mich wegen meines Charakters, doch es war wegen des Geldes, wegen all den materiellen Dingen, die ich ihnen bieten konnte.“

Scotty schwebte im Glück und glaubte, es würde ewig so weitergehen. Er hatte zwei Tresorboxen im „Ceasar’s “ und zwei im „Bob Stupak’s Vegas World“, randvoll mit Bargeld und Chips, tausende von Dollar. Sein Erfolg und sein glamouröser Lebensstil brachten ihm bald den Spitznamen „The Prince of Poker“ ein. Geld bedeutete ihm alles, es war die Quelle seines Glücks, doch das Blatt sollte sich bald wenden:

Eines schicksalhaften Tages verlor Scotty alles, bis auf den letzten Cent und das nicht einmal beim Pokern, sondern bei einem Würfelspiel. Die Würfel schienen sich gegen ihn verschworen zu haben und er verlor immer mehr Geld, wollte den Tisch aber auf keinen Fall verlassen. Er ließ sich seine beiden Tresorboxen bringen und spielte, bis sie leer waren. Dann rief er Bob Stupak an und ließ sich auch seine beiden anderen Boxen bringen. Nach vier Stunden hatte er alles verloren, sein gesamtes Vermögen. Der Aufprall auf dem harten Boden der Realität war nicht leicht zu verkraften:

„Mir wurde total übel. Ich wollte mich am liebsten umbringen.“, erinnert sich Scotty.

Die Casinoinhaber hatten Scotty natürlich schon lange beobachtet, sie wussten, dass es eines Tages soweit kommen würde, dass sie letztendlich von ihm profitieren würden. Aus genau diesem Grunde hatten sie ihn verwöhnt, damit er nicht auf die Idee kam, aufzuhören. Das „Ceasar’s“ gab Scotty $ 5.000 und er durfte die Suite behalten. Alles andere war weg, die Corvette, der Chevrolet, die Luxuswohnung. Er nahm seinen alten Dealerjob im „Harrah’s“ wieder auf, fing an, um niedrige Einsätze zu pokern und kam langsam wieder auf die Beine.

Dieses Erlebnis, so schockierend es auch im ersten Moment war, war nichts im Vergleich zu all den schrecklichen Dingen, die Scotty in seiner Kindheit und Jugend durchmachen musste. Das Leben im vom Krieg zerrütteten Vietnam, die Flucht aus dem Heimatland und aus dem Flüchtlingscamp hatten ihn stark gemacht und er war sich sicher, dass nichts und niemand Scotty Nguyen unterkriegen konnte. Durch diese Höhen und Tiefen lernte er auch, die guten Zeiten zu schätzen:

„Plötzlich hatte ich nichts. Aber das ist auch ein Beweis dafür, wie stark ich bin. Egal, wie oft ich falle, ich stehe immer wieder auf. Deshalb schaffe ich es auch immer wieder ganz nach oben, egal wie oft ich am Boden liege. Ohne eine Hürde gibt es keinen Erfolg. Ohne schlechte Zeiten gibt es keine guten Zeiten“

Zurück an die Spitze

Wie bereits erwähnt hat sich Scotty schon mit 23 in der Turnierpokerszene einen Namen gemacht, doch den Traum eines jeden Profipokerspielers das Hauptturnier der World Series of Poker zu gewinnen, erfüllte er sich erst etwas später, im Jahr 1998.

1995 pokerte sich Scotty beim Limit Hold’em Turnier der prestigeträchtigen WSOP auf den 13. Platz und wurde Dritter beim „Gold Coast Open“ im No Limit Hold’em.

1997 holte sich Scotty sein erstes Goldenes WSOP Armband, im Limit Omaha Hi-Lo indem er sich gegen Stars wie Ted Forrest und Mike Matusow durchsetzte. Er kassierte dafür fast $ 160.000. Als Stu Ungar 1997 das berühmte WSOP No Limit Hold’em Hauptturnier (die Poker-Weltmeisterschaft) gewann, kaufte sich Scotty eine Zeitschrift mit Stu auf dem Titelbild. Jeden Tag betrachtete er die Zeitschrift und träumte davon, sich selbst auf dem Titelblatt zu sehen.

Ein Jahr später, 1998 wollte Scotty am Hauptturnier der WSOP teilnehmen und um den Weltmeistertitel kämpfen, doch sein selbstzerstörerischer Lebensstil und seine Spiel- und Wettsucht machten ihm einen Strich durch die Rechnung – er war wiedermal pleite. Doch sein Kollege Mike Matusow, der solche Situationen aus eigener Erfahrung gut kannte, sponserte Scotty mit $ 500, ein halber Platz in einem Satellitenturnier. Ein anderer Freund steuerte die zweite Hälfte bei und nun war es an Scotty, etwas aus dieser Chance zu machen.

Er enttäuschte seine Unterstützer nicht, gewann einen Platz im Hauptturnier und blieb auch weiterhin auf Erfolgskurs. Scotty setzte sich gegen Pokergrößen wie T.J. Cloutier und Kathy Liebert durch und fand sich schließlich mit Kevin McBride im Heads Up. Scotty lief zur Höchstform auf und gewann die Weltmeisterschaft, ein Preisgeld von $ 1.000.000 und das begehrte Goldene Armband, das zweite in seiner Sammlung.

Scottys Sieg gegen McBride war legendär und ging in die Geschichte ein:

Scotty hatte J-9♣ auf der Hand und McBride Q-10. McBride erhöhte Pre-Flop und Scotty ging mit. Der Flop brachte 8♣- 9-9, womit Scotty einen Drilling hatte. Doch er erhöhte nicht, sondern checkte. McBride bluffte und setzte $ 100.000. Scotty ging mit. Der Turn brachte die 8, womit Scotty ein Full House hatte. Doch Scotty checkte wieder und McBride setzte weitere $ 100.000. Der River brachte die 8♠, womit beide ein Full House hatten, Scotty allerdings ein höheres. Er nutzte die Situation und setzte $ 310.000, McBride dachte fieberhaft über seinen nächsten Spielzug nach und Scotty, der für seine coolen Sprüche bekannt war, warnte seinen Kontrahenten mit der Aussage

„You call this one and it’s gonna be all over baby!“ (dt.: „Wenn du jetzt mitgehst ist alles aus, Baby!“).

McBride glaubte an einen Bluff, ging mit und tatsächlich war für ihn alles aus. Scotty Nguyen wurde zum World Champion of Poker 1998 gekrönt, kam aufs Titelblatt der Pokerzeitschrift und die Aussage „You call it’s gonna be all over, baby!” wurde zu einer Art Kultspruch. Sein Triumph wurde allerdings am nächsten Tag von einer Tragödie überschattet: einer seiner Brüder starb bei einem Autounfall in Vietnam und aus diesem Grunde hat Scotty beschlossen, das Armband von 1998 niemals zu tragen.

Von seinem Preisgeld blieben ihm, nachdem er seine Unterstützer bezahlt hatte, $ 333.333. Er kaufte dafür ein großes Haus für ihn, seine damalige Frau Dawn und seine Kinder. Dieser Sieg veränderte sein Leben nicht nur aus finanzieller Sicht, er veränderte auch seine Persönlichkeit. Scotty war für sein aufbrausendes Verhalten am Pokertisch bekannt. Nach einem Bad Beat (= eine Niederlage obwohl man gute Karten hat) hatte er seine Wut nicht unter Kontrolle, fluchte und beschimpfte die Dealer und die Leute um ihn herum. Er brachte sich selbst und vor allem seine Frau dadurch oft in Verlegenheit, doch durch den Weltmeistertitel fing er an, umzudenken und an seinem Temperament zu arbeiten. Er fühlte sich sehr geehrt und wollte sich von da an wie ein echter Champion benehmen. Er wurde ruhiger und viel netter zu anderen Leuten. In einem Interview erzählte Scotty stolz, er habe seit 1998 nur zehnmal einen Dealer beschimpft und dies abseits vom Tisch.

Bis zur Jahrtausendwende saß Scotty an zahlreichen Poker Finaltischen namhafter Veranstaltungen und pokerte sich meistens unter die ersten Zehn. Für seinen zweiten Platz beim Limit Omaha Hi-Lo Turnier des „Carnival of Poker“ im Jahr 2000 kassierte er $ 25.000 und seine beiden Siege beim „Jack Binion World Poker Open“ (Limit Seven Card Stud, Limit Omaha Hi-Lo) brachten ihm an die $ 70.000 ein.

Bei der WSOP 2000 wurde Scotty Vierter im Limit Seven Card Stud und kassierte dafür $ 30.300. Im selben Jahr konnte er Siege beim „Orleans Open“, beim „Legends of Poker“ und beim „Austrian Classic“ verbuchen und dominierte die Cash-Ränge zahlreicher Veranstaltungen.

Scotty Nguyen ist unschlagbar, Baby!

In den darauf folgenden Jahren jettete Scotty unermüdlich von Turnier zu Turnier und bescherte der Pokerwelt so viele exzellente Darbietungen, dass man wohl ein ganzes Buch schreiben müsste, um sie alle aufzuzählen.

2001 holte sich Scotty sein drittes Goldenes Armband, im Pot Limit Omaha und ein Preisgeld von $ 178.480. Im selben Jahr schlug der „Prince of Poker“ gleich noch einmal zu und gewann das Limit Omaha Hi-Lo Turnier, sein viertes Goldenes Armband und schlappe $ 207.580 an Preisgeld.

Sein dritter Platz beim „Tournament of Champions 2001“ No Limit Hold’em Main Event brachte ihm rund $ 77.000 ein und für seinen Sieg beim „Heavenly Hold’em“ Limit Hold’em Turnier durfte er $ 74.000 mit nach Hause nehmen. Es folgten zwei Siege bei den „World Poker Finals“, die mit $ 44.000 beziehungsweise $ 159.600 dotiert waren sowie zahlreiche andere hübsche Gewinnsummen.

Wo immer der „Prince of Poker“ auftauchte erstarrten die anderen Turnierteilnehmer vor Ehrfurcht, Scotty Nguyen schien unschlagbar. Zwischen 2001 und 2005 gab es kaum eine Veranstaltung bei der er sich nicht in mindestens einem Turnier unter die ersten Fünf pokerte, er ergatterte zahlreiche Erstplatzierungen und kassierte Unmengen an Preisgeld. Zu seinen ganz besonderen Errungenschaften zählen, neben den vier Goldenen WSOP Armbändern, seine Leistungen bei der WPT (World Poker Tour). Scotty ist der einzige, der es in allen WPT Saisonen an mindestens einen Finaltisch geschafft hat. Außerdem hat er bis dato (März 08) 4 WPT Titel gewonnen, darunter den Championship-Titel. Für seinen Sieg bei „WPT No Limit Hold’em Championship“, dem „Gold Strike World Poker Open“ der WPT Season 4 im Jahr 2006, kassierte Scotty unglaubliche $ 969.421.

Ebenfalls im Jahr 2006 heimste er für seinen zweiten Platz beim „Bellagio Five Diamond World Poker Classic" $ 124.030 ein, sein sechster Rang beim „Legends of Poker“ der WPT Season 5 brachte ihm $ 133.095 ein, für seinen 11. Platz beim Hauptturnier der WSOP 2007 bekam er $ 476.926, sein dritter Platz beim „US Poker Bowl“ 2007 war mit $ 100.000 dotiert…die Liste könnte endlos fortgesetzt werden.

Mit ungefähr 44 Erstplatzierungen und rund 250 Platzierungen in den Cash-Rängen zählt Scotty zu den erfolgreichsten und aktivsten Pokerspielern der Welt. Seine Turniergewinne belaufen sich auf über 6,5 Millionen Dollar, womit er auf Platz 9 der Liste der größten Geldgewinner steht (Stand März 08) und in der Rangliste der besten Omaha Hi-Lo Spieler der WSOP ist er auf Platz 2.

Am Pokertisch sorgt Scotty stets dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Er redet ununterbrochen und beinahe jeder seiner Sätze endet mit „Baby“. Er kommentiert das gesamte Spiel und versucht durch sein Gerede dem Gegner Informationen zu entlocken. Die Tatsache, dass er dabei gerne Bier trinkt, trägt wohl noch zu seinem Kommunikationsdrang bei. Wer eine Hand gegen den „Prince of Poker“ verliert hört mit ziemlicher Sicherheit den tröstenden Satz „That’s poker, baby!“ (dt.: „Das ist eben Poker, Baby!“). Seine zahlreichen Goldketten und Ringe kombiniert mit seinem coolen Auftreten machen Scotty zu einer der schillerndsten Persönlichkeiten in der Pokerszene, was ihm neben „Prince of Poker“ auch noch den Spitznamen „King of Bling“ (dt. etwa: „Klunker-König“) einbrachte.

Obwohl Scotty nie wieder so tief sank wie damals im "Ceasar’s", ist sein Geldmanagement nicht gerade beispielhaft. Er liebt nach wie vor alle Arten von Wetten und erzählte in einem Interview, er sei im Laufe seiner Karriere mindestens hundertmal pleite gegangen. Trotz dieser schlechten Angewohnheit schafft es Scotty, auf großem Fuß zu leben, auf sein Pokerkönnen ist immer Verlass und er muss nie lange auf den nächsten großen Geldgewinn warten. Scotty fungiert außerdem als Aushängeschild für die Kasino-Kette „Cherokee Casino Resort“ in Oklahoma; ansonsten lebt er fast ausschließlich von seinen Turniergewinnen, mit denen er außerdem seine große Familie in Vietnam unterstützt.

Der "Prince of Poker" privat

Scotty Nguyen lebt mit seiner zweiten Frau Julie und seinen Kindern in Las Vegas. Er genießt sein Haus mit Garten und spielt gerne mit seinen Affen, die fröhlich auf ihm herumturnen. Sein Wohnzimmer ist geschmückt mit Turnier-Trophäen und Poker-Accessoires. In seiner Freizeit geht er gerne fischen und er bezeichnet es als eines seiner Hobbys „Babys zu machen“. In dieser Disziplin ist der Prince of Poker besonders begabt, er hat nämlich bereits sieben Kinder (aus erster und zweiter Ehe zusammen)!

Scotty bezeichnet Respekt als eine der wichtigsten Tugenden in der Pokerwelt. Ein guter Pokerspieler braucht Klasse und Persönlichkeit und darf niemals vergessen, dass ihm der Erfolg nicht in die Wiege gelegt wurde. Scotty selbst hat einen harten und weiten Weg hinter sich und blickt regelmäßig zurück um nicht zu vergessen wo er herkommt. Er hat als „Niemand“ angefangen und es bis nach oben geschafft und je weiter man die Karriereleiter hinaufklettert, so Scotty, desto wichtiger ist es, anderen gegenüber höflich und respektvoll zu sein. Er würde niemals auf andere herabsehen, er möchte ein Beispiel für junge Pokeranfänger sein und ihnen zeigen, wie wichtig es ist, man selbst zu bleiben: „Weißt du, Scotty wird immer Scotty Nguyen bleiben, Baby!“

Wenn Scotty etwas an der Pokerwelt verändern könnte, würde er alle unanständigen Spieler hinauswerfen. Spieler, die andere auslachen und schimpfen – „That's not poker, baby. That's just dirty.“ (dt.: „Das ist nicht Poker, Baby. Das ist einfach nur schmutzig.“)

Scotty ist sehr dankbar für das, was er im Leben erreicht hat und bezeichnet sein Pokertalent als Geschenk Gottes. Leute, die mit ihm pokern sind erstaunt und fragen sich, wie es möglich ist, dass dieser Bursche fast immer im richtigen Moment die richtige Entscheidung trifft. Scotty überrascht sich damit oft selbst und kann sich seine Gabe nur schwer erklären, es muss wohl tatsächlich ein Geschenk Gottes sein.

Scotty Nguyen gehört ohne Zweifel zu den bemerkenswertesten Mitgliedern der Pokerszene. Er ist nicht nur einer der besten und aktivsten Spieler, er musste auch besonders hart für seinen Erfolg kämpfen. Er ist das beste Beispiel dafür, wie wichtig es ist, niemals aufzugeben, immer an sich zu glauben und für das dankbar zu sein, was man hat.

Scotty ist ein Spieler mit Leib und Seele und seine Teilnahme an einem Turnier ist für viele ein Grund, den Fernseher einzuschalten. Mit seinem unwiderstehlichen Charme und seiner Coolness zieht er die Menschen in seinen Bann. Er schafft es, witzig, cool und frech zu sein, ohne andere damit zu verletzen - eine ganz besondere Gabe in einem Sport wie Poker, wo es leider ziemlich oft in der Hitze des Gefechtes zu verletzenden verbalen Entgleisungen kommt.

Obwohl er sich getrost auf seinen Lorbeeren ausruhen könnte, denkt Scotty nicht ans Aufhören; er liebt das Spiel und sendet außerdem viel von seinem Geld an seine Großfamilie. Wir können uns also noch auf zahlreiche spannende und unterhaltsame Auftritte des „Prince of Poker“ freuen, denn Scotty Nguyen hat noch viel vor, Baby! 

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